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Full text of "Hermann Gäbler. Studien Zu Montesquieus Persischen Briefen, In Jahresbericht Des Königl. Gymnasiums Zu Chemnitz Für Das Schuljahr Ostern 1897 Bis Ostern 1898, Chemnitz 1898 HV"

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Jahresbericht 

des 

köniid Gymnasiums zu Chemnitz 

für das Schuljahr Ostern 1897 bis Ostern 1898 

durch welchen zugleich 

zor feierlichen Entlassung der Abiturienten ain 26. März, 10 Ihr vormittags 
und zu den öffentlichen Prüfungen der Klassen am 29. März 
im Namen des Lehrerkollegiums 


ergebenst einladet 


Prof. Dr. Bernhard Arnold, 

Rektor. 


e> 

Hierzu als Beilage: 

I)r. Hermann Gabler: „Studien zu Montesquicus Persischen Briefen“ 


Chemnitz. 

Druck von J. C. F. Pickenhahn & Sohn. 

1898 . 

IS98. Progr.-Nr. 557. 


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3jsW 


/HARVARD 

UNIVERSITY 

LIBRARY 

JUN 5 1941 




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Studien zu Hontesquieus Persischen Briefen. 


I. 

Charakteristik und Geschichte des Werkes. 


Das Jahr 1721 ist it« der Geschichte der Welt- 
litteratur ausgezeichnet durch das Erscheinen der 
Persischen Briefe, eines Werkes, welches auf das 
politische und religiöse Denken. Fühlen und Streben 
der Zeitgenossen wie der folgenden Geschlechter nicht 
blofs Frankreichs, sondern Europas ungeheuren Ein- 
flufs ausgeübt hat, und welches sich in Bezug auf 
die sprachliche Form den ersten Meisterwerken der 
Prosalitteratur Frankreichs an die Seite stellen konnte. 
Es waren zwei Bände in bequemem Taschenformat, 
gedruckt nach Angabe des Titelblattes in Amsterdam 
von Pierre Brunei und in Köln von Pierre Marteau. 
Der Name des Verfassers war nicht genannt, ln der 
Vorrede sagte er, er habe mit den beiden Persern, 
welche diese Briefe geschrieben hätten, zusammen¬ 
gewohnt Sie hätten vor ihm kein Geheimnis gehabt 
und ihm die meisten ihrer Briefe mitgeteilt. Er habe 
dieselben abgeschrieben und übersetzt und teile dein 
Publikum eine Anzahl davon mit Seinen Namen 
wolle er nicht nennen. Wenn man Wülste, wer er 
wäre, würde man sagen: Sein Buch palst nicht zu 
seiner Stellung: es ist eines ernsten Mannes nicht 
würdig: er könnte seine Zeit besser anwemlen. In 
ihrer Aufeinanderfolge enthielten die Briefe einen 
wohlgeordneten kleinen Roman, dessen Held der eine 
der beiden Perser, Namens Usbek, selbst ist. Usbek 
ist ein reicher und vornehmer Mann. In früher 
Jugend wurde er an den königlichen Hof gebracht. 
Er tindet nötig hervorzuheben, dal's sein Herz dasell»t 
unverdorben geblieben sei. Er habe das Elster stets 
gemieden und sich nie gescheut, es zu entlarven. 
Er habe sogar gewagt, die Wahrheit vor den Stufen 
des Thrones zu sagen, was bis dahin in Persien 
unbekannt gewesen sei. Sein Freimut habe ihm 
jedoch die Minister zu Feinden gemacht, ohne ihm 
di<* Gunst des Fürsten zu verschaffen. Da habe er 
den verdorbenen Hof verlassen und sich auf ein 
I-andgut zurückgezogen, um sieh den Wissenschaften 
zu widmen. Durch seine Entfernung vom Hofe 


I gewann die Bosheit seiner Feinde freies Feld. Er 
wurde gewarnt, an seine Sicherheit zu denken. Da 
I erbat er sich vom Könige die Erlaubnis, nach dem 
I Abendlande zu reisen, um die Wissenschaften des- 
i selben zu studieren. Die Bitte wurde gewährt Er 
reiste ab und entzog dadurch rechtzeitig seinen 
| Feinden ein Opfer. Die Reise wird i. J. 1711 an- 
; getreten Sie führt von Ispahan über Com, Tauris, 
i Erzerum, Tocat, Smyrna, Livorno und Marseille nach 
! Paris, dem „stege de Tempire d’Europe“, und dauert 
! reichlich ein Jahr. Begleitet ist Usbek von seinem 
! Freunde Rica. Ihr Aufenthalt in Paris währt bis 
zum Jahre 1720. Von hier aus unterhalten beide 
, einen regen Briefwechsel vornehmlich mit ihren 
Freunden Rustin, Mirza und Nessir in Ispahan, 
Ibben in Smyrna, Rhedi in Venedig und mit einander, 
i Usbek wechselt aufserdem noch eine Anzahl Briefe 
mit seinen Frauen Zachi, Zelis, Zephis, Fatine und 
Roxane und seinen Eunuchen. Diese letzteren Briefe 
! gewähren Einblicke in das persische Haremsleben, 
in das Verhältnis zwischen den Frauen und Eunuchen 
und enthalten hin und wieder lüsterne Schilderungen 
intimer Vorgänge. Die Frauen sind anfänglich fast 
alle erfüllt von Sehnsucht nach Usbek und schildern 
in leidenschaftlicher Weise ihre glühende Liebe zu 
1 ihrem Gatten. Dieser zeigt sich gleich von Anfang 
an von Eifersucht gequält. Im Jahre 1714 meldet 
l ihm dei Grofseunucli, dafs der Harem in Unordnung 
und Verwirrung geraten sei, unter den Frauen 
herrsche Zank und Streit, und sogar die Eunuchen 
seien geteilt. Der Grofseunucli findet die Ursache 
davon einzig und allein in der zärtlichen Liebe Usbeks 
zu seinen Frauen. Er meint, es würde anders werden, 
wenn Usbek ihm erlauben wollte zu strafen. Usbek 
geht auf den letzteren Vorschlag nicht ein. Der 
Harem scheint sich denn auch beruhigt zu haben. 
Bis zum Jahre 1717 erfahren wir nichts mehr darüber. 
Dann aber schreibt der Grofseunucli seinem Herrn, 
dal's im Harem alles drunter und drüber gebe. Die 

1 * 


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Frauen hätten alles Gefühl für Zucht und Sitte ver¬ 
loren; sogar ihre Treue sei zweifelhaft geworden- 
Jetzt erteilt Usbek dem Eunuchen unbeschränkte 
Vollmacht. Ehe aber dieser Brief Usbeks ankommt, 
stirbt der Eunuch. An seine Stelle tritt Narsit, der 
nächstälteste Sklave, ein argloser alter Mann, der 
für die eingerissene Unordnung kein Auge hat und 
sich nicht getraut, den Brief des Herrn zu öffnen. Er 
wird abgesetzt, und die Aufsicht über den Harem wird 
mit unbeschränkter Vollmacht einem anderen Eunuchen, 
Solim, übertragen, der mit unerbittlicher Strenge vor¬ 
geht. Die Frauen melden klagend ihrem Gatten, dafs 
Solim auftrete wie ein Tiger, ihnen Unterhaltung und 
Freiheit entziehe und sie sogar mifshandele. Wenn 
das mit Usbeks Einverständnis geschähe, so müfsten 
sie an seiner Liebe verzweifeln. Nur Roxane, Usbeks 
Lieblingsgattin, gesteht trotzig, dafs sie ihm die Treue 
gebrochen habe, und fügt hinzu, sie habe ihn überhaupt 
nie geliebt, sondern stets gehafst; er möge ihr danken, 
dafs sie den Schein der Treue so lange bewahrt habe. 
Sie sei entschlossen, in den Tod zu gehen, und habe 
bereits Gift genommen. 

Damit schliefst der Briefwechsel. Wir dürfen , 
nnnehmen, dafs der betrogene Usbek nach solchen ! 
Erfahrungen in sein Vaterland zurückgereist ist trotz 
der Gefahren, die ihm von seinen Feinden drohten, j 

Für jeden Leser des Buches war nun auf den >. 
ersten Blick klar, dafs diese einfache und handlungs- j 
arme Geschichte an dem ganzen Werke nur neben- ; 
sächlich war, dafs sie blofs den Rahmen abgab für 
das eigentliche Gemälde, und dafs die Tendenz des 
Ganzen auf etwas andres hinauslief, ln ihrem Brief- ■ 
Wechsel handelten nämlich die Perser noch über Dinge, I 
die zu den ernstesten gehören, welche nur eine | 
Menschenbrust bewegen können. Aufserdem be- j 
schrieben sie ihre Reiseeindrücke in so meisterhafter ! 
Weise, dafs die Briefe ein farbenreiches und lebens¬ 
wahres Spiegelbild der Zeit ergaben. 

Da wurde gleich am Anfänge die Geschichte 
des TroglodytenVolkes erzählt, welche im Grunde auf ! 
den Nachweis hinauslief, dafs wahre Bürgertugend ; 
mit der Monarchie unvereinbar sei und nur in einem 1 
freien Lande gedeihen könne. An verschiedenen 
Orten wurde mit ausgesuchter Vorliebe auf die Nach- ; 
teile des despotischen Regiments hingewiesen, und 1 
mit ebenso grofser Vorliebe wurden die Vorzüge der 1 
Staaten mit freier Verfassung, z. B. Englands und j 
der Republiken, die dem Verfasser „das Sanctuarium I 
der Ehre und Tugend“ sind, hervorgehoben; ebenso 
die Einrichtungen der freien Germanen, deren Könige j 
nur Heerführer mit beschränkter Vollmacht waren 
und abgesetzt werden konnten. Diese nordischen ' 
Völker seien eigentlich keine Barbaren gewesen, weil 1 
sie frei waren. Dafs demnach Ludwig XIV., während I 
dessen letzten Regierungsjahren unsre Perser nach I 
Paris gekommen sind, in günstigem Lichte erscheint, | 


darf nicht erwartet werden. Er wird als ein grofser 
Zauberer bezeichnet, der in unvergleichlichem Grade 
das Talent besitzt, sich Gehorsam zu verschaffen; der 
bewirkt, dafs seine Untcrthanen denken, wie er will, und 
sogar die Berührung mit seiner Person für heilkräftig 
halten. Ein noch gröfserer Zauberer ist freilich der 
Papst, der über den Geist des Königs in demselben 
Grade herrscht, wie dieser über den Geist seiner Unter- 
thanen. Über den Regenten Philipp von Orleans wird 
anfangs nicht ungünstig geurteilt, weil er in den 
ersten Tagen seiner Regierung das Parlament, diese 
„image de la liberte publique“, wieder zu Ansehen 
und Ehren brachte. Aber gegen die erbärmliche 
Mifsregierung der letzten Jahre der Regentschaft, 
während deren das unselige Finanzsystem des Schotten 
Law die Nation in ihrem Innersten erschütterte, 
werden die furchtbarsten Anklagen erhöhen. Zahl¬ 
reiche heftige Angriffe werden auch gegen Kirche 
und Papsttum gerichtet. Der Papst wird geradezu 
als ein altes Götzenbild bezeichnet, welches man nur 
noch aus Gewohnheit beräuchere. Während der 
Protestantismus wenigstens einmal beifällig beurteilt 
wird (117), giebt es für den Katholicismus nirgends 
ein anerkennendes Wort. Diesem wird sogar prophezeit, 
dafs er nicht länger als fünfhundert Jahre noch be¬ 
stehen werde. Dafs die Perser freilich die strenge 
Rechtgläubigkeit überhaupt mit Spott überschütten 
und über allgemein christliche Lehren, z. B. über 
das Abendmahl und die Dreieinigkeit (24), in recht 
auffällig naiver Weise berichten, kann nicht ver¬ 
schwiegen werden. Atheisten sind die Verfasser der 
Briefe jedoch nicht gewesen. Sic glauben an Gott 
und Unsterblichkeit. Die Beobachtung der religiösen 
Ceremonien halten sie allerdings für nebensächlich. 
Sie meinen, Gott am besten zu gefallen, wenn sie 
sich als gute Bürger und Familienväter erweisen. 
Andersgläubigen sprechen sie den Himmel nicht ab. 
Wiederholt weisen sie nach, wie schädlich religiöse 
Unduldsamkeit für die Staaten gewesen ist. Sie 
glauben sogar, dafs die Vielheit der Religionen den 
Staaten nützlich sei. 

Noch über andere hochernste Dinge haben diese 
Perser nachgegrübelt. Sie halten den Selbstmord für 
nicht unerlaubt. Jeder darf nach ihrer Ansicht einem 
leidvollen Dasein ein Ende machen. Sie finden es 
unbegreiflich, dafs man in Europa die Selbstmörder 
bestraft. Ein anderer Brief enthält zwar eine Ab¬ 
schwächung dieser Verteidigung des Selbstmords, kann 
uns aber nicht überzeugen, dafs die Perser im Grunde 
eine andere Ansicht gehabt hätten. Sie weisen ferner 
auf den unverkennbaren Widerspruch hin, der zwischen 
dem unbeschränkten Vorherwissen Gottes und der 
menschlichen Willensfreiheit vorhanden ist, und suchen 
diesen Widerspruch zu lösen. Sie handeln über die 
Idee der Gerechtigkeit und ihr Verhältnis zur Idee 
Gottes; über die Notwendigkeit der Ehescheidung in 


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gewissen Fällen; über den Nutzen, den eine starke 
Autorität des Gatten und Familienvaters über die 
Seinigen für den Staat hat; über das Hecht der 
Fürsten und Völker, Kriege zu führen; über das 
Verhältnis zwischen Staats- und Frivotrecht; über 
den wohlthätigen Einflufs der Künste und Gewerbe; 
über die Entvölkerung der Erde; über den Ursprung 
des Zweikampfs und die Folgen, welche die Verbote 
desselben gehabt haben; über die Notwendigkeit, die 
Gesetze zu ändern; über das Verhältnis der Strafen 
zu den Vergeben; über den verhängnisvollen Einflufs 
gewissenloser Minister auf den Fürsten etc. 

Während ihres langjährigen Aufenthalts in Paris 
haben unsre Perser sich viel in der Gesellschaft be¬ 
wegt und dadurch Gelegenheit gefunden, eine grofse 
Zahl offizieller und typischer Persönlichkeiten kennen 
zu lernen und Einblicke in die französischen Sitten 
zu tliun. Es ist natürlich, dafs sie uns ihre Ein¬ 
drücke offenherzig mitteilen. Auf diese Weise er¬ 
halten wir eine wahre Galerie von komischen Charak¬ 
teren jener Zeit, die mit treffender Ähnlichkeit nach 
dem Leben gezeichnet sind. Da werden geschildert 
ein Adept, der glaubt, die Kunst des Goldmaehens 
entdeckt zu haben, und seinen vermeintlichen künftigen 
Reichtum möglichst thöricht verwendet; ein Kapuziner, 
der in Persien eine Niederlassung für einige Ordens¬ 
brüder gründen möchte, aber beileibe nicht selbst 
hingehen will, weil er dann seine bequeme Stellung 
als Provinzial aufgeben rnüfstc; hohle Schöngeister, 
welche die Unterhaltung’ in den Gesellschaften zu 
beherrschen trachten; alte Leute, welche die Ver¬ 
gangenheit lohen und in der Gegenwart alles tadelns¬ 
wert finden: geistlose Bücherfabrikantcn: Richter, 
welche ihr Amt aus dem Erlöse ihrer Bibliothek 
gekauft haben, auf Weiterbildung verzichten und sich 
auf das Wissen der Adxokatcii verlassen; Pflastertreter 
und Neuigkeit^krämer. die überall sind und alles 
wissen: Philologen und Mathematiker von einseitiger 
Geistesri' htung: reiche und geschwollene, aber niedrig 
geborene und unwissende Generalpächter: geistliche 
Gewissensräte, welche öffentlich gegen das La-ter 
donnern, aber unter vier Augen sanft sind wie die 
IAmmer, und welche gern von der göttlichen Gnade 
sprachen, ai er noch lieber einer schönen Frau etwas 
von ihrem Falle ins Ohr flüstern: Spieler, welche 
ohne Rücksicht auf Gehurt, Vermögen und Gesinnung 
nur lediglich dieser Eigenschaft halber als anständige 
Leute gelten; vornehme Herren, welche sich in be¬ 
leidigender Weise schneuzen, spucken und ihre Hunde 
liebkosen, wenn ein tiefer stehender ihnen seine Auf¬ 
wartung macht etc. Auch über öffentliche Einrich¬ 
tungen und gesellschaftliche Gebrechen ziehen die 
sp"tt.?üchtigcu Reiser her. Die Akademie ist ihnen 
eine Vereinigung von Schwätzern, an deren Beschlüsse 
<ich niemand hält; die Fnivci>ität, die ältest** und 
daher zuweih n träumende Tochter der französischen i 


j Könige, befafst sich zumeist mit kleinlichen Streit ig- 
; Seiten. Entsetzt sind sie über die geringe Treue 
| in den französischen Ehen und über die Sitten- 
j losigkeit der Pariserinnen, die weder Tugend noch 
Scham kennen und sich nur schmücken, um fremden 
i Männern zu gefallen. Sie geifseln die Eitelkeit 
| der Frauen, welche mit allen Mitteln bestrebt 
I sind, ihr Alter zu verbergen; die lächerliche Eifer- 
| sucht zwischen den verschiedenen Ständen; die scham- 
j lose und frevelhafte Günstlingswirtschaft („Tugend 
| und Verdienst unterscheiden niemand in Paris von 
dem grofsen Haufen. Als der erste gilt hier, wer 
die besten Pferde vor seiner Kutsche hat; als vor- 
! nehm, wer den König sieht, mit Ministern spricht 
I und Ahnen und Schulden hat“ (88). „Die Höflinge 
werden hier vom Fürsten mit ungeheuren Summen 
| beschenkt und Millionen von Unterthanen dadurch in 
Armut gestürzt") (124). Ferner werden schonungslos 
gegeißelt die rasch wechselnden und kostspieligen 
Modethorheiten, die Neugier, Beweglichkeit, Ruhm¬ 
sucht und Eitelkeit der Franzosen, die ihren höchsten 
Stolz darein setzen, dafs ihre Köche und Perücken- 
macher im Auslände als die ersten gelten, und dabei 
gern zufrieden sind, wenn fremde Völker ihnen in 
wichtigen Dingen überlegen sind. 

Cher so vielerlei Gegenstände, die zu den 
pikantesten, ernstesten und gefährlichsten gehören, 
die es überhaupt giebt, hatte man noch nie in ein 
und demselben Buche zu lesen bekommen. Und 
dabei war die Sprache bündig und angemessen, rein 
und vornehm. „Aucun des dons par lesquels on 
peut frapper et retenir l’attention ne manque ä ce style: 
ni Tiinagination grandiose, ni le sentiment profund, 
ni la vivacite du trait, ni la diHicatesse des nuances. 
ni la precision vigoureuse, ni la grace enjouee, ni le 
burlesque imprevu, ni la variete de l&miseeu scene“ 1 ). 

Die verschiedensten Leserkreise fanden darin 
Dinge, welche ihrem Geschmacke zusagten. Der 
Philosoph wurde angeregt zum Nachdenken über tiefe 
philosophische Probleme: der I^bemann ergötzte sich 
an den lüsternen Haremsbildern; der Freigeist freute 
sieh über den schonungslosen Witz, mit welchem 
d* r angebliche christliche Aberglaube von diesen auf¬ 
geklärten Mohamedanern verspottet wurde; die zahl¬ 
reichen Feinde des Regenten und l.aws Iahten sieh an 
dem Freimute, mit welchem der Schwindel der letzten 
Jahre gegeifselt war*). Der Erfolg der Persischen 
Briefe war ungeheuer. Sie wurden von der gebildeten 
französischen Lesewelt mit Leidenschaft verschlungen. 
Im Jahre 1721 erschienen allein 4 Ausgaben und 
4 Nachdrucke :i ). „Monsieur, faites-moi des Lettres 
persanes“, riefen erwerbssinnige Buchhändler den 
Schriftstellern zu 4 ). Und dieser Erfolg konnte sich 
nur steigern, als man erfuhr, dafs der Verfasser des 
kühnen Buches ein Mann von altem Adel sei und 
ein angesehenes Stnatsaint bekleide. Charles-Louis 


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de Secondät de la Brede, seit 1714 Rat am Gerichts¬ 
hof (parlement) von Bordeaux und seit 1716 Präsident 
(President ä mortier) 5 ) an demselben Gerichtshöfe und 
den Namen de Montesquieu führend, war damals 
3*2 Jahre alt. Das letztere Amt hatte er von seinem 
Onkel, dem Baron von Montesquieu, geerbt. Dieser 
hatte ihn zum Erben seiner Güter und seiner Stelle 
eingesetzt, unter der Bedingung, dafs er seinen Namen 
an nähme. La Brede hat sich auch fortan mit dem 
Namen unterzeichnet, der durch ihn unsterblich 
werden sollte 6 ). Literarisch war er bis dahin nur 
in den engeren Kreisen der heimatlichen Provinz 
bekannt und zwar durch Abhandlungen, die er für 
die Akademie von Bordeaux geschrieben hatte, einen 
Kreis gebildeter Männer, welche sich zu gegenseitiger 
geistiger Anregung und Förderung zusammen¬ 
geschlossen hatten. Diese Abhandlungen sind zum 
Teil nur nach* ihrem Titel bekannt 7 ). Abgesehen 
von einigen philosophischen und historischen Themen 
behandeln sie zumeist naturwissenschaftliche Gegen¬ 
stände. Charakteristisch für Montesquieu wie für 
die meisten führenden Geister seines Jahrhunderts ist 
also, dafs er in den Naturwissenschaften wohl be¬ 
wandert war 8 ). 

Ober die Entstehungszeit der Persischen Briefe 
ist etwas Genaueres nicht bekannt. Vian meint, dafs 
Montesquieu den Plan zu seinem Buche bereits bei 
seinem i. J. 1711 erfolgten Abgänge vom Gymnasium 
gefafst und es während der folgenden neun Jahre 
allmählich in seinen Mufsestunden niedergeschrieben 
habe 9 ). Lefevre glaubt dagegen, dafs die Idee zu dem 
Werke ihm erst i. J. 1718 gekommen sei 10 )- Die 
Annahme Vians dünkt mir weniger wahrscheinlich als 
die Lefövres. Das Buch macht im ganzen den Ein¬ 
druck, als ob es in einem Gusse entstanden wäre. 
Die abgeschmackte Behauptung, dafs Montesquieu 
sogar Mitarbeiter gehabt, habe, wird von Vian, Lefövre 
und Laboulaye 11 ) gebührend zurückgewiesen. 

Die Form, in welcher Montesquieu sein Buch 
darbot, nämlich Fremdlinge auftreten zu lassen, welche 
die Verhältnisse europäischer Länder nach Mafsgabe 
der Ideen und Vorurteile ihres Landes beurteilen, 
war damals noch nicht verbraucht Schon mehrfach 
hatte man sich dieser Verhüllung bedient. Der Lust¬ 
spieldichter Riviöre - Dufresny hatte in seinen „Amüse¬ 
ments serieux et comiques“ einen Siamesen Betrach¬ 
tungen über Paris anstellen lassen In P. Maranas 
seiner Zeit viel gelesenem und beliebtem Buche: 
„L’Espion dans les cours des princes chretiens“ berichtet 
und urteilt ein Türke, der ein Agent des Grofsherrn 
ist, über Ereignisse des 17. Jahrhunderts 12 ). Addison 
hatte in einem Aufsatze des Spectators einen Indier 
aus Java plötzlich an die Ufer der Themse versetzt 1S ). 
Und schon viel früher hatte ja auch Boccaccio sich 
einer ähnlichen Umrahmung bedient Die öfters auf¬ 
geworfene Frage, woher Montesquieu eigentlich den 


Rahmen zu seinen Lettres persanes genommen ha 
wird sich daher kaum entscheiden lassen. Sie 
aber auch von sehr untergeordneter Bedeutu 
Zweifellos hat er die genannten Schriften gekari 
Ein derartiger Rahmen lag ohnedies für den Satiril 
sehr nahe. Schliefslich ist der Roman auch gar ni 
die Hauptsache des Buches. Diese liegt vielmehr in d 
eigentlichen Gemälde, und das ist Montesquieus a 
schliefsliches Eigentum. Nachweisbar ist er i 
beeinflufst worden durch die damals beliebten 1 
Schreibungen von Orientreisen. 

Eine so einschlagende Wirkung wie die I^ett 
persanes hatte also seit langer Zeit kein Buch 
Frankreich gehabt. Jeder aufserordentliche litterarisi 
Erfolg hat nach Lotheifsen eine unerläfsliche V 
bedingung ,4 ). Er sagt, dafs ein derartiges W 
das Denken und Fühlen einer ganzen Epoche 
hervorragender Form zum Ausdruck bringen, glei 
sam die Arbeit der Gesamtheit und der Vor! 
einer neuen Zeit sein müsse. So sei der beispie 
glänzende Erfolg zu erklären, mit welchem 85 Ja 
früher Corneilles Cid aufgenommen worden war i 
ebenso der Triumphzug, den Goethes Werther 53 Ja 
später um die Welt antrat. Diese Vorbedingung t 
auch auf die Persischen Briefe zu. 

Ludwig XIV. war seit sechs Jahren tot. 
französische Volk hatte ihn ohne Bedauern in 
Gruft sinken sehen. Zu schwer hatte der Di 
dieser mächtigen Hand auf allen gelastet. Sc 
gegen das Ende seiner Regierung hatten sich Regun 
gezeigt, welche auf einen bevorstehenden Umschw 
der Dinge hindeuteten. Da hatte Fenelon < 
präsumptiven Thronfolger, seinem Zöglinge, Vorscli 
für die Einführung einer Verfassung gemacht, ch 
welche die unbedingte königliche Alleinherrschaft 
mäfsiger Weise beschränkt werden sollte, freilich 
zu Gunsten des Klerus und des Adels. Auch 
Herzog von Saint-Simon hatte von einer Beschränk 
der Monarchie geträumt, allerdings ebenfalls in 
Weise, dafs der Franzose erst beim Herzog oder 
an fing 15 ). Der Abbö von Saint-Pierre, der 

verspottete, aber edelgesinnte Prediger des ew 
Friedens, dessen Ideen später von Kant wieder 
genommen werden sollten, hatte zuerst gewagt, 
kriegerischen Ruhm des Königs ernstlich zu 
streiten l6 ). Beim Tode Ludwigs atmete alles 
Gegen die Bestimmungen des königlichen Testam 
übernahm Philipp von Orleans, der Sohn der wack 
Pfälzerin Elisabeth Charlotte, die Regierung wäh 
der Minderjährigkeit des jungen Königs. Das T< 
ment selbst hatte er mit Hilfe des Parlaments 
Paris, welches seit mehr als fünfzig Jahren 
klägliche Rolle gespielt hatte, umstofsen lassen. ] 
Wunder, dafs das Parlament „das Vollgefühl c 
souveränen Körperschaft atmete“ 17 ). Mehrere r 
nach seinem Regierungsantritte erliefs Philipp 


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Edikt, welches anordnete, dafs die Ministerien durch 
Ratskollegien zu ersetzen seien, weil die Wahrheit 
schwerer zu den Ohren des Fürsten dringen könnte, 
wenn die gesamte Gewalt eines Ministeriums in einer 
einzigen Hand vereinigt sei. Diese Verfassungsreform 
machte der bisherigen Tyrannei der Minister ein Ende 
und setzte an die Stelle des Gehorsams die Beratung 18 ). 
Und in einem Edikte vom Jahre 1717 über die 
Regelung der Thronfolge wurde ein Grundsatz von 
unermeßlicher Tragweite ausgesprochen, nämlich, 
dafs die regierende Familie nicht das Recht habe, 
Dominien zu veräußern und über die Krone zu ver¬ 
fügen, sondern dafs letzteres Recht im iiulsersten 
Falle der Nation zustehe 19 ) Auch in kirchlicher 
Beziehung machten sich Bestrebungen nach nationaler 
Unabhängigkeit geltend. Kurz, der Regent stellte 
alles Bestehende in Frage und schien in allen Stücken 
das Gegenteil dessen thun zu wollen, was sein Vor¬ 
gänger gethan. Das Volk glaubte bei allen diesen 
Vorgängen einen Strahl der Freiheit zu sehen. Un¬ 
begrenzte Hoffnungen und verwegene Gedanken wurden 
erweckt. Das Privatleben des Regenten bot allerdings 
ein grauenerregendes Bild. Der begabte, ursprünglich 
gut angelegte, aber von seinem Hofmeister Dubois 
blitzübel“ erzogene Sohn der Elisabeth Charlotte 
kannte keinen anderen Kultus als das Vergnügen. 
Ehebruch und Blutschande wurden durch ihn Mode. 
„Die Nachwelt nennt ihn nicht, ohne mit seinem 
Namen das Gedächtnis schamloser Orgien zu ver¬ 
binden" Sü ). Er war der ausgelassenste Wüstling 
einer durch und durch unsittlichen Gesellschaft, sein 
Palast eine Hochschule des Lasters in jeder Gestalt 31 ) 
Die Sitten verwilderten unter der Regentschaft in 
grauenhafter Weise. Noch nie hatte eine Gesellschaft 
die Satire frecher herausgefordert. Dazu kamen die 
durch das System Igiws heraufbeschworenen Stürme 
der letzten zwei Jahre, die wenigstens das Aufkommen 
und Erstarken einer öffentlichen Meinung zur Folge 
hatten. Von diesen Zuständen und Wirren geben die 
Lettres porsanel ein getreues Bild. „La Regence 
na pas de rniroir plus exact"**). 

Aber die Persischen Briefe wirkten nicht nur 
negativ, indem sie ein Bild der politischen und 
sozialen Verderbnis vorführten, sondern auch positiv, 
indem sie andeuteten, wie die Übel geheilt werden 
könnten, nämlich durch religiöse Duldung, politische 
Freiheit und Menschlichkeit auf allen Gebieten des 
Indiens Das aber sind die leitenden Ideen des vorigen 
Jahrhunderts Sie werden in dem Buche zum ersten 
Male in zündender Weise entwickelt, und dadurch 
ist dasselbe für die damalige Menschheit zu einem 
Wegweiser in die Zukunft geworden. Montesquieu 
tr••mit sich damit von dem 17. Jahrhundert und weist 
dem 18. Pfad und Ziel an. „Tonte la Philosophie 
nouvelle eclot sous sa rnain avec un uir d’innocence" -^j 


„Les Lettres per-anes c<mtiennent en germe tonten 


les idees importantes du siecle u24 ). Dafs Montesquieu 
der Vater dieser Gedanken gewesen sei, wird niemand 
behaupten wollen. Er ist aber ihr erster hervor¬ 
ragender Prophet Der Ursprung dieser Gedanken 
weist vielmehr auf England hin. Da nun die Refor¬ 
mation England zu dem gemacht hatte, was es damals 
war, und da die hauptsächlichsten Vertreter der neuen 
Gedanken, wie Locke und Bayle, Protestanten waren, 
so folgt daraus, dafs es eigentlich protestantische 
Gedanken sind 25 ). Die neue Philosophie konnte 
aber in der freien Luft Englands nicht gedeihen, sie 
verkümmerte dort nach kurzer Blüte. In Frankreich 
dagegen gedieh der aus England importierte Keim 
mit außerordentlicher Kraft 26 j Die Atmosphäre des 
Absolutismus und der kirchlichen Intoleranz waren 
seiner Entwickelung offenbar günstig. Alle Gebiete 
wurden hier bald durch das neue Gewächs überwuchert. 
Deshalb ist die geistige Bewegung des vorigen Jahr¬ 
hunderts eine wesentlich französische. Hier in Frank¬ 
reich fand sic auch ein für ihre Ausbreitung aufser- 
ordentlich günstiges Organ, nämlich eine kunstvoll 
ausgcbildete Sprache. „Les bons ecrivains de cette 
nation expriinent les choses mieux que ceux de toute 
autre nation . . . c’est par Part de la parole qu’on 
rögne sur les homnies“ 37 ) 

Heutzutage haben die Lehren, welche Montesquieu 
vor mehr als 17ü Jahren zum ersten Male in beredter 
Form predigte, zum großen Teil ihre Früchte getragen. 
Unsere politischen Einrichtungen sind freier und 
geordneter; Religionsverfolgungen sind wenigstens 
äußerst selten geworden; die Sklaverei existiert bei 
keinem christlichen Kulturvolke mehr, und die bar¬ 
barische Strafjustiz hat längst in mildere Bahnen 
eingelenkl 2H ). 

Der Erfolg jedes Meisterwerks pflegt Nach¬ 
ahmungen hervorzurufen. Die Lettres persanes haben 
deren eine große Anzahl gehabt. Die Erinnerung 
an die meisten davon ist uns freilich verloren ge¬ 
gangen. In Frankreich wurden veröffentlicht Lettres 
turques von Saint-Foix, welcher Name nach I^aboulaye 
ein Pseudonym für Montesquieus Nebenbuhler Mathicu 
Maniis ist. Diese Lettres turques wurden von ge¬ 
wissen Buchhändlern skrupellos mit den lettres 
persanes verbunden. Ferner erschienen Lettres juives, 
Lettres chinoises, Lettres d’Amabed von Voltaire 29 ), 
und in England Nouvelles lettres persanes, welche 
1735 in das Französische übersetzt wurden :HU ). Alle 
diese Nachahmungen verhalten sich nach Lahoulaye 
zu «len Lettres persanes wie ein Kopßt oder ein 
Schmierer zu einem großen Maler. „On peut repro- 
duire la maniörc d’un artiste, on n’imite pas lo 
g6nie“ ai ). 

Die Persischen Briefe sind, wie bereits bemerkt, 
im Auslande und anonym erschienen. Die Gründe, 
welche der Verfasser in der Vorrede für die Anonymität 
vorbrarhte, sind sicherlich nicht die einzigen gewesen. 


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Vian bemerkt richtig, dafs die Anonymität jeder Zeit 
ein Deckmantel war entweder für unerprobte Talente 
oder für abhängige und die Verantwortung scheuende 
Charaktere oder für Leute in Staatsstellung 32 ). Der 
letztere Grund, vielleicht auch der /.weite, mögen für 
unsern Autor zutreffen. Auch heutzutage würde ein 
Beamter in ähnlicher Stellung wie Montesquieu mit 
gutem Grunde Bedenken hegen, derartige Dinge 
gegen Staat und Kirche unter seinem Namen zu 
veröffentlichen. Damals war die Sache aber weit 
bedenklicher. Das Recht, frei zu denken, war 
keineswegs anerkannt, noch weniger das Recht, seine 
Gedanken frei zu veröffentlichen. Barni weist auf 
Verordnungen aus der Zeit vor und nach Ludwig XIV. 
hin, die jede freie Äufserung mit schwerer Strafe 
bedrohten 33 ). Jedes Buch mufste die dreifache Zensur 
der königlichen Polizei, des Parlaments und des 
Klerus passieren. Unter der Regentschaft waren 
nun zwar die Sitten duldsamer geworden als die 
Gesetze, immerhin konnte es sich für den Autor wie 
für den Drucker eines Buches, wenn nicht um den 
Strick, so wenigstens um die Bastille handeln. War 
dagegen das Buch im Auslande gedruckt und der 
Name des Verfassers geheim gehalten, so blieben 
letzterem Ausreden übrig, und die Obrigkeit hatte 
die Füglichkeit, das Werk zu verbieten, ohne den 
Autor persönlich zu treffen. Montesquieu mufste 

als Jurist wissen, wie diese Gefahren am besten zu 
vermeiden waren. Nachdem er die Lettres persancs 
vollendet hatte, fragte er einen seiner ehemaligen 
Lehrer, den Pöre Desmolets, welcher als Kritiker 
und Herausgeber litterarischer Blätter einen geachteten 
Namen hatte, über die Veröffentlichung um Rat 34 ). 
Dieser riet ihm aus Rücksicht auf die Religion und 
seine Stellung davon ab, fügte aber für den voraus¬ 
sichtlichen Fall, dafs sein Rat nicht befolgt würde, 
hinzu: „Cela se vendra comme du pain“. Montesquieu 
liefs sich auch nicht von der Veröffentlichung abhalten. 
Er schickte seinen Sekretär, den Abbe Duval. mit dem 
Manuskripte nach Amsterdam, welches damals ein 
hervorragender Sammelpunkt vertriebener französischer 
Protestanten war, um es drucken zu lassen. Als der 
Druck vollendet war, setzte Duval für den Drucker 
einen falschen und für den Druckort einen ungenauen 
Namen auf das Titelblatt 35 ). Zur Erklärung der Art 
des Erscheinens sei schliefslich noch darauf hin- 
gowiesen, dafs Montesquieu alle seine Werke anonym 
und im Auslande hat erscheinen lassen, und dafs fast 
mit allen bedeutenden vor der Revolution geschriebenen 
Werken der französischen Litteratur dasselbe der Fall j 
gewesen ist 36 ). 

Nun begiebt sich aber etwas Merkwürdiges 
Nach einem Jahre aufserordentlichen Erfolgs hören 
die Persischen Briefe plötzlich auf zu erscheinen 
Erst das Jahr 1730 bringt wieder eine Ausgabe. 
Wie ist das zu erklären? Eine Stelle aus Montesquieus 


Selbstportrait 87 ) giebt uns einen Fingerzeig. Er sagt 
dort, dafs er bei seinem Eintritte in die Welt auch 
bei offiziellen Persönlichkeiten (gens en place) günstige 
Aufnahme gefunden habe, da ihm der Ruf eines 
„homme d’esprit“ vorausgegangen sei. Aber nachdem 
er durch die Lettres persanes vielleicht gezeigt, dafs 
er wirklich Geist besäfse und einige Achtung beim 
Publikum erlangt hätte, hätten sich die „gens en 
place“ kühler gezeigt, und er habe tausendfache 
Verdriefslichkeiten erfahren. Aus diesen Worten 
geht einmal hervor, dafs Montesquieu sich auf die 
Lettres persanes etwas zu gute that, dann, dafs sie 
ihm die Achtung des Publikums eintrugen, endlich 
aber auch, dafs die offiziellen Kreise, also Regierung 
und Klerus, daran Anstofs nahmen. Letzteres ist 
nach dem Inhalte des Buches auch nicht verwunderlich. 
Wir dürfen annehmen, dafs Montesquieu, der auch 
sonst nicht der Mann war, etwas auf die Spitze zu 
treiben, das weitere Erscheinen des Werkes vorläufig 
selbst verhindert hat. Eamoignon de Malesherbes 
berichtet sogar, dafs die Lettres persanes von dem 
Kardinal Dubois in der That verboten worden seien Rs ). 
Dubois, der lasterhafte Erzieher und Freund des 
Regenten, wurde 17*21 Kardinal und am 22. August 1722 
erster Minister Sollte der Umschwung in der 
Stimmung gegen Montesquieu und sein Buch mit 
dem Wechsel in der Regierung in Zusammenhang 
stehen? Dafs man in gewissen Kreisen die Lettres 
persanes verabscheute, stimmt auch zu dem, was uns 
über die Rolle berichtet wird, welche das Werk 
bei der Aufnahme Montesquieus in die Akademie 
gespielt hat. 

Trotz der boshaften Spöttereien, welche er sich 
in den Lettres persanes auf die Akademie gestattet 
hatte, bewarb sich Montesquieu wiederholt um einen 
Sitz in derselben. Wie ist das zu erklären? Waren 

| die Spöttereien nicht so böse gemeint? Laboulaye 
sagt, man habe jeder Zeit über die Akademie 
gespottet, solange man nicht zu ihr gehörte, und 
immer habe sich die Akademie dadurch gerächt, dafs 
sie die Spötter zu Akademikern machte 39 ). Wir 
wissen nicht, ob diese Bemerkung allgemein zutrifft. 
Der Verlauf, den die Wahl Montesquieus nahm, 
spricht nicht eben dafür. Unleugbar aber ist, dafs 
Montesquieu sich einer Inkonsequenz schuldig machte 
Es ist übrigens nicht die einzige. Er hat auch sonst 
nicht immer die in den Lettres persanes ausgesprochenen 
Grundsätze befolgt 40 ). Der historische Verlauf der 
Angelegenheit ist folgender. 

| Als im Jahre 1725 ein Sitz in der Akademie 

erledigt war, bewarb sich Montesquieu darum und 
wurde gewählt dank dem Einflüsse seiner Gönner 
und Gönnerinnen. Seine Neider setzten es jedoch 
durch, dafs die Wahl nicht bestätigt wurde. Sie 
beriefen sich auf eine Bestimmung der Satzungen, 
nach welcher der Kandidat in Paris wohnen mufste 


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Im folgenden Jahre verkaufte Montesquieu sein Amt, 
um sieh ganz seinen Studien widmen zu können, 
und nahm seinen Wohnsitz in Paris. Als im Jahre 1727 
durch den Tod Louis* de Sacy wieder ein Sitz in 
der Akademie erledigt war, bewarb sieh Montesquieu 
zum zweiten Male Per Tod de Sacys war ;m 
*26 Oktober erfolgt. Pie Sache schien im besten 
Gange zu sein. Per Kardinal Fleury erklärte in 
einem Briefe vom 27. Oktober an den Sekretär der 
Akademie, dafs er der Gesellschaft bei der Wahl eines 
Mitgliedes vollständig freie Hand lassen wolle 41 ) 
Ein Mitbewerber war anfangs nicht vorhanden. Die 
Kandidatur Montesquieus wurde im Schoi'se der 
Akademie unterstützt von dem eintüifsreichen Abbe 
Mongault und von aufsen durch die Marquise de 
l^imbert. Die Wahl in die Akademie war damals 
eine doppelte. Peim ersten Wahlgange handelte es 
sich darum zu ermitteln, wer dem Könige vorgeschlagen 
werden sollte, beim zweiten um die eigentliche Wahl, 
nachdem der Vorgeschlagene die Billigung des Königs 
erhalten hatte 4 -) Die erste Wahl Montesquieu# 
sollte am 11. Dezember stattfinden. Da eihob sich 
plötzlich ein unerwarteter Widerstand. Die Mitglieder 
der Gesellschaft erfuhren nämlich, dafs die lettre# 
per>ancs »lern Kardinal mißfielen, und dals er am 
Tag»* vorher zu dem Akademiker Bignon gesagt hätte, 
die von der Akademie beabsichtigte Wahl würde von 
allen anständigen Leuten gemifsbilligt werden. Filter 
diesen entstanden wurde die Wahl auf den 20. Dczen her 
vertagt. Das Protokoll über die Sitzung enthielt 
jedoch auf Betieiben des Montesquieu wohlgesinntem 
Direktors der Akademie, des Marsehalls d’Estre« % 
über den wahren Grund der Vertagung kein Wort 41 ) 
Am 20 Dezember findet nun die Wald auch wirklich 
statt; Montesquieu erhält die Mehrheit. Pie definitive 
Wahl soll am , r >. Januar statttinden Am Morgen 
dieses Tages erhält der Sekretär der Akademie ein 
Schreiben des Kardinals, in welchem dieser erklärt, 
daf" er gegen die Wald Montesquieus nichts ein¬ 
zuwenden habe 14 ). Darauf wird Montesquieu mit 
Stimmenmehrheit gewählt. Am 8. Januar wird die 
Wahl betätigt, und am 24. Januar findet die Auf¬ 
nahmesitzung statt, in welcher der neue Akademiker 
"eine Antrittsrede hält. 

Es entsteht nun die Frage: Wodurch ist der 
Umschwung in der Gesinnung de* Kardinals herbei- 
g< führt worden? Der Zeit nach mufs er zwistdien dein 
11. und dem 20. Dezember vor sich gegangen sein. 
( her die Frage ist gehandelt worden von Vian, der 
1869 eine besondere Broehüre darüber geschrieben 
hat 4 '*), von Leftwre, I.aboulaye und zuletzt von 
Oncken. Sie ist wichtig für die Beurteilung von 
Montesquieus Charakter. K< sind hauptsächlich zwei 
Ansichten aufgestellt worden. Nach der einen hat 
Montesquieu für Fleury eine besondere Ausgabe der 
L p. herstellcn lassen. iu welcher die hedenkliehsten 


Angriffe gegen Staat und Kirche ausgemerzt waren. 
, Diese auf den Charakter Montesquieus ein eigen- 
I tümliebes Licht werfende Geschichte ist zuerst von 
! Voltaire erzählt worden, der, wie wir wissen, mit 
| Montesquieu nicht auf gutem Fufse lebte und bei 
der Vciöffentliehung seiner I.ettres anglaises sieh 
, Fleury gegenüber dieselbe Täuschung gestattet hatte. 

1 Vian umi Lcfevre haben nun beide je ein Exemplar 
einer zweiten bei Marteau erschienenen und vom 
j Jahre 1721 datierten Ausgabe gefunden, welche 
10 Briefe weniger enthält, und in welcher einige 
I anstöfsige Stellen getilgt und einige wenige gemildert 
sind. Vian und J,ef£vre glauben, darin die dem 
Kardinal überreichte gereinigte Ausgabe der Lettres 
persanes, die Montesquieu alsdann absichtlich zurtick- 
datiert haben müfste, gefunden zu haben. Allein 
diese Vermutung ist sehr unwahrscheinlich. Die 
Änderungen dieser zweiten Marteau-Ausgabe sind 
im ganzen unbedeutend und beschränken sich auf 
den ersten Band 46 ). Die boshaftesten Angriffe sind 
stehen geblieben. Das ganze Werk hätte übrigens 
umgegossen werden müssen, um dem Kardinal genehm 
zu werden. Endlich weist Laboulayc mit Recht 
darauf hin, dals eine besondere Ausgabe in derZeit 
vom 11. bis zum 20. Dezember unmöglich hergestellt 
werden konnte. Aulsenlem würde es von Montesquieu 
unklug und unehrenhaft gewesen sein, sich durch 
ein solches Mittel den Weg in die Akademie zu 
bahnen, und für Fleury wenig schmeichelhaft, sich 
düpieren zu lassen. Auch Oncken verhält sich 

ablehnend gegen diese Version 47 ). 

Noch weniger glaubhaft ist die andre Annahme, 
die sieh in dem „Eloge de Montesquieu“ von Maupertuis 
findet und die auch d’Alembert in seinem Eloge zu 
teilen scheint Darnach soll Fleury die Lettres 
persanes selbst gelesen oder vorgelesen bekommen 
haben, sie mehr angenehm als gefährlich gefunden 
und den Verfasser liebgewonnen haben. Dals ein 
Kardinal-Minister sie nicht für durchaus gefährlich 
gehalten haben soll, ist absolut nicht anzunehmen, 
stimmt auch nicht zu dem weiteren Verlaufe der 
Angelegenheit. 

Wir versuchen uns ein Urteil zu bilden, indem 
wir uns lediglich an die auf uns gekommenen 
authentischen Berichte der beteiligten Personen 
halten. Das sind einige Briefe des schon genannten 
Mathieu Marais 48 ). «1er erwähnte Brief Fleurys vom 
f). Januar, die Antrittsrede Montesquieus 451 ) und 
die Frwidcruiigsrcdc des neuen Akademiedirektors 
Mailet-"). Mathieu Marais war ein Pariser Advokat 
| von Ruf und ein tüchtiger Humanist. Als Schützling 
des Akademikers Bouhier hat er eine Zeit lang, 
etwa vom November ab, Hoffnung gehabt, für de 
i Sacy gewählt zu werden. Es sind Briefe von ihm 
an >eineii Gönner Bouhier erhalten, welche auf 
| unsre Angelegenheit Bezug haben. 

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Marais schreibt am 26. November 1727: 

Monsieur de Montesquieu n’est pas encore nommö. 
On lui dit: Si vous avez fait les Lettres persane*. il y en 
a une contre le corps de l’Academie et ses membrcs. Si 
vous ne les avez pas faites, qu’avez-vous fait? 

Am 17. Dezember 1727 (also einige Tage nach 
der ursprünglich angesetzten ersten Wahl): 

Jo sais certainement que M. de Montesquieu a M 
tracass6 pour les Lettres persanes, que le Cardinal a dit 
qu’il y avoit dans co livre des satires contre le gouverne- 
racnt passd et la rdgence, que cela marquoit un coeur et 
un esprit de rdvolte, qu’il y avoit aussi de certaines 
libertds contre la religion et les raoeurs, et qu’il falloit 
desavouer ce livre. Le pauvre püre n’a pu desavouer ses 
enfants, quoique anonymes, il lui tendoient leurs petits 
bras persans et il leur a sacrifid l’Academie. 

Am 23. Dezember (also bald nachdem die erste 
Wahl stattgefunden hatte): 

Je ne sais pas encore la porte par oü M le prdsident 
do Montesquieu est rentrd; inais il est rentrd. Auroit-il 
dcsavoue ses enfants, et ma figure des petits bras persans 
no. seroit-elle qu’une figure? Que ne feroit-on point pour 
etro d’un corps oü vous dtes? 

Am 29. Dezember: 

.on aura peut dtre abjure les Lettres apres 

les avoir avoudes, sauf ä abjurer l’abjuration entre 
amis. 

Marais vermutet also, Montesquieu sei erst dann 
in die Akademie aufgenommen worden, nachdem er 
die L. p. verleugnet hatte. Freunden gegenüber wäre 
freilich eine Verleugnung unmöglich gewesen. Auf 
eine Verleugnung kommt auch das hinaus, was 
Maupertuis in seinem Eloge erzählt 51 ). 

Il falloit renoncer ä la place on desavouer le livre 
M. de Montesquieu declara qu’il no s’en dtoit jamais dit 
1’auteur, mais qu’il ne le ddsavoueroit jamais. 

Der erwähnte Brief Fleurys vom 5. Januar 
lautet: 

11 me parait, Monsieur, que la mauiero dont vous 
aviez dressd le registre, le 11 decembre, est tres sage et | 
trüs mesurde. Il y a de certaines choses qu’il vaut mieux 
no pas approfondir par les suites qu’elles pourroient avoir, j 
et, si on vouloit aller plus loin. ou on n’cn diroit pas | 
a^sez ou on en diroit trop. La souraission de M. le j 
President de Montesquieu a etd si eutiere, qu’il ne raerite j 
pas qu’on laisse aucun vestige de ce qui pourroit porter 
quoique prejudice ä sa reputatinn, et tont le monde est ' 
si instruit de ce qui s’est passe qu’il n’y a aucun in- 
convenient ä craindre du silence que gardera l’Academie . .. 
Eu general je ne puis in’empeclier de penser que le parti 
de prdvenir les tracasseries est toujours lc plus prudcnt. | 

Der Kardinal spricht also von einer „soumission | 
entiere“ Montesquieu?, wünscht jedoch, dals diesem 1 
keinerlei Nachteile daraus erwachsen sollen. In seiner 
am 24. Januar gehaltenen Antrittsrede spendet 
Montesquieu zunächst seinem Vorgänger das übliche 
liOb; dann hält er aber auch eine Lobrede auf 
Richelieu und Ludwig XIV. und giebt das Vor- ; 
sprechen, einen Panegyricus auf Ludwig XV. zu 
schreiben. Oncken hat nun zuerst und gewifs mit 
Recht gesagt, dals wir hierin die eine Seite der 
„soumission entidre‘ ; zu suchen haben, von welcher 
der Kardinal spricht. Man hatte Montesquieu offen¬ 


bar auferlegt, bei dieser offiziellen Gelegenheit das 
Gegenteil von dem zu sagen, was in den L. p. über 
Ludwig XIV. stand. Aber Oncken überlreibt ent¬ 
schieden, wenn er behauptet, dafs dieses Lob über¬ 
schwänglich ist. Uns erscheint dieses lx)b rein äufser- 
licb und kalt Es werden einige Lichtseiten der Regie¬ 
rung Ludwigs XIV. gepriesen und zwar in gesuchten 
Ausdrücken und in so allgemeiner Weise, dafs jeder 
französische Patriot einstimmen konnte, ohne gegen 
die historische Wahrheit zu verstofsen. Gerade das 
ist ein Beweis dafür, dafs es bestellte Ware war. Der 
Schlufs, wo Montesquieu von dem jungen Monarchen 
und den Hoffnungen spricht, welche die Nation auf 
ihn setzt, ist dagegen von wohlthuender Wärme. 

Die Erwiderungsrede des neuen Direktors der 
Akademie, Mailet, war durch und durch boshaft. Es 
hiefs darin: 

Ne dans uno province oü l’esprit, l’eloquence et la 
polite9se sont des talents naturels; connu par plusieurs 
dissertations savantes que vous avez prononcees dan^ 
l’Academie de Bordeaux, vous sercz prevenu par le 
public, si vous ne le prevenez. Le genie qu’il remarquera 
eil vous le determinera ä vous attribuer les ouvrage> 
anonymes oü il tronvora de rimagination, de la vivarite 
et des traits hardis; et pour faire honneur ä votre esprit. 
il vous les donnera malgre les precautions que vou> 
suggerera votre prudence . . . Rendez douc au plus töt 
vos ouvrages publics . . . Notre ambition est d'dcrire 
des choses dignes d’dtre lues. Pour dtre acaddmicien ne 
craignez point d’etre oblige de louer ce qui ne scra p;i' 
digne de l’etre; assidu ä nos exercires, vous travaillere/ 
avec nous ä faire reconnaitre l’iitilite de l'etablissemen! 
de l'Academie. Venez nous aider ä celebrer la memoire 
du plus grand des rois etc. 

Der eigentliche Sinn dieser Rede war also: Be- 
kmnt sind Sie bisher nur durch ihre in Bordeaux 
gehaltenen Vorträge. Geben Sie Ihre Werke ja bald 
heraus, sonst wird das Publikum, welches natürlich 
wissen will, auf Grund welcher Leistungen Sie in 
die Akademie gekommen sind, Ihnen gewisse anonyme 
Werke zuschreiben trotz der Vorsichtsmafsregeln, die 
Sie dagegen ergriffen haben. Helfen Sie uns hier 
das Andenken an den grol'sen König und die Einrich¬ 
tung der Akademie preisen, die beide in eben jenen 
anonymen Schriften angegriffen werden. 

Das, was sich aus diesen Berichten über den 
Verlauf der Aufnahme Montesquieus in die Akademie 
ergiebt, ist folgendes: Der anfänglich Montesquieu 
nicht übel gesinnte Kardinal ist durch die Gegner 
des ersteren, welche ihn auf die Anstöfsigkeiten der 
L. p. aufmerksam gemacht haben, schwankend ge¬ 
worden, und die Aussichten Montesquieus werden 
unsicher. Da setzt sich dieser, der offenbar eine 
wiederholte Nichtaufnahme als Schimpf empfindet, 
mit Fleurv in Verbindung und erfüllt gewisse Forde¬ 
rungen des letzteren, wahrscheinlich, sich nicht 
öffentlich als Verfasser der L. p. zu bekennen und 
sich in seiner Antrittsrede über Ludwig XIV’. in 
loyalem Sinne zu äul'sern. Darauf läl'st Fleurv seine 


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Bedenken fallen und wünscht, dafs mau über alles | 
schweige, was dem Rufe des Präsidenten schaden | 
könne Montesquieu hält die Rede in dem \er- 1 
^prochenen Sinne, mufs aber eine boshafte Er- j 
widerungsrede anhören. Nichteingeweihte, wie Marais ! 
und Maupertuis, vermuten als alleinigen Grund der 
Aufnahme, dafs er die L. p. direkt abgeleugnet habe. 

Dunkel genug ist die Sache immerhin noch j 
und wird es voraussichtlich auch bleiben. Das Yer- j 
halten des Kardinals in der Angelegenheit verdient j 
Anerkennung. Man hat ihm damals sogar vorgehalten, 
er habe dabei eine bedenkliche Nachgiebigkeit walten j 
lassen. Montesquieu scheint durch den Empfang in 
der Akademie verstimmt worden zu sein Er erschien 
nur dreimal in ihren Sitzungen und beteiligte sich nicht 
an der Diskussion. Im April dieses Jahres (17*28) j 
ging er längere Zeit auf Reisen. 

ln späteren Jahren scheint Montesquieu in der ; 
That nicht gern von den L. p. gesprochen zu haben. ; 
Darauf deuten wenigstens die Worte des Herzogs 
von Luynes hin, der in seinen Memoiren sagt: „Quand j 
on lui parla't de cotte oeuvre, ä poine convenait-il de > 
lavoir faite et disait qu‘il n’y en avait pas un seui 
exemplaire chez lui 4 * 52 ). Weniger beweisend dafür j 
ist der folgende von Yian berichtete Vorfall. Als 
Montesquieus Tochter eines Tages die L. p. geöffnet | 
hatte, habe er zu ihr gesagt: ,.l.afs das, Kind, es ist j 
ein Werk meiner Jugend und nicht für die deinige | 
geschrieben.* 4 Es wäre geradezu unnatürlich, aus 
dem Munde des Yaters etwas anderes hören zu 
müssen. Er soll auch in späteren Jahren gewünscht 
haben, die „Juvenilia* 4 aus dem Buche zu entfernen, i 
Er mag das Feuer seiner Juguid öfters bedauert 
haben. In vielen Beziehungen haben wir in den I 
E p. überhaupt nicht den definitiven Ausdruck seines : 
Denkens zu erblicken. Als solcher gilt vielmehr das 
reifste und bedeutendste Werk seines Bebens, näm¬ 
lich der Esprit des lois, als dessen Keim die L. p. 
allerdings zu betrachten sind. 1 afür, dafs er z. 13. 
über das Christentum später zu gerechteren An¬ 
schauungen gekommen ist, haben wir den besten 
Beweis in dem Esprit des lois (Bueli 24, Kap K3). 

Es seheint ferner, dafs er beabsichtigt hat, die L. j». 
zu mildern In dein Berichte, den uns die Herzogin j 
von Aiguillon über seine letzten Augenblicke giebt. 1 
sigt diese nämlich, die Jesuiten hätten den Sterbenden 
gedrängt, ihnen die „Correctious 41 zu übergeben, welche ! 
er zu den E. p. gefertigt habe. Montesquieu aber I 
habe sie ihr und der Mme Du pro überreicht mit 
• len Worten: „( onsultez avee mos amis et decidez si 
ceri doit paraitre" 5:, j. Darnach gab es also wirklich 
von Montesquieu herrtihremlc „Corrections“ zu den I. p. 
Wenn das Manuskript derselben noch im Nachlasse 
des grofsen Mannes vorhanden ist und veröffentlicht 
wird 54 ), so wird es ohne Zweifel nicht uninteressant 
>ein zu erfahren, welche Gestalt Montesquieu seinem 


Erstlingswerke schliefslich geben wollte; aber die wirk¬ 
lichen E. p. werden selbstverständlich ihre Stellung 
in der Geschichte behaupten Walcker hat gewils 
recht, wenn er die E. p. als das in gewissem Sinne 
bedeutendste Werk Montesquieus bezeichnet 50 ). Er 
hat sich nie wieder so ganz und rückhaltlos gegeben 
wie in diesem seinem Erstlinge. 

Man hat öfters behauptet, dafs Montesquieu in 
Uslek sein eignes Charakterbild gezeichnet habe. 
Richtiger scheint mir, was Sorel sagt 56 )- Nach ihm 
ähnelt Rica Montesquieu zum mindesten ebenso sehr, 
er ist nur ein anderes Gesicht derselben Person 
Wenn nun auch Montesquieu in den „Quelques 
Reflexions sur les E. p. 44 selbst von den verschiedenen 
Charakteren Usbeks und Ricas spricht, so haben wir 
doch sicherlich in den beiden Figuren nur den Aus¬ 
druck der eignen Persönlichkeit des Verfassers zu 
erblicken. 

Vielfach haben die Eitterarhistoriker über den 
sittlich anstöfsigen Gehalt des Romans geklagt. Schon 
Maupertuis warf in seinem Eloge die Frage auf, ob 
Montesquieu die Eiebe nicht mit zu viel Eebhaftig- 
keit und sinnlicher Glut geschildert habe 57 ). Merlet 
meint, der Roman wäre zu sinnlich, der frivolen 
Gesellschaft zu sehr angopafst, und bedauert, dafs 
Montesquieu seiner Zeit gehorcht habe, anstatt ihr 
zu gebieten'*) Merlet und andere erklären sich das 
daraus, dafs Montesquieu bestrebt gewesen wäre, die 
Gunst der Salons zu gewinnen. Sorel nennt ihn 
sogar einen Libertin und sein Werk ein Schandmal 
der Zeit f>y ). Ebenso streng urteilen Bertz und 
Sclivarrz. Bertz findet in Flauberts Madame Bovarv 
und in Zolas Nana mehr Sittlichkeit als in den 
Hnremsgischichten der Persischen Briefe 6 ”)! Und 
Schvariz erblickt in Montesquieu einen berufsmüfsige» 
Damenjäger und in seinem Buche das romnnesk 
gekleidete Tisch-Jarion (V) eines sehr belesenen 
aphrodisischen Sportsrnans, der seine Stimme ge¬ 
legentlich wohl auch über bedeutende Zeitfragen ver¬ 
nehmen las>e 6, j. Der erste Vorwurf Schvarczs ist 
sicher übertrieben und der letzte einfach falsch und 
ungerecht, ebenso wie die meisten anderen Vorwürfe, 
die er gegen Montesquieu erhebt Er beurteilt eben 
in durchaus einseitiger und „halbkenneriseher 4 * Weise 
die E. p. von dem Standpunkte unserer heutigen 
geschichtlichen Kenntnisse und legt an das Buch 
den Marsstab eines streng wissenschaftlichen Werkes. 
Objektiver urteilt Taine, wenn er sajjt: „In einer 
epikuiäisclien Gesellschaft, der man die Rückkehr 
zur Natur und die Rechte des Instinkts predigt, 
bieten sieh lüsterne Bilder und Gedanken von selbst 
dar 44 , und wenn er weiter darauf hinweist, dafs, ab¬ 
gesehen von Buffon, damals die Führer des Volks¬ 
geistes alle derartige Würze, d. h. Derbheiten und 
verblümte Zoten, in die Speise thaten, welche sie dem 
Publikum vorsetzten 6 *). Yian bestätigt das und 

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1*2 


erinnert daran, dafs die Schreibweise der Philosophen 
des 18. Jahrhunderts auch ein Reflex der damaligen 
Sitten war 68 ). Die Klagen über den volüptüösen 
Charakter der L. p. sind entschieden übertrieben oder 
engherzig. Es läfst sich ja nicht leugnen, dafs sehr 
bedenkliche Stellen Vorkommen und dafs Montesquieu 
sich dabei in seinem Elemente zeigt. Aber die Zahl 
dieser Stellen ist verhältnismäfsig gering, und sie 
lassen sich auch nicht im entferntesten mit den wider¬ 
lichen Zoten des modernen Naturalismus vergleichen 
Mir scheint das Urteil Goethes, der in einer An¬ 
merkung zu „Rameaus Neffe“ den Roman das „Vehikel 
einer reizenden Sinnlichkeit“ nennt, weit richtiger 64 ). 
Wer den Verfasser der L. p. unmoralisch nennt, darf 
übrigens diesen Vorwurf konsequenter Weise auch 
dem Verfasser der Wahlverwandtschaften, des Reineke 
Fuchs und des Faust nicht ersparen. 

Man hat ferner an den L p. getadelt, dafs 
Montesquieus Perser eigentlich nicht wie Perser, 
sondern wie Franzosen denken und sprechen. Schon 
Walter Scott hat bemerkt: „Die orientalische Färbung 
ist das, was den L. p am meisten fehlt“ 65 ). Diese 
Bemerkung ist vollkommen richtig. Die Perser 
Montesquieus sind ebenso wenig Perser, als die Helden j 
Corneilles und Racines trotz ihrer römischen oder 
griechischen Namen Römer oder Griechen sind. Es ; 
sind alle wirkliche und leibhaftige Franzosen. Aber 
wenn die Bemerkung Scotts ein Vorwurf sein soll, 
so ist derselbe unberechtigt. Es würde zur Zeit 
Montesquieus unendlich schwieriger, wenn nicht 
unmöglich, gewesen sein, den Persern eine treffende 
und korrekte nationale Färbung zu geben, als heut¬ 
zutage, wo wir dank den Fortschritten der historischen 
und geographischen Wissenschaften tiefer in fremde 
Kulturen eingedrungen sind. Im 18. Jahrhundert 
hatte man dazu keine Mittel und auch keine Neigung. 
Die Gelehrsamkeit stiefs damals ab und war verachtet; j 
denn sie erschien langweilig und schwerfällig 66 ). Und 
selbst wenn Montesquieu das gekonnt hätte, würde | 
er es nicht gethan haben, da es ihm ja nach der j 
ganzen Tendenz seiner Schrift nur darauf ankommen 
konnte, seine Perser wie Franzosen reden zu lassen. ! 

Zum Sehlufs fügen wir noch einige Notizen 
über die Geschichte der äufseren Gestalt des Werkes 
hinzu. Aus dem Jahre 1721 stammen sicher 8 Aus- 1 
gaben, 2 erschienen bei Brunei-Amsterdam, 1 erschien 
bei Marteau-Köln; aufserdem noch 4 Nachdrucke. 
Alle geben getreu den Text wieder, den Montesquieus 
Sekretär zuerst von Brunei hatte drucken lassen 67 ). 

In Köln erschien ferner die vom Jahre 1721 datierte 
sogenannte zweite Marteau -Ausgabe, welche hei 
Montesquieus Aufnahme in die Akademie eine Rolle 
gespielt haben soll, wie wir oben gesehen haben. 

In dieser Ausgabe beträgt nun die Zahl der Briefe 140, 
während sie sich in den ersteren auf 150 beläuft. Der 


140. der zweiten Marteau-Ausgabe ist derselbe Brief, 
der in den ersteren Ausgaben der 150. und bei 
Laboulaye der 161., also der letzte ist. In der 
zweiten Marteau-Ausgabe waren 12 Briefe unter¬ 
drückt, nämlich: 1, 5, 16, 25, 32, 41, 42, 43, 
47, 65, 70, 71. 10 und 11 waren in einen 

verschmolzen. (Die Nummern sind die der Ausgabe 
Laboulayes, nach welcher wir überhaupt citieren) 
Neu hinzugefügt waren 3, nämlich: 111, 124, 145. 
5 waren geändert, nämlich 7, 9, 18, 24, 39 6 *). 
7 Briefe der zweiten Marteau-Ausgabe, nämlich: 1, 
58, 59, 60, 61, 66, 67 sind in den späteren Aus¬ 
gaben an anderen Stellen eingeschoben und zwar 
bei Laboulaye unter den Nummern 6, 111 (mit 
erheblichen Änderungen), 145, 124, 73, 129, 79. 

Bei Lebzeiten Montesquieus erschienen nach 
Lefevre 69 ) noch folgende Ausgaben: 2 im Jahre 1730 
(eine davon ist ein Abdruck der zweiten Marteau- 
Ausgabe); je eine in den Jahren 1731, 1737, 1739, 
1740, 2 im Jahre 1744, je eine in den Jahren 1753 
und 1754. Das Verzeichnis Lefevres kann jedoch 
auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen ln 
der Königl. Bibliothek in Dresden befindet sich eine 
Ausgabe aus dem Jahre 1752, die Lefevre nicht 
anführt Dangeau soll nach Bertz sogar 21 Ausgaben 
anführen 70 ). Nach der Angabe Lefevres 71 ) ist, 
abgesehen von den beiden Drucken der zweiten 
Marteau-Ausgabe, der Text der sämtlichen bei 
Lebzeiten Montesquieus veröffentlichten Ausgaben ein 
einfacher Abdruck der ersten Brunei-Ausgabe vom 
Jahre 1721. Die erwähnte Ausgabe vom Jahre 1754 
enthält zuerst eine Erweiterung des Werkes um 
11 Briefe, ist also die erste, welche 161 Briefe 
zählt. Aufserdem enthält sie zuerst die „Quelques 
Reflexions sur les L. p.“ Die 11 Briefe und die 
Quelques Reflexions stehen am Ende des 2. Bandes 
dieser Ausgabe 72 ). Die Briefe dieser Erweiterung 
sind nach Lefevre I. p 195 f. und 11 p. 159 f : 
15, 22, 77, 91, 111, 124, 144, 145, 157, 158. 
160. Davon sind 3, nämlich 111, 124, 145 mit 
einigen Varianten der zweiten Marteau - Ausgabe 
entnommen, so dafs eigentlich nur 8 Briefe, nämlich: 
15, 22, 77, 91, 144, 157, 158, 160 neu hin¬ 
zukamen. Diese letzteren sind sämtlich unbedeutenden 
Inhalt*. 5, nämlich: 15, 22, 157, 158, 160 gehören 
zu der Rahmenerzählung; 77 ist eine matte 
Abschwächung der in 76 enthaltenen Verteidigung 
des Selbstmords; 91 enthält die nebensächliche 
Erzählung von dem falschen persischen Gesandten: 
144 kann als Einleitung zu 145 betrachtet werden 
Tn der 1758 erschienenen zweiten Gesamtausgabe 
der Werke Montesquieus sind die Briefe der 
Erweiterung zuerst an den richtigen Stellen eingefügt 
worden 73 j. Diese Ausgabe ist demnach die erste, 
welche diejenige äufsere Gestalt enthält, in welcher 
die L. ]>. uns jetzt dargeboten werden. 


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Die Anlage des Werkes. 


Das genaue Verständnis der L. p. ist in vielen 
Beziehungen für den heutigen Leser weit schwieriger 
als für den des 18. Jahrhunderts. Während für den 
letzteren die zahlreichen Anspielungen auf gleichzeitige 
Personen. Zustände und Ereignisse, sowie die versteckten 
Hintergedanken leicht verständlich waren, weil er die 
Dinge vor Augen hatte, sind sie für uns vielfach 
rätselhaft Laboulaye hat in seiner ausgezeichneten 
Aus-jube viel zur Erklärung solcher dunklen Stellen 
bei ge bracht Indes, abgesehen von solchen Dingen, 
welche die eigentliche Aufgabe des Commentators 
sind, tauchen beim Studium des Werkes in dem 
Le>er noch mancherlei andere Fragen auf, über 
welche man in den vorhandenen Ausgaben und 
Schriften über Montesquieu entweder keine oder 
keine genügende Auskunft erhält. Solche Fragen 
sind: Ist die Anlage des Werkes planvoll durchdacht, 
oder ist der Verfasser bei derselben wenig aufmerksam 
verfahren V Hat er die verschiedenen Gegenstände, 
über welche er seine Briefschreiber handeln läl’st, 
willkürlich verteilt, oder hat er dabei gewisse Grund¬ 
sätze beobachtet? Nach welchen Grundsätzen sind 
die Brief«* angeordnet und datiert? ln welcher Weise 
hat er die Reisebeschreibungen Chardins und 
Tavernier*. «lenen er seine Kenntnisse über persische 
Sitt»*n und Gebräuche verdankte, benutzt? Wie 
verhält >ich seine persische Datierung «1er einzelnen 
Bri«»fe zu «lern mohainedanischen Kalender? Mit «1er 
Erörterung solcher Fragen soll sich der vorliegende 
und der folgende Aufsatz beschäftigen. Es liegt auf 
der Hand, «lals die genannten Dinge für die 
Würdigung und das rechte Verständnis «les Werkes 
durchaus nicht gleichgültig sind. Insbesondere 
wird sich aus der Vergleichung der L. p. mit 
Chardins Voyag«** ergeben, «lals manches in anderem 
Sinn«* aut/ufa.sM-n ist, als di«*s s«*ither geschehen ist. 

Ehe wir an die Untersuchung «1er aufgeworfenen 
Fragen gehen, geben wir eine übersichtliche Darstellung 
d»*s ganzen Werke*. Dieselbe enthält von jedem 
Brich*: Die Nummer (nach Laboulaye i, das Datum, 
den Namen «les Schreiber* und Empfängers, den 
Namen des Aufenthaltsortes beider und eine Andeutung 
de* Inhalts. Die Namen der persischen Monate: 
Maharram, Saphar, Rebiah I, Rebiab II, Gemmadi I, 
Gemmadi II. Regeb, Chahban. Rabmazan, Chalval, 
Zib-ade, Zilhage. werden der Kürze halber durch die 
Ziffer angi deutet, welch«* ihnen na«di ihrer Aufeinander¬ 
folge zukommt. S«dche Zusammenfassungen «1er L ]). 
sind bereits früher g«*g«*ben worden. Schon die 
Aufgabe vom Jahre 17.VJ enthält am Schlüße je«les 


Bandes einen Soinmaire. ln neuerer Zeit hat I^efövre 
seiner Ausgabe eine Table des matiöres hinzugefügt, 
welche Bertz ebenfalls in seine Übersetzung 
herübergenommen hat. Wir schicken eine solche 
übersichtliche Darstellung des Werkes lediglich 
deshalb voraus, weil wir glauben, denjenigen Lesern, 
welche die folgenden Ausführungen genau nach prüfen 
wollen, einen willkommenen Dienst zu erweisen. 
Die persischen Data der Briefe werden übrigens in 
keiner der genannten Zusammenfassungen gegeben. 

Übersichtliche Darstellung; des Werkes, 

1. 15./2. 1711. Usbek an seinen Freund RuBtan. 

Tauris nach Ispahan. Bericht über die Reise. 
Beweggrund zu derselben. 

2. IS. 2. 1711. Usbek an den ersten schwarzen 

Eunuchen. Tauris nach Ispahan (Serail). Über 
Stellung. Pflichten und Verhalten des Eunuchen 
gegen die Frauen des Harems. 

8. 2I./1. 1711. Zachi an Usbek. Serail Fatines nach 
Tauris. Ihre Sehnsucht nach dem Gatten. 
Ihr Sieg über ihre Nebenbuhlerinnen. 

4. 29./1. 1711. Zephis an Usbek. Serail Fatmcs 

nach Krzerum. Klage der Zephis über den 
Obereunucheu, der ihr die Sklavin Zelide hat 
nehmen wollen. 

5. 2S./3. 1711. Rustan an Usbek Ispahan nach 

Krzerum. Welche Beweggründe man in Ispahan 
für die Reise Usbeks annimmt. 

6. 10. 4 1711. Usbek an seinen Freund Nessir. 

Krzerum nach Ispahan. Bericht über die Reise. 
Heimweh und Sorgen beim Verlassen des 
persischen Bodens. Trübe Ahnungen. 

7. 12 /3. 1711. Fatme an Usbek. Ispahan (Serail) 

nach Erzerum. Ihre Sehnsucht nach dem 
abwesenden Gatten. 

S. 20.6. 1711. Usbek an Rustan. Erzerum na«*h 

Ispahan. Über sein früheres Lehen und die 
wahre Veranlassung zu seiner Reise. 

0. Letzten 2. 1711. Der ersto Eunuch an Ibbi. 
Ispahan «Serail) nach Erzerum. Seine Lebens- 
geschichte Stellung und Leiden der Eunuchen 
in einem Harem. 

10. Letzten, 2. 1711. Mirza an seinen Freund Usbek. 

Ispahan nach Erzerum. Er bittet um Erklärung 
des früher von Usbek ausgesprochenen Gedankens, 
«lals die Menschen zur Tugend geboren seien, 
mul dafs die Gerechtigkeit ihnen ebenso eigen¬ 
tümlich sei wie das Dasein. 

11. 3.6 1711. Usbek an Mirza. Erzerum nach Ispahan. 

Usbek will die erbeten«* Erklärung nicht durch 
abstrakte Ausführungen geben, sondern durch 
eine Erzählung. Die Geschichte «les Volkes 
der Troglodyt«*n. 

1*2. ß 6 1711. Usbek an Mirza Erzerum nach Ispahan. 
Geschichte der Troglodyten. 


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14 


13. 9-/6* 1711. Usbck an Mirza. Erzerum nach Ispaban. 

Geschichte der Troglodyten. 

14. 10./6. 1711. Usbek an Mirza. Erzerum nach Ispahan. 

Schluf8 der Geschichte der Troglodyten 7j “). 

15. 10./6. 1711. Der erste Eunuch an den schwarzen 

Eunuchen Jaron. Ispahan (Serail) nach Erzerum. 
Über das freundschaftliche Verhältnis zwischen 
beiden. 

10. 11./»». 1711. Usbek an den Moliah Mehemet Ali. 
Erzerum nach Com. Nach überschwänglichen 
Schmeicheleien bittet Usbek den heiligen Mann 
um Ratschläge für sein Seelenheil. 

17. 20./6. 1711. Usbek an denselben. Erzerum nach 

Com. Zweifel an den Restimmungen des 
Korans über den Genufs unreinen Fleisches 
und über die Berührung eines Toten. Die Eigen¬ 
schaften der Reinheit oder Unreinheit würden 
den Dingen durch die Menschen beigelegt. 

18. Letzten/8. 1711. Mehemet Ali an Usbek. Com 

nach Erzerum. Der Moliah macht Usbek 
heftige Vorwürfe, weil er lieber einer eitlen 
Philosophie folge, statt die Berichte der Theologen 
zu lesen. Die mohamedanische Legende von 
der Entstehung des Schweines, der Ratte und 
der Katze. 

19. 2/9. 1711. Usbek an Rustan Smyrna nach 

Ispahan. Bericht über die Reise. Der traurige 
Zustand des türkischen Reiches. 

20. 12./I1. 1711. Usbek an seine Gattin Zachi. Smyrna 

nach Ispahan (Serail). Eifersucht auf den 
weifsen Eunuchen Nadir 74 b ). 

21. 12 /11. 1711. Usbek an den ersten weifsen Eunuchen 

Smyrna nach ?. Vorwürfe, weil der Eunuch den 
Ungehorsam Nadirs geduldet hat. 

22. 12/11. 1711. Jaron an den ersten Eunuchen. 

Smyrna nach V. Eitersucht und Unruhe Usbeks. 

23. 12./2. 1712. Usbek an seinen Freund Ibben. 

Livorno nach Smyrna. Bericht über die Reise. 
Eindruck, den die erste christliche Stadt auf 
ihn macht. Angabe des weiteren Reisewegs. 

24. 4/4. 1712. Rica an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Seit welcher Zeit Usbek und Rica in Paris 
sind. Scherzhafte Beschreibung der Stadt und 
ihrer Bewohner. Charakterbild Ludwigs XIV. 
und des Papstes. Die Bulle Unigenitus. 

25. 4./4. 1712. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Erste Erwähnung Rhedis. Die Charaktere 
Usbeks und Ricas. 

26. 7./T. 1712. Usbek an Roxane. Paris nach Ispahan 

(Serail). Vergleich zwischen Perserinnen und 
Pariserinnen. Roxanes Sprödigkeit. 

27. 5./8. 1712. Usbek an Nessir. Paris nach Ispahan. 

Der Verkehrsweg zwischen beiden Städten, j 
Heimweh. Mißtrauen gegen seine Frauen und j 
Eunuchen. 

28. 2./10. 1712. Rica an ?. Paris nach ?. Ergötzliche 

Schilderung des Theaters. Brief einer verführten 
Schauspielerin. i 

29. 4./10. 1712. Rica an Ibben. Paris nach Smyrna 

Über Papst, Bischöfe, Mönche und Ketzerrichter, 

30. 6./10. 1712. Rica an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Neugier, Oberflächlichkeit und Unbeständigkeit 
der Pariser. 

31. 16./10. 1712 Rhedi an Usbek. Venedig nach 

Paris. Eindruck Venedigs auf Rhedi und was 
er dort treibt. 


32. 17./10. 1712. Rica an ?. Paris nach ?. Besuch im 

Blindeninstitut. Überraschende Geschicklichkeit 
der Blinden. 

33. 25./11. 1713. Usbek an Rhedi Paris nach Venedig. 

Über das Weintrinken. Trunksucht des persischen 
Fürsten. Erheiternde Getränke der Orientalen. 
Zu welchem Zwecke man in Europa Seneca liest. 

34. 14/12. 1713. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Vergleich zwischen persischen und französischen 
Frauen und Männern. 

35. 20 /12. 1713. Usbek an seinen Vetter, den Derwisch 

Gemschid. Paris nach Tauris. Ähnlichkeiten 
christlicher und mohamedanischer Lehren. 

36. Letzten/12. 1713. Usbek an Rhedi. Paris nach 

Venedig. Das Treiben in den Kaffeehäusern. 
Ein Philologenstreit. 

37. 7./1- 1713. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Charakterbild Ludwigs XIV. 

38. 26 /«. 1713. Rica an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Die Stellung der Frauen bei Persern und 
Europäern. Streiflichter auf französische Sitten. 

39. 20./7. 1713. Hagi Ibbi an den Juden Ben Josua. 

Paris nach Smyrna. Wunderbare Ereignisse 
bei der Geburt *Mohamcds 75 ). 

40. 20./7. 1713. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Nichtigkeit der Leichenfeiern. Weshalb die 
Menschen Unrecht haben, wenn sie um Ver¬ 
storbene klagen. 

41. 7/1. 1713. Der erste schwarze Eunuch an Usbek. 

Aus den Gärten Fatmes nach ?. Er will den 
Sklaven Pharan zum Eunuchen machen. 

42. 7./1. 1713. Pharan an Usbek. Aus den Gärten 

Fatmes nach ?. Er bittet, ihm die grausame 
Verstümmelung ersparen zu wollen. 

43. 25./7. 1713. Usbek an Pharan. Paris nach den 

Gärten Fatmes. Gewährung der Bitte und 
Befehl, den fehlenden Eunuchen zu kaufen. 

44. 28/7. 1713. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Weshalb die gegenseitige Verachtung der 
Stände der Geistlichen, Offiziere und Juristen 
lächerlich ist. 

45. Letzten/7. 1713. Rica an Usbek. Paris nach ?. 

Charakterbild des Adepten. 

46. 8 /8. 1713. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Über Leute, die unaufhörlich über die Religion 
streiten, aber keineswegs gute Christen oder 
Bürger sind. Welches in jeder Religion die 
ersten religiösen Akte sind. Über religiöse 
Ceremonien. Ein Gehet. 

47. 2 /9. 1713. Zachi an Usbek Serail Fatmes 

nach Paris. Aussöhnung Zachis mit Zephis. 
Beschreibung eines Ausflugs dos Harems. 

48. 5 /9. 1713. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Wie er seine Zeit verbringt. Charakterbild 
des Generalpachters, des Beichtvaters, des 
Gelegenheitsdichters, des eingebildeten alten 
Offiziers, des Don Juan. 

49. 15./9. 1713. Rica an Usbek. Paris nach ?. Ein 

Kapuziner, welcher in Persien eine Missions¬ 
station gründen will. 

50. 20./9. 1713. Rica an?. Paris nach?. Die Tugend 

der Bescheidenheit. Charakterbild des Selbst¬ 
gefälligen. 

51. 2./10. 1713. Narguin, persischer Gesandter in 

Rufsland, an Usbek. Moskau nach Paris. 
Über russische .Sitten. 


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52. 3 / 10 . 1713. Rica an Usbek. Paris nach ?. Über i 
eitle Kranen, welche bestrebt sind, ihr Alter j 
zu verbergen. [ 

i 3 . 5 ./io. 1713. Zelis an Usbek. Ispahan (Serail) ! 
nach Paris. Der weifse Eunuch Cosrou will 
Zeliilc heiraten. Über Eunuchenheiraten. 

;> 4 . 6/11. 1714. Rica an Usbek. Paris nach V. Plan 
zweier Schöngeister, welche in Gesellschaften 
geistreich scheinen und die Unterhaltung 
beherrschen wollen. Am Schlüsse ein Hieb ( 
gegen die Akademie. j 

55. 7 . 11 . 1714. Rica an Ibben. Paris nach Smyrna. | 
Weshalb bei den Franzosen so wenig eheliche j 
Treue zu linden ist. I 

;»6. lo r>. 1714. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. 1 
Über Spieler und Spielerinnen. 

:» 7 . 23./1. 1714. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Sittenlosigkeit, Heuchelei und Habsucht der , 
Mönche. Die Moral der Casuisten. 

:,S. 10 / 2 . 1714. Rica an Rhedi. Paris nach Venedig. I 
Einige seltsame Pariser Gewerbe: Goldmacher, 
Zauberer, Wahrsager, sittenlose Frauen. Frauen, i 
welche die Kunst verstehen, das Gesicht stets ! 
jugendfrisch zu erhalten, geistliche Erbschleicher, 
Lehrer. Quacksalber. Verkäuferinnen. 

Ö9. 14 , 2 . 1714 Rica an Usbek. Paris nach ?. Über 
alte Leute, welche die Gegenwart tadeln und 
die Vergangenheit rühmen Wie die Menschen 
die Dinge überhaupt beurteilen. 

60 . 18 2 . 1714. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna, j 

Die Juden und ihre Religion. Über Toleranz. 

61. 1./3. 1714. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Klage eines Geistlichen über die Schwierigkeit 
seiner Stellung. 

2 . 3 . 1714. Zelis an Usbek. Ispahan iSerail) nach 
Paris Über persische Mädchenerziehung. 

«UL 10.3 1714 Rica an Usbek. Paris nach V. Einflufs 
der Freiheit auf den weiblichen C harakter. Die 
allgemeine Tiuidelsucht der h ranzosen. 

(U. y 3 | 7 i 4 . Der Chef der schwarzen Eunuchen an 
Usbek. Ispahan iSerail) nach Paris. Bericht 
über die 1 nordmmg im Harem. Welche Rat¬ 
schlage er giebt. Seine Lehensgeschichte. 

6 T>. 5.'s. 1714 Usbek an seine Frauen. Paris nach ( 
Ispahan (Serail). Ermahnung der Frauen zum 
Frieden und Gehorsam gegen den ersten 
Eunuchen. 

66 . s. s. 1711. Rica an V. Paris nach V. Über die 

Sucht der Franzosen, Bücher zu schreiben. 
Verächtlichkeit der Uompilatorcn. 

67 . 27. n 1714. lhhen an Usbek. Smyrna nach Paris. | 

Ein Mann von wahrer Humanität tnhlt sich 
in jedem Lande heimisch. Geschichte des 
gebrochen Geschwisterpaares Aspheridon und 
Astarte, die sich geheiratet haben 7 '). 

(VS. 13. s. 1714. Rica au Usbek. Paris nach V. Satire 
auf die Unwissenheit der Richter. Ihre Gleich¬ 
gültigkeit gegen ihre amtlichen Pflichten. 
Welche Rolle sie den Advokaten zugestehen 77 '. 

69. Letzten 8 . 1714. Usbek an Rhedi Paris nach 

Venedig. Die Allwissenheit Gottes und die 
menschliche Willensfreiheit ‘H*, 

70 . 9.3 1711 Zelis au Usbek. Serail Eatmes nach 

Paris. Uber eine unglückliche persische Heirat. 

71 . 5 io. 1711. Usbek an Zelis. Paris nach Ispahan. 

Lher Juiu/fraulichkeit. 


72. 8 11. 1715. Rica an Ibben Paris nach?. Charakter¬ 

bild des Schnellfertigen. 

73. 27 /12. 1715. Rica an?. Paris nach ?. Verspottung 

der französischen Akademie. 

74. 10./2. 1715. Usbek an Rica. Paris nach ?. Be¬ 

leidigender Hochmut gewisser vornehmer Herren. 
Über wahre Vornehmheit. 

75. 13 2. 1715. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Über die Gleichgültigkeit der Christen gegen 
ihre Religion. Wie das Verhalten dor christ¬ 
lichen Fürsten in betreff der Sklaverei ira Wider¬ 
spruch mit den Vorschriften ihrer Religion steht. 

76. 15./2. 1715. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Verteidigung des Selbstmords. 

77. Letzten/2. 1715. Ibben an Usbek. Smyrna nach 

Paris. Abschwächung des vorhergehenden Briefes 
und Rechtfertigung der Gesetze gegen den Selbst- 
mord. 

7S. 17./2. 1715. Rica an Usbek. Paris nach ?. Ver¬ 
spottung des Hochmuts, der Eitelkeit und der 
Bigotterie der Spanier und Portugiesen. 

79. 1. 3 1715. Der schwarze Grofseunuch an Usbek 
Serail Fatincs nach Paris. Bericht über den 
Ankauf einer schönen Cirkassicriu 
SO. 2/3. 1715. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 
Über die beste Regierungsform. Nachteile des 
Despotismus. Verhältnis der Strafen zu den 
Vergehen. 

81. 4 /3. 1715. Nargum, persischer Gesandter hl Rufs- 
iand, an Usbek. Moskau nach Paris Überden 
Ruhm und die Eroberungen der Tataren und 
die Nachteile, wenn ein Volk keine Geschichts¬ 
schreiber hat. 

52. ti. 4. 1715. Rica au lhhen Paris nach Smyrna. 

( her Kartäuser, nichtssagende Schwätzer und 
Leute, welche die Gabe besitzen, über alles 
beifällig zu lächeln. 

53. 1. 5. 1715. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Verhältnis der Idee der Gerechtigkeit zur Idee 
Gottes ,J ). 

84 15.5. 17 15. Rica an ?. Paris nach ?. Besuch im 
Invalidenhause. Warme Billigung dieser Ein¬ 
richtung. 

85. 20.5. 1715. Usbek an Mirza. Paris nach Ispahan 

Nachteile der Intoleranz für die Staaten. 

86. 1. 6. 1715. Rica an ?. Paris nach ?. Uber die 

geringe Autorität des Gatten und Vaters über 
die Familie. Einmischung der Justiz in die 
Familienangelegenheiten. Trübe soziale Bilder. 
Die Verkehrtheit der Urteilsfällung M *). 

87. 3. 6. 1715. Pica an ?. Paris nach V. Geselligkeits¬ 

trieb der Franzosen. Allgegenwart der Gesell- 
sehaftsmenschen. Scherzhafte Grabschrift eines 
solchen. 

88. 9 6. 1715. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Welcher Art die in Paris herrschende Freiheit 
und Gleichheit ist. Charakterisierung vornehmer 
Herren. Hohe Schatzung der königlichen Gunst 

89. 15.0. 1715 Usbek an lhhen Paris nach Smyrna. 

Zusammenhang der Ruhmliehe mit dem I riebe 
der Selbsterhaltung. Ruhmliehe der Franzosen. 
Lob der Republiken. 

IM), ls.■(}. 1715. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. 
Wie aus der Ruhmliehe sich das Khrgefühl ent¬ 
wickelt hat. Besondere Ausbildung desselben 
bei den Offizieren. Über das Duell. 


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91. Letzten/6. 1715. Uabek an Rustan. Paris nach 

Ispahan. Auftreten eines falschen persischen 
Gesandten. 

92. 4./7. 1715. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Tod Ludwigs XIV. Der Regent und das Parla¬ 
ment. 

93. 9./8. 1715. Usbek an seinen Bruder, Mönch im 

Kloster Casbin. Aus Paris, Ober das Mönchtum. 
Versuchungen der ersten christlichen Mönche. 

94. 1./12. 1716. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig | 

Ursprung der Gesellschaft und das Staatsrecht. 
Warum letzteres in Europa verdorben ist. Privat- ' 
recht und Staatsrecht. 

95. 4./12. 1716. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Staat Brecht und Privatrecht. Über das Recht 
der Fürsten und Völker, Kriege zu führen. 

96. 8/12. 1716. Der erste Eunuch an Usbek. Ispahan 

(Serail) nach Paris. Bericht über den Ankauf 
einer Sklavin für Usbeks Bruder. Wie ein 
Harem am besten zu leiten sei. 

97. 15 /8. 1716. Usbek an Hassein, Derwisch auf dem 

Berge Jaron. Aus Paris. Über die Fortschritte, 
welche die Erkenntnis der Naturgesetze in 
Europa gemacht hat. Einfachheit der letzteren. 
Die heiligen Bücher. , 

98. 26./1. 1717. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. I 

Rascher Wechsel der Vermögen in Frankreich, | 
Die Steuereinnehmer und die Justizkammer. I 
Einflufs der Zunft der Lakaien. Weise Ver¬ 
teilung des Reichtums durch die Vorsehung. 

99. 8/2. 1717. Rica an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Rascher Wechsel und Kostspieligkeit der Moden. 
Einflufs des Königs auf Lebenshaltung und 
Charakter der Nation. 

100. 17-/2- 1717. Rica an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Thorheit und Kurzsichtigkeit der Franzosen, 
die sich freuen, wenn andere Völker ihre Moden 
nachahmen, und nicht sehen, dafs jene ihnen in 
ernsten Dingen überlegen sind. Aufnahme des 
römischen und kanonischen Rechts. 

101 . 18./3. 1717. Usbek an ?. Paris nach V. Charakter¬ 

bild eines Bischofs, der sich für unfehlbar hält. 

102. 8/4. 1717. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna. | 

Betrachtungen über die europäischen Monarchien 
und die orientalischen Despotien. Lob der milden 
Regierungsformen. 

103. 17/4 1717. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna 

Weiteres über die Nachteile der asiatischen 
Despotien. 

104. 20./4. 1717. Usbek an Ibben. Paris nach Smyrna- 

Der Freiheitssinn der Engländer. Beschränkung 
der königlichen Macht in England. 

105. 5./9. 1717. Rhedi an Usbek. Venedig nach Paris. j 

Über den vermeintlichen schädlichen Einflufs 
der abendländischen Künste und Wissenschaften. , 

106. 14/10. 1717. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig, j 

Widerlegung des vorhergehenden Briefes. Soziale 
Vorteile der Erfindungen und der Ausübung 
der Künste und Gewerbe. 

107. Letzten/10. 1717. Rica an Ibben. Paris nach 

Smyrna. Über den Einflufs der Beichtväter und 
Frauen auf die Fürsten. Besonders über die 
Herrschaft der Weiber unter Ludwig XIV. 

108. 5./11. 1718. Usbek an ?. Paris nach V. Über die 

Art, wie die Journale Bücher und Schriftsteller I 
kritisieren. ! 


109. 25./12. 1718. Rica an V. Paris nach ?. Verspottung 

der Pariser Universität. Streit über die Aus¬ 
sprache des Buchstabens Q. 

110. ll./l. 1718. Rica an'?. Paris nach?. Wie schwer 

die Rollo einer hübschen Frau durchzuführen iat. 

111. 4./8. 1718 Usbek an ?. Paris nach ?. Über die 

Sucht, sich mit den Anfängen der Regierungs¬ 
zeit Ludwigs XIV. zu beschäftigen. Rede eines 
Generals der Fronde. 

112. 10./7. 1718. Rhedi an Usbek. Venedig nach Paris 

Über den Nutzen und das Vergnügen der Ge¬ 
schieh tslektürc. Die Abnahme der Bevölkerung 
in den meisten Ländern der Erde. 

113. 8./8. 1718. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig 

Über allgemeine physische Ursachen der Ent¬ 
völkerung: Verheerende Krankheiten, grofse 
Fluten, Abnahme der Ertragsfäbigkeit des Bodei i s. 

114. 13./8. 1718. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Über sittliche Ursachen der Entvölkerung. 
Christentum und Islam sind der Volksvermeh- 
rung ungünstig gewesen, ersteres wegen des 
Verbots der Ehescheidung, letzterer wegen der 
Polygamie. 

115. 16./8. 171S- Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Wie die Römer für Volks Vermehrung sorgten. 
Zusammenhang der Volksvermehrung mit der 
Blüte des Handels. 

116. 19./8. 1718. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Wie verhängnisvoll das Verbot der Ehescheidung 
durch das Christentum gewirkt hat. Unverständ¬ 
lichkeit dieses Verbots. 

117. 26 /8 1718. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Einflufs des Cölibats der Geistlichen auf die Ent¬ 
völkerung. Welchen Vorteil die protestantischen 
Länder über die katholischen dadurch haben, 
dafs sie das Cölibat nicht kennen. Zukunft des 
Katholic-ismus. 

US. Letzten/8. 1718. Usbek an Rhedi. Paris nach 
Venedig. Gründe der Entvölkerung Afrikas und 
Amerikas. 

119. 4 /9. 171S. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Religiöse Ursachen der Volks Vermehrung bei 
den Juden, alten Persern und Chinesen. Die 
Ursache der Entvölkerung der mohamedanischen 
Länder liegt, auch darin, dafs die Mohamedaner 
zu wenig an das irdische und zu viel an das 
jenseitige Leben denken Nachteile des Rechts 
der Erstgeburt für die Volksvermehrung. 

120. 9./9. 1718. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Weshalb bei den Wilden die Volkszahl niedrig ist. 

121. 18,/9. 1718. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Nachteile der Kolonien für die Volksvermehrung 
des Mutterlandes. Schädlicher Einflufs eines 
fremden Klimas. Warnendes Beispiel Spaniens 
und Portugals. 

122. 23/9. 171S. Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Milde Regierungen sind der Volksvermehrung 
günstig, Willkürherrschafton nachteilig. Wes¬ 
halb die Proletarier sich leicht vermehren, und 
welchen geringen Wert eine derartige Ver¬ 
mehrung für den Staat hat. 

123. 1/10. 1718 Usbek an den Mollah Mehemet Ali. 

Paris nach Com Bedrängnis des türkischen 
Reiches durch den Prinzen Eugen. 

124. 1 ./IO. 1718 Usbek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Die unsinnige Freigebigkeit der Fürsten gegen 
die Höflinge und die Verarmung des Volkes. 


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17 


Ein kulturgeschichtlich interessanter erdachter 
Erlaß zu Gunsten der Höflinge und zum Schaden 
des Volkes. 

125 . 2/10. 1718. Rica an ?. Paris nach ?. Paradieses¬ 

freuden und Höllenqualen. Die Schilderungen 
der ersteren seien derart, daß sie verständige 
Leute veranlassen könnten, darauf zu vor- j 
zichten. Geschichte einer indischen Witwe. 

126 . 3./10. 1718. Rica an Ushek. Paris nach ?. Be- i 

trachtung über den Sturz einiger Grofser. An- ! 
spielung auf die Verschwörung Cellamares. 

127. 25. 2. 1719. Rica an Ibben Paris nach Smyrna. 

Cher den Tod Karls XII. von Schweden und die | 
Verurteilung seines Ministers Goertz. Betrach- | 
tung über den verderblichen Einflufs schlechter 
Minister auf die Fürsten 

128 . Letzten U 1719. Rica an Ushek. Paris nach ?. | 

Charakterbild des Mathematikers. Der Wert 
der Übersetzungen. 

129 . 4-/6 1719. Ushek an Rhedi. Paris nach Venedig, j 

Über die Fehler der Gesetzgeber und die väter- j 
liehe Gewalt. , 

130 . 7./6. 1719. Rica an ? Paris nach ?. Neuigkeits¬ 

krämer. Briefe eines solchen. 

131 . 20./7. 1719. Rhedi an Rica. Venedig nach Paris. 

Über den Ursprung der Republiken. Schicksal 
der römischen und griechischen Republiken. 

Loh der freien Völker. 

132 . 17., 9.1719 Rica an V. Paris nach?. Kaffoehausunter- 

haltungen während der Lawschen Schwindel¬ 
periode. 

133 . 21/9. 1719. Rica an ?. Paris nach V. Erster 

Besuch in der Klosterbibliothek. Schilderung 

des Abtes, der sich um die [Richer nicht kümmert 
und mit Verachtung von seinem Bibliothekar i 
spricht. 

134 . 23. 9. 1719 Rica an ?. Paris nach ?. Zweiter 1 

Besuch in der Klosterbibliothek. Schmeichel¬ 
hafte Schilderung des Bibliothekars. * 

135 . 2ö. 9 1719. Rica an V. Paris nach ?. Dritter I 

Besuch in «1er Klosterbibliothek. Satirische 

Schilderung der Grammatiker, Glossatoren, , 

Uomuientatoren, di«* alle keinen eignen Ver¬ 
stand brauchen; ferner der Redner. Mathe¬ 
matiker, Metaphysiker, Physiker, Mediziner, 
Alchimisten und Astrologen. Am Schlufs ein 

Hieb gegen Law. I 

136 . 2, ln. 1719. Rica an ?. Patis nach ?. Vierter 

Besuch in der Klosterbibliotliek. Werke über , 
die Geschichte der Kirche, «len Verfall des ! 

römischen Reiches und die Geschichte der ver¬ 
schiedenen europäischen Volker. Urteile üh«»r 
die Verfassungen dieser Völker. 

137 . 6./10. 1719. Rica an ?. Paris nach ?. Fünfter 

Besuch in <h*r Klostei bibliothek. ( her Dichter 
und Komanschreiher. 

138 . l./ll. 1720. Rita an Ibben. Paris nach Smyrna. 

Unh«*ilvolle Folgen des Law^hen Systems. 

139 . 27 1. H2o. Rica an Ibben. Paris nach Smyrna, j 

Die Selbstlosigkeit und eheliche Liehe der 
Königin Ulrike Eleonore von Schweden. Uber 
die Königin Christine. 

140 . 21. 17'Jn. Rica an Ushek. Paris nach V. Ver- i 

bannung des Parlaments nach Poutoise. Loh j 

der Parlamente. j 

141 . 26 b 1720. Ui«a an IMick. Paris nach ? Ge- j 

s«hi« hte Ibrahims und «1er ennonleten Harems¬ 


dame Ana'is, die in das Paradies kam. Welche 
Freuden sie dort genoß, und welche Rache sie 
an Ibrahim nahm* 1 ). 

142. 9./8.1720. RicaanUsbek. Paris nach?. Charakter¬ 

bild des Altertümlers. Das eine Satire auf Law 
enthaltende Fragment des Mythologen. 

143. 20./8. 1720. Rica an den jüdischen Arzt Nathanael 

Levi. Paris nach Livorno. Über den Aber¬ 
glauben, besonders über die Wirksamkeit der 
Amulette und Koranstellen. Brief eines Pro¬ 
vinzialarztes an einen Pariser Arzt über eine 
* neue Heilmethode. Satire auf gewisse Bücher. 

144. 22./S. 1720. Ushek an Rica. Paris nach ?. Charakter¬ 

bild zweier eingebildeter Gelehrter. Lob der 
Bescheidenheit. 

145. 26./S. 1720. Ushek an ?. Paris ?. Schwierigkeit 

der Stellung eines wirklich gelehrten und geist¬ 
reichen Mannes. Brief des Anatomikers. 

146. IL/9. 17*0. Ushek an Rhedi. Paris nach Venedig. 

Über den Einflufs schlechter Minister, ins¬ 
besondere Laws. Ergreifende Schilderung der 
Leiden der Zeit 

147. 1./7. 1717. Der Grofseunuch an Ushek. Ispahan 

(Serail) nach Paris. Bericht über die im Serail 
herrschende Unordnung. Die Untreue Zclis 
und Zachis. 

148. IL/12. 1718. Ushek an den ersten Eunuchen. ? nach 

Ispahan (Serail). Übertragung unbeschränkter 
Vollmacht. 

149. 5./5. 1718. Narsit an Ushek. Ispahan (Serail) 

nach Paris. Tod des Grofseunuchen. Narsit 
ist an seine Stelle getreten. Seine Arglosigkeit. 

150. 25. 10. 1718. Ushek an Narsit. ? nach Ispahan 

(Serail). Vorwürfe und Befehle. 

151. 6./3. 1719. Solim an IJsbek. Ispahan (Serail) 

nach Paris. Weiteres über die Zuchtlosigkeit 
der Frauen und die Unordnungen im Harem. 
Er erbietet sich, die Leitung des Harems zu 
übernehmen. 

152. 6-/3. 1719. Narsit an Ushek. Serail Fatmes nach 

Paris. Seine Vertrauensseligkeit und Meldung, 
dafs Usbeks Brief verschwunden ist und auf 
welche Weise. 

153. 4./8. 1719. Ushek an Solim. Paris nach Ispahan 

(Serail). Übertragung der Vollmacht und 
Verheißung von Belohnungen. 

154. 4./8. 1719. Ushek an seine Frauen. Paris nach 

Ispahan (SeraiU. Benachrichtigung, dafs Solim 
erster Eunuch geworden ist und streng 
Vorgehen wird. 

155. 4./S. 1719. Ushek an Nessir. Paris nach Ispahan. 

Verzweiflung, Heimweh, Eifersucht. Entschluß, 
trotz aller Gefahren und Ricas Weigerung 
heimzukehren. 

156. 2./1. 1720. Rox;ine an Ushek. Ispahan (Serail) 

nach Paris. Klage über die Behandlung des 
Harems durch Solim und Andeutung, dafs «ler 
Tod sie bald erlösen soll. 

157. 2. 1. 1720. Zachi an Ushek. Ispahan (Serail) 

nach Paris. Ihre Bestrafung. Versicherung 
ihrer Unschuld. 

158. 2./I. 1720. Zc^lis an Usbek. Ispahan (SeraiU nach 

Paris. Ihre Bestrafung. Aufkündigung ihrer Liehe. 

159. 8. 3. 1720. Solim an Usbek. Ispahan ^Si^rail nach 

Paris. Untreue Roxanes. Ermordung ihres 
Liebhabers. 

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1 « 


160. 8-/3. 1720. Solim an Usbek. Ispahan (Seraill 

nach Paris. Entschlaf*, noch gröfsere Strenge 
anzuwenden als bisher. 

161. 8./3. 1720. Roxane an Usbek. Ispahan (Serail) nach 

Paris. Sie gesteht, dafs sie untreu gewesen 
ist, und dafs sie ihn nie geliebt hat Ihr Tod. 

Um die Anlage des Werkes zu veranschaulichen, 
gehen wir zunächst eine Einteilung der Briefe nach 
ihren Verfassern und dann eine solche nach ihrem 
Inhalte. Vielleicht läfst sich dabei erkennen, ob 
Montesquieu gewisse Grundsätze beobachtet hat. 
Hierauf handeln wir über die Reihenfolge der Briefe 
und ihr Verhältnis zu den unter ihnen stehenden 
persischen Daten. 

Einteilung der Briefe nach ihren Verfassern. 

Von Usbek sind 78 Briefe, und zwar 29 an 
Rhedi (33, 36, 44, 46, 48, 57, 61, 69, 75, 80, 
83, 88, 92, 94, 95, 106, 113-122, 124, 129, 
146), 14 an Ibben (23, 25, 34, 37, 40, 56, 60, 
76, 89, 90, 98, 102—104), 5 an Mirza 11—14, 
85). Je 4 an Rustan und Ungenannt (an Rustan 1, 
8, 19, 91; an Ungenannt 101, 108, 111, 145) 
Je 3 an Nessir und Mehemet Ali (an Nessir 6, 27, 
155; an Mehemet Ali 16, 17, 123). Je 2 an den 
ersten schwarzen Eunuchen (2, 148), an Usbeks 
Frauen (65, 154) und Rica (74, 144). Je einer an 
Zachi (20), Roxane (26), Zelis (71), den ersten 
weifsen Eunuchen (21), Gemschid (35), Pharan (43), 
Usbeks Bruder (93), den Derwisch Hassein (97), 
Narsit (150), Solim (153). 

Von Rica sind 46 Briefe, und zwar 18 an 
Ungenannt (28, 32, 50, 66, 73, 84, 86, 87, 109, 
110, 125, 130. 132-137). 13 an Usbek (45, 49, 
52, 54, 59, 63, 68, 78, 126, 128, 140—142), 
11 an Ibben (24, 29, 30, 38. 55, 72, 82, 107, 
127, 138, 139), 3 an Rhedi (58, 99, 100), 1 an 
Nathanael Levi (143). 

Von Zachi sind 3 (3. 47, 157). Sämtlich an 
Usbek. Von Zelis 4 (53, 62, 70, 158). Sämtlich 
an Usbek. Von Roxane 2 (156, 161). Beide an 
Usbek. Von Zephis 1 (4) und Fatme 1 (7). Beide 
an Usbek. Von dem ersten schwarzen Eunuchen 7 
und zwar 5 an Usbek (41, 64, 79, 96, 147), je 
einer an Ibbi (9) und Jaron (15) 82 ). Von Jaron 
1 (22) an den ersten schwarzen Eunuchen. Von 
Pharan 1 (42), Narsit 2 (149, 152), Solim 3 (151, 
159, 160), Rustan 1 (5), Mirza 1 (10), Ibben 2 
(67, 77). Sämtlich an Usbek. Von Rhedi 4. und 
zwar 3 an Usbek (31, 105, 112) und 1 an Rica 
(131). Von Nargum 2 (51, 81) an Usbek. Von 
Mehemet Ali 1 (18) an Usbek. von Hagi Ibbi 1 
(39) an Ben Josua. 

Die Person Usbeks stellt im Mittelpunkte des 
Briefwechsels. Von den 161 Briefen verfallt er 78. 
Von den andern sind 45 an ihn gerichtet. Die 


meisten Briefe schreibt er an Rhedi (29) und Ibben 
(14). Seine in Persien gebliebenen Freunde Mirza. 
Rustan und Nessir kommen weit schlechter weg. 
Nach Usbek schreibt sein Freund und Begleiter 
Rica die meisten Briefe, nämlich 46, und zwar 18 
an Ungenannt (während derselbe von Usbek nur 
4 bekommt), 13 an Usbek (während Usbek nur 

2 Mal an Rica schreibt) und 11 an Ibben. Rhedi 
erhält von Rica nur 3 Briefe. Ibben schreibt an 
Usbek 2 Mal, an Rica gar nicht; Rhedi an Usbek 

3 Mal, an Rica 1 Mal. Was die Freunde in Ispahan 
anlangt, so schreiben Rustan und Mirza an Usbek 
je einmal und Nessir gar nicht. Zwei Briefe sind 
an die Frauen gemeinschaftlich gerichtet, aufserdem 
erhalten Zachi, Roxane, Zelis je einen, während 
Fatme und Zephis leer ausgehen, obwohl sie 
auch an ihren Gemahl geschrieben haben. Zachi 
hat 3 Mal, Zelis sogar 4 Mal geschrieben. Von 
seiner geliebten Roxane aber erhält Usbek erst am 
Schlüsse, nachdem ihre Untreue bekannt geworden 
war, 2 Briefe. Wir sehen, dafs nicht auf jeden 
Brief eine Antwort erfolgt. Die beiden Briefe 
Nargums an Usbek bleiben z B. auch unbeantwortet. 
Der Briefwechsel ist also nichts weniger als regelmäfsic 
Das haben wir uns daraus zu erklären, dafs die in 
Frankreich weilenden Perser natürlich weit mehr Stoff 
zum Schreiben haben mufsten als die anderen. Ferner 
sollte olfenbar dem Briefwechsel, der ja nach der 
Vorrede unvollständig war, der Charakter des Lücken¬ 
haften gegeben werden. 

Einteilung der Briefe nach ihrem Inhalte. 

Die Rahmenerzählung linden wir in 
folgenden 45 Briefen: 1—9, 15, 20—23, 25—27. 
31, 41—43, 47, 53, 62, 64, 65, 70, 71, 79. 
96, 147 —161. Aufserdem gehört ihr noch an der 
Anfang von 10, 19 und 24, während der Hauptinhalt 
dieser Briefe anderer Art ist 26 ist ebenfalls noch 
anderer Art. Die Briefe der Rahmenerzählung sind 
von Usbek, seinen Frauen und Sklaven und seinen 
Freunden Rustan und Rhedi. Letztere liefern 
allerdings nur je einen (5 bez. 31). 

Erzählungen enthalten 11 —14 (die Geschichte 
der Troglodyten), 67 (die Geschichte von Aspheridon 
und Astarte), 125 (die Geschichte einer indischen 
Witwe), 141 (die Geschichte der ermordeten Anais 
Die für das damalige politische Glaubensbekenntnis 
Montesquieus wichtige Troglodytengeschiehte ist Usbek 
zugeschrieben. Die Geschichte des Aspheridon. 
welche treue Freundschaft und eheliche Liebe 
verherrlichen soll, rührt von Ibben her. Die schlüpfrigen 
Erzählungen von der indischen Witwe und von Anais 
haben Rica als Verfasser. Die Erzählungen treten 
sämtlich nicht unvermittelt auf, sondern bei allen 
wird die Ein Schiebung begründet 


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19 


Satirisch-kirchlichen Inhalts sind: 10, 
16—18, 29, 39 (gegen die strenge Rechtgläubigkeit), 
93 (über das Mönchtum), 97 (über heilige Bücher), 
125 (über Paradiesesfreuden und Höllenqualen). Sie 
sind meist von Usbek an mokamedanische Geistliche 
gerichtet oder stammen von solchen. Von Mirza 
ist 10, von Rica sind 29 und 125. 

Religiös-philosophischen Inhalts sind: 35 
(Toleranz), 46 (das Wesen der wahren Religion), 
60 (Toleranz), 69 (die Allwissenheit Gottes), 75 
(religiöse Gleichgültigkeit der Christen), 76 (Selbst¬ 
mord), 77 (desgl.), 83 (Gerechtigkeit Gottes), 85 
(Toleranz), 97 (Fortschritte in der Erkenntnis der 
Naturgesetze), 123 (Toleranz) Mit Ausnahme von 
77 (Abschwächung von 76) sind diese Briefe sämtlich 
Usbek zugeschrieben. 

Historischen oder politischen Inhalts 
sind: 80 (die beste Regierungsform), 89 (politische 
Freiheit und der Ruhm- und Ehrtrieb), 92 (Stellung 
der Parlamente), 94 (Staatsrecht und Ursprung der 
Gesellschaft), 95 (das Recht, Kriege zu führen;, 

102 (die Regierungsform der europäischen Staaten), 

103 (Nachteile der Despotien), 104 (Freiheitssinn 
der Engländer), 105 (der vermeintliche verderbliche 
Einflufs der Künste und Wissenschaften), 106 (der 
wohlthätige Einflufs der Künste und Wissenschaften), 
112—122 (die Entvölkerung der Erde), 131 (Ursprung 
und Schicksal der alten Republiken). 

Von den 22 Briefen dieser Klasse sind 19, 
also die grofse Mehrzahl, von Usbek, die übrigen 
3 von Rhedi, wovon 2 (105 und 112) als Anregung 
zur Besprechung je eines Themas dienen. Usbek 
richtet an Ibben 4 (89, 102, 103, 1C4), die übrigen 
15 an Rhedi. 

Öffentliche Einrichtungen behandeln: 28 
(Theater), 32 (Hospiz der 300), 73 (Akademie), 84 
(Invalidenhaus), 109 (Universität). Sämtlich von 
Rica an Ungenannt gerichtet. 

Die Charakterbilder stammen sämtlich von 
Usbek oder Rica, können der Natur der Sache nach 
auch nur von ihnen herrühren, und zwar ist ersterer 
daran mit 11, letzterer mit 17 beteiligt. Adressiert 
haben Usbek und Rica die Briefe dieser Art entweder 
an sich gegenseitig, oder an Ibben, Rhedi und 
Ungenannt. Von Rica sind folgende Charakterbilder: 
24 (Ludwig NIV. und der Papst), 45 (der Adept), 
49 (der Kapuziner), 50 (der Selbstgefällige), 54 
(Schöngeister), 58 (Goldmacher, Zauberer, Wahr¬ 
sager etc.), 59 (alte Leute), 66 (Compilatoren), 68 
(der unwissende Richter), 72 (der Schnellfertige), 
82 (Schwätzer), 87 (Gesellschaftsmenschen), 110 
(hübsche Frauen), 128 (der Mathematiker und der 
Philolog), 130 (Neuigkeitskrämer), 133 (Abt und 
Klosterbibliothekar), 142 (der Altertümler und Law) 
Von Usbek sind folgende: 30 (streitende Philologen), 
37 (Ludwig XIV.), 48 (Generalpächter, Beichtväter, 


Gelegenheitsdichter, alte Offiziere, ein Don Juan), 
56 (Spieler), 57 (Casuisten), 61 (Geistliche), 74 
(der rücksichtslose vornehme Herr), 101 (der 
unfehlbare Bischof), 108 (Journalisten), 144 (ein¬ 
gebildete Gelehrte), 145 (wahrhaft geistreiche und 
gelehrte Leute). 

Uber Zustände,Thorheiten und Gebrechen 
der Zeit handeln folgende 15 Briefe Ricas: 30 
(Charakter der Pariser), 38 (Stellung der Frau), 
52 (weibliche Eitelkeit), 55 (französisches Eheleben), 
63 (die Tändelsucht), 86 (die väterliche Gewalt), 
99 (Modethorheiten), 100 (Charakter der Franzosen), 
107 (Einflufs der Frauen und Beichtväter auf 
Fürsten), 126 (über gestürzte Grofse), 127 (der 
! verderbliche Einflufs schlechter Minister), 132 (Kaffee- 
; hausunterhaltungen während der Schwindelperiode), 
138 (traurige Folgen des Lawschen Systems), 14o 
(die Parlamente), 143 (über Aberglauben und lang¬ 
weilige Bücher). Ferner handeln über diese Gegen- 
; stände folgende 11 Briefe Usbeks: 26 (Leichtfertigkeit 
der Pariserinnen), 33 (eiheiternde Getränke), 34 
(persische und französische Männer und Frauen), 
40 (prunkvolleLeichenfeiern), 44(lächerlicheEifersucht 
zwischen den verschiedenen Ständen), 88 (Günstlings¬ 
wirtschaft), 90 (Zweikampf), 98 (rascher Wechsel 
zwischen Armut und Reichtum), 124 (Günstlings¬ 
wirtschaft), 129 (schlechte Gesetzgeber, väterliche 
Gewalt), 146 (SittenVerderbnis als Folge des Lawschen 
Systems). 

Auch die Briefe dieser Kategorie haben Usbek 
und Rica zumeist entweder an sich gegenseitig oder 
an Ibben, Rhedi und Ungenannt gerichtet. 

Verschiedenen Inhalts sind folgende 10Briefe: 
i 51 (über russische Sitten, von Nargum), 78 (Verspottung 
der Spanier und Portugiesen, von Rica), 81 (der 
j Ruhm der Tataren und der Nutzen der Geschichts- 
I Schreibung, von Nargum), 91 (der falsche persische 
! Gesandte, von Usbek), 111 (Rede eines Generals 
der Fronde, von Usbek), 134—137 (Charakteristik 
der verschiedenen Schriftsteller, von Rica), 139 (über 
Ulrike Eleonore und Christine von Schweden, von 
' Rica). 

Aus unseren Darlegungen ergiebt sich, dafs die 
Briefe über bedeutende und ernste Materien, kurz 
die wichtigsten Briefe, alle oder fast alle Usbek 
zugeschrieben werden. Das sind die religiös¬ 
philosophischen und die historisch-politischen Briefe, 
zu denen eigentlich auch die Troglodytengeschichte 
gehört. Das kann nur Absicht sein. Die Briefe 
Ricas sind zumeist satirisch, ganz selten ernsten 
Gehalts. Er stellt seinen Mann am besten da, wo 
es gilt zu scherzen und zu spotten. Damit soll 
jedoch nicht gesagt sein, dafs Usbek das nicht auch 
verstände. Wie wir sahen, ist er an den Charakter- 
| und Zeitbildern mit einer stattlichen Anzahl beteiligt. 

I Aber für ernste Dinge hat er weit mehr Neigung. 

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20 


Wenn Vian sagt 83 ), dafs der eine Perser lustig, der 
andere ernst sei, so ist das richtig mit Bezug auf 
Rica, der sehr selten ernst ist, aber ungenau mit 
Bezug auf Usbek, der sich häufig auch sehr 
lustig zeigt. 


Die Reihenfolge und die Datierung der Briefe. 


Montesquieu bedient sich bei der Datierung der 
einzelnen Briefe der persischen Monatsnamen, aber 
nicht der persischen, resp. mohamedanischen, sondern 
der christlichen Jahreszahlen. Der persischen Monats¬ 
namen bediente er sich offenbar, um dem Werke 
eine gewisse orientalische Färbung zu geben, und 
der christlichen Jahreszahlen, um seinen Lesern das 
Verständnis nicht zu erschweren. Diese würden 
mit der rein mohamedanischen Zeitrechnung sicherlich 
viel Mühe gehabt, sich vielleicht auch gar nicht 
zurecht gefunden haben. Für das rechte Verständnis 
der zahlreichen Anspielungen auf zeitgenössische 
Ereignisse würde dann allemal ein Exempel nötig 
gewesen sein. 

Ehe wir an unsere Erörterungen gehen, müssen 
wir auf einen Irrtum in der Datierung aufmerksam 
machen, welcher sich anscheinend schon seit langer 
Zeit durch die verschiedenen Ausgaben hindurch¬ 
gezogen hat Die aus den beiden letzten Monaten, 
Zilcadö und Zilhagö, stammenden Briefe sind nämlich 
fast sämtlich nicht mit der Zahl des laufenden Jahres 
versehen worden, sondern mit der des folgenden. 
Diese Briefe sind: 33—36, 54—56, 72 und 73, 
94-96, 108 und 109, 138, 148. Eine Aus¬ 
nahme machen nur die Briefe 20 — 22, welche 
mit der laufenden Jahreszahl versehen sind. Es 
leuchtet ein, dafs das nicht' zusammenpafst. Was 
von beiden ist richtig? Haben wir bei 20—22 die 
Jahreszahl um eins zu erhöhen oder bei den anderen 
sie um eins zu vermindern? Ich glaube, dafs das 
erstere geschehen mufs. In der ersten Martoau- 
Ausgabe nämlich, von der ein Exemplar in der 
Königlichen Bibliothek in Dresden vorhanden ist, 
wird 20 vom 12./11. 1712 und 21 vom 12./11. 1711 
datiert. (Die beiden Briefe tragen darin die Nummern 
19 und 20.) 22 ist erst später in das Werk 

eingefügt worden, w r ie wir p. 12 gezeigt haben. Die 
übrigen aus den zwei letzten Monaten stammenden 
Briefe tragen in dieser Ausgabe sämtlich die um 
eins erhöhte Jahreszahl. Genau so giebt die Ausgabe 
vom Jahre 1752 die Datierung. Ich glaube nun, 
dafs die Zahl 1711 unter 21 in der ersten Marteau- 
Ausgabe ein Druckfehler ist Es ist dafür 1712 zu 
setzen. Dann tragen sämtliche in Frage kommenden 
Briefe die erhöhte Jahreszahl. Wir werden in dem 
folgenden Aufsatze sehen, dafs dies auch die Absicht 
des Verfassers gewesen sein mufs. Man hat später 
irrtümlich die Zahl 1711 auch auf 20 und 22 


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übertragen, ohne zu bedenken, dafs man sich damit 
in Widerspruch zu der Datierung der anderen Briefe 
setzte Die Herausgeber schenkten diesen Dingen 
entweder zu wenig Aufmerksamkeit oder verstanden 
die Absicht Montesquieus nicht mehr. Es ist mir 
leider nicht möglich festzustellen, wann dieser Irrtum 
zuerst begangen worden ist Das kann eben nur 
jemand, der die sämtlichen Ausgaben der L. p. aus 
dem vorigen Jahrhundert einzusehen in der Lage ist. 
Eine in meinem Besitz befindliche Ausgabe vom 
Jahre 1791 begeht ihn bereits. 

Stimmt man dieser Annahme bei, so ergiebt 
sich für die Verteilung der Briefe auf die einzelnen 
Jahre folgendes. Es stammen aus dem Jahre 1711 
Brief 1—19, aus 1712 20—32, 1713 33-53, 
1714 54—71, 1715 72—93, 1716 94-97, 1717 
98-107 und 147, 1718 108 -126 und 148—150, 
1719 127—137 und 151—155, 1720 138—146 
und 156—161. Der am frühesten angesetzte Brief 
ist 3 (vom 21./1. 1711), der am spätesten angesetzte 
ist 146 (vom 11./9. 1720). Der Briefwechsel erstreckt 
sich also auf einen Zeitraum von fast 9 3 / 4 Jahren. 

Die Reihenfolge der Briefe entspricht im all¬ 
gemeinen ihrer Datierung. Entweder sind die Briefe 
im ganzen nach den unter ihnen stehenden Daten 
angeordnet worden oder umgekehrt: der Verfasser hat 
die Daten der Reihenfolge angepafst Letzteres dürfte 
wahrscheinlicher als das erste sein. In folgenden 
9 Fällen entspricht die Reihenfolge der Datierung nicht. 

1) 3 (vom 21-/1.) und 4 (vom 29./1.) sind früher 
angesetzt als 1 (vom 15/2.) und 2 (vom 
18./2.); 

2) 7 (12/3.) ist früher angesetzt als 5 (28./3.) 
und 6 (10./4); 

3) 9 und 10 (beide vom letzten/2.) sind früher 
angesetzt als 5, 6, 7 und 8 (letztrer vom 
20 76 .); 

4) 41 und 42 (beide vom 7./1.) sind früher 
angesetzt als 38 (26-/6.), 39 (20./7.), 40 
£*20-/7.'); 

5) 64 (9/3.) ist früher angesetzt als 63 (10./3.): 

6) 67 (27.(6.) ist früher angesetzt als 65 (5-/8.) 
und 66 (8./8.); 

7) 78 (17./2.) ist früher angesetzt als 77 
(letzten/2.); 

8) 112 (10./7 ) ist früher angesetzt als 111 
(4-/8.); 

9) 147 (1/7. 1717) ist früher angesetzt als die 
vorhergehenden 42 Briefe. (105 ist vom 
5./9. 1717 datiert.) Überhaupt beginnt von 
147 an eine besondere Datierung. 

Wie sind diese Abweichungen von dem all¬ 
gemeinen Grundsalze zu erklären? 

Zu 1). Brief 1 und 2 sind offenbar deshalb 
vor 3 und 4 gesetzt worden, weil sie besser 
als Einführung dienen konnten als 3 und 4. 


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welche Mitteilungen von Frauen enthalten, 
die für den Gang der Rahmenerzählung 
ziemlich gleichgültig sind. Außerdem soll 
durch die frühere Ansetzung von 3 und 4 
angedeutet werden, dafs die Frauen bald 
nach der Abreise ihres Gemahls, die nach 
Brief 1 etwa am 20./1. erfolgt sein mufs, 
das Bedürfnis empfinden, an ihn zu schreiben, j 
Zu 2). Brief 7 mufste früher datiert werden als j 
5 und 6, weil Fatme am Anfänge ausdrück- j 
lieh sagt, dafs seit Usbeks Abreise 2 Monate ! 
verflossen seien. 1 

Zu 3). Dafs Brief 10 nach 5—8 gesetzt worden 
ist, haben wir wohl daraus zu erklären, dafs 
10 als Anlafs und Einleitung zu den Briefen 
über die Troglodyten anzusehen ist und 
daher unmittelbar davor gehört. 9 ist des¬ 
halb vor 5—8 gesetzt worden, weil er das¬ 
selbe Datum trug wie 10. 

Zu 4). Brief 41 und 42 stehen aus dem Grunde 
nach 38—40, weil sie inhaltlich eng zu 43 \ 
gehören und von letzterem nicht wohl getrennt j 
werden konnten. j 

Zu 5). 64 steht nach 63, weil 64 und 65 
zusammengehören. Denn 65 ist als Antwort 
auf die in 64 gegebenen Mitteilungen des 
Grofseunuchen anzusehen. Das Verständnis 
wäre nicht so bequem gewesen, wenn 63 
nach 64 gesetzt worden wäre. i 

Zu 6). Dafs 67 nicht vor 65 stehen kann, geht j 
aus dem unter 5) Gesagten hervor. Dagegen 
hätte 66 sehr wohl nach 67 gesetzt werden 
können. Für die vorliegende Stellung von ! 
66 und 67 giebt es keinen ersichtlichen 
Grund. 

Zu 7). Brief 78 steht deshalb nach 77, weil 
77 sich inhaltlich eng an 76 an schliefst. 
Die beiden Materien wären zerrissen worden, 
wenn 78 vor 77 gesetzt worden wäre. 

Zu 8). 112 ist nach 111 gesetzt worden, weil 

112 als die Veranlassung und Einleitung zu 
der Briefreihe über die Entvölkerung an¬ 
zusehen ist. Es würde störend gewesen 
sein, wenn 111 nach 112 gesetzt worden 
wäre. 

Zu 9). Dafs von 147 an eine besondere Datie¬ 
rung beginnt, erklärt sich einfach daraus, 
dafs 147 —161 sämtlich der Rahmenerzäh¬ 
lung angehören, deren Verständnis bedeutend 
erschwert worden wäre, wenn der Verfasser i 
sie nicht im Zusammenhänge gegeben hätte. 
Wir finden also, dafs es stets Rücksichten auf 
den Inhalt waren, welche Montesquieu veranlafsten, 
von seinem Grundsätze in der Reihenfolge und Datie¬ 
rung der Briefe abzuweichen. Nur in einem Falle 
macht die Erklärung der Stellung Schwierigkeit. 


Zuweilen ist ein Brief als die sofort oder 
wenigstens bald erfolgte Antwort auf einen vorher¬ 
gehenden aufzufassen. Es entsteht dabei die Frage: 
Hat Montesquieu dann die Data immer so eingerichtet, 
dafs sie den Entfernungen zwischen den Aufenthalts¬ 
orten des Schreibers und Empfängers entsprechen? 
Für die Zeit, welche ein Brief zwischen Paris und 
Ispahan geht, gestatten folgende einen Schlufs. 

Nach Brief 42 (vom 7./1.) und 43 (vom 25./7.) 
braucht ein Brief für diesen Weg etwa 194 Tage. 
(Die Monate werden bei dieser Rechnung zur Hälfte 
zu 29 und zur Hälfte zu 30 Tagen gezählt. Vgl. p. 29.) 
Nach 64 (9./3.) und 65 (5./8.), etwa 143 Tage; nach 
70 (9./5.) und 71 (5./10.) auch etwa 143 Tage; nach 
147 (1-/7.) und 148 (11./12.) etwa 157 Tage; nach 
149 (5./5.) und 150 (25./10.) etwa 167 und nach 
153 (4./8.) und 156—158 (sämtlich vom 2./1.) 
145 Tage. Sehen wir von 43 ab, welcher als Ant¬ 
wort auf die in 42 enthaltene Bitte des Sklaven 
Pharan anzusehen ist, bei der Usbek sich nicht zu 
beeilen brauchte, so würden also die Briefe zwischen 
Paris und Ispahan 143—167 Tage gehen. Es ist 
unverkennbar, dafs in diesen Zahlen Berechnung liegt, 
und dafs Montesquieu bestrebt ist, in dieser Hinsicht 
Unwahrscheinliehkeiten und Inkonsequenzen zu ver¬ 
meiden. In Brief 155 sagt er zwar, dafs ein Brief 
zwischen Ispahan und Paris zuweilen 6 Monate gehe. 
Doch soll eben durch diese Zahl nur das Maximum 
der Zeit bezeichnet werden. Über die Zeit, welche 
ein Brief zwischen anderen Orten braucht, können 
wir leider nur wenig Schlüsse machen. Zwischen 
Ispahan und Erzerum werden nach 10 (letzten^.) 
und 11 (3./6.) ca. 3 Monate als erforderlich angesetzt, 
wenn, wie es wahrscheinlich ist, 11 bald nach dem 
Empfange von 10 geschrieben wurde. Zwischen Paris 
und Venedig geht ein Brief nach 112 (10./7.) und 
113 (S./8.) nicht ganz 30 Tage Das stimmt wenigstens 
ungefähr zu 105 (5./9.) und 106 (14./10.), nach denen 
etwas mehr als ein Monat dazu nötig ist 

Unwahrscheinlich ist nur die Zeit, welche nach 
76 (15./2.) und 77 (letzten/2.) für den Weg zwischen 
Paris und Smyrna angenommen ist. Denn diese 
betrüge dann nur 14 Tage. Aber das ist unmöglich. 
Schon in 23 hatte Usbek geschrieben, dafs allein für 
die Seereise zwischen Smyrna und Livorno 40 Tage 
gebraucht wurden. Dieser Widerspruch erklärt sich 
wohl daraus, dafs Brief 77 erst 1754 eingefügt 
wurde, und dafs Montesquieu damals, d. h. 33 Jahre 
nach dem Erscheinen des Werkes, nicht mehr recht 
gegenwärtig war, nach welchen Grundsätzen er seiner 
Zeit die Briefe an geordnet hatte. 

Im allgemeinen aber sehen wir, dafs Montesquieu 
auch in diesen nebensächlichen Dingen mit Über¬ 
legung gehandelt hat, obwohl er sich nicht verhehlen 
konnte, dafs die Mehrzahl seiner Leser darauf nicht 
achten würde. 


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Bei einer Anzahl von Briefen bemerken wir, 
dafs sie gleiches, bei andern, dafs sie sehr nahe¬ 
liegendes Datum tragen. Zumeist ist das durch den 
Inhalt bedingt gewesen. 

Folgende Briefe tragen gleiches Datum: *20—2*2. 

In 20 erhält Zachi von Usbek Vorwürfe, weil sie eine 
Vorschrift des Harems übertreten hat; in 21 macht j 
Usbek dem ersten weifsen Eunuchen Vorwürfe, weil 1 
er den Fehltritt geduldet hat, und in 22 spricht Jaron | 
von der Eifersucht seines Herrn und den Mafsregeln, 1 
welche dieser zu ergreifen gedenkt. 24 und 25. Es ' 
sind die ersten Briefe, welche Usbek und Rica aus Paris ] 
schreiben. In 25 wird übrigens 24 erwähnt. 41 und 42. j 
ln 41 war gemeldet worden, dafs Pharan zum Eunuchen J 
gemacht werden sollte, und in 42 bittet Pharan um j 
Usbeks Schutz. 151 und 152. Auch hier wird das 
gleiche Datum nicht unabsichtlich sein. Solim und ! 
Narsit melden, ihrem Charakter gemäfs, Entgegen¬ 
gesetztes aus dem Harem. 153—155. Usbek schreibt 
zu gleicher Zeit an Solim, seine Frauen und Nessir j 
über denselben Gegenstand, nämlich über seine Unruhe. 
156—158- Roxane, Zachi und Zelis schreiben zu ; 
gleicher Zeit über ihre Mifshandlung. 159—161. 
An demselben Tage, an dem Solim mitteilt, dafs auch | 


Roxane untreu geworden ist, und dafs er noch strenger 
vorgehen will, gesteht Roxane ihre Untreue und meldet 
ihre Absicht, in den Tod zu gehen. 

Bei 9 und 10, 14 und 15, 39 und 40, 1*23 
und 124 kann das gleiche Datum nur zufällig sein. 

Naheliegendes Datum wurde bei folgenden Briefen 
durch den Inhalt bedingt: 11—14, die Geschichte 
der Troglodyten. 16 und 17, die beiden Schreiben 
Usbeks an den Moliah Mehemet Ali über religiöse 
Zweifel. 89 und 90, über Ruhm- und Ehrtrieb. 
94 und 95, über Staats- und Privatrecht 102—lül. 
über den Despotismus. 113—122, über die Ent¬ 
völkerung. 133—137, die Besuche in der Kloster¬ 
bibliothek. 144 und 145 über falsche und wahre Ge¬ 
lehrte. 

Sonst kann naheliegendes Datum ebenfalls nur 
zufällig sein. 

Nach vorstehenden Ausführungen darf gewii's 
mit Recht behauptet werden, dafs Montesquieu bei 
der äufseren Anlage des Werkes im allgemeinen 
umsichtig und planmäfsig verfahren ist und sich 
bemüht hat, Unwahrscheinlichkeiten und Widersprüche 
zu vermeiden. 


III. 

Das Verhältnis des Werkes zu den Voyages von Chardin und Tavernier. 


Wie verhalten sich nun die halb persischen und 1 
halb christlichen Daten, mit welchen Montesquieu j 
seine Briefe versehen hat, zu der eigentlichen per¬ 
sischen Zeitrechnung? Dafs die persischen und j 
christlichen Monate nicht einfach zusammenfallen, 
dürfte wohl manchem seiner Leser bekannt gewesen ! 
sein, aber nicht, wie sich die persische Zeitrechnung | 
zu der christlichen eigentlich verhält. Die Frage 1 
führt uns zunächst auf eine weitere Frage, nämlich: 
Woher hat Montesquieu seine Kenntnisse darüber 
und über persische Sitten und Gebräuche überhaupt i 
geschöpft? Die Antwort auf diese Frage hat er uns , 
leicht gemacht. Im 7*2. Briefe charakterisiert Rica den 
Schnellfertigen, der in einer Viertelstunde 3 moralische, 

4 historische und 5 physikalische Probleme entschied. 
Da gedachte Rica ihn zu fangen und spracii mit 
ihm über Persien. Kaum aber hatte er vier Worte 
gesprochen, als jener ihn Lügen strafte und sich auf 
die Autorität der Herren Chardin und Tavernier 
berief. Darauf schwieg Rica und liefs ihn weiter 
reden. Die Herren Chardin und Tavernier, zwei zu 
ihrer Zeit sehr bekannte Orientreisende, deren Er¬ 
zählungen man noch jetzt mit Interesse liest, werden 
also als Autoritäten für die Kenntnis Persiens 


bezeichnet Wir versuchen in dem folgenden zu 
zeigen, wie Montesquieu sie benutzt hat. Zuvor 
geben wir jedoch einige biographische Bemerkungen 
über beide. 

Jean Chardin wurde am 16. November 1643 als 
der Sohn eines reformierten Juweliers in Paris 
geboren. Er widmete sich dem Berufe seines Vaters. 
Auf seine Bitten wurde er von diesem im Jahre 1664, 
21 Jahre alt, nach Ostindien geschickt, um Diamanten 
einzukaufen. Er ging direkt nach Persien, reiste 
quer durch das Land hindurch und schiffte sich in 
Ormus nach Surate ein. Nach kurzem Aufenthalte 
daselbst begab er sich nach Persien zurück und ver¬ 
weilte hier bis 1670. Die genaue Kenntnis der 
Sprache, der Sitten und Gebräuche des Landes, 
welche er sich in diesen Jahren aneignete, setzte ihn 
in den Stand, Beziehungen zu den mächtigsten und 
einflufsreiehsten Personen des Königreichs und zu 
dem Schah selbst anzuknüpfen. Letzterer verlieh ihm 
den Titel eines königlichen Kaufmanns. Während 
dieses ersten Aufenthalts besuchte er zweimal die 
berühmten Ruinen von Persepolis. Mit reichem 
Material an Sammlungen und Aufzeichnungen kehrte 
er 1670 nach Frankreich zurück. Da er sich noch 


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23 


nicht für unterrichtet genug hielt, um ein gröfseres 
Werk über Persien zu schreiben, begnügte er sich 
damit, eine Beschreibung der Ereignisse, deren Augen¬ 
zeuge er gewesen war, zu veröffentlichen unter dem 
Titel: Couronnement de Soliman III, Roi de Perse. 
Paris 1671. Da er wegen seines reformierten Be¬ 
kenntnisses in der Heimat nicht zu Ämtern und 
Ehren gelangen konnte, und da er auch auf seinen 
Glauben nicht verzichten wollte, unternahm er schon 
1671 eine neue Reise nach Persien, von der er erst 
1677 zurückkehrte. Er suchte mit allem Eifer seine 
Kenntnisse in der Sprache und von dem Leben der 
Perser zu erweitern und zu vertiefen, durchreiste das 
Land nach allen Richtungen, verkehrte viel mit den 
Grofsen und den Gelehrten und erschien häufig bei Hofe. 
Er giebt an, dafs er die persische Sprache ebenso bequem 
gesprochen habe, wie das Französische. Nach seiner 
Rückkehr liefs er sich dauernd in England nieder, 
da ihm die religiösen Verfolgungen das Vaterland ver¬ 
leidet hatten. Karl II. von England schlug ihn am 
24. April 1681 zum Ritter. An demselben Tage 
heiratete er eine reformierte Dame aus Rouen, die 
wegen ihres Glaubens geflüchtet war. 1683 ging er 
als bevollmächtigter Agent der englisch-ostindischen 
Handelskompagnie nach Holland. Er arbeitete dann 
an der Abfassung seines Reisewerkes. Der 1. Teil 
davon erschien 1686. Vollständig erschien es 1711 
als: Voyages de Mr. le Chevalier Chardin en Perse et 
autres lieux de l’Orient. 10 vol. Es ist mit einer grofsen 
Anzahl von Kupfern versehen, welche die behandelten 
Gegenstände veranschaulichen. Die Zeichnungen dazu 
liefs Chardin an Ort und Stelle von dem Sieur 
Grelot aufnehmen. Chardin starb am 15. Januar 1713 
in der Nähe von London. Er war wegen seines 
biedern Charakters, seiner vielseitigen Bildung, seiner 
scharfen Beobachtungsgabe, seiner unparteiischen, 
gewissenhaften, wahrheitsliebenden Berichterstattung 
allgemein geschätzt. Alle späteren Reisenden haben 
die Richtigkeit und Genauigkeit seiner Angaben be¬ 
stätigt. Sein Buch erlangte grofse Berühmtheit. Wenn 
Persien damals in Frankreich genauer bekannt war 
als irgend ein europäischer Staat, so war das ein 
Verdienst Chardins 84 ). 

Jean-Baptiste Tavernier wurde 1605 in Paris 
geboren. Sein Vater war Graveur. Die Familie war 
anscheinend auch protestantisch. Unterhaltungen seines 
Vaters mit gelehrten Männern über geographische 
Gegenstände, denen er als Kind im väterlichen Hause 
lauschte, weckten frühzeitig in ihm die Begierde, 
ferne Länder kennen zu lernen. Im Alter von 15 
Jahren hatte er schon England und die Niederlande 
bereist. Dann trat er in die Dienste des kaiserlichen 
Kavallerieobersten Hans Brener und nahm an der 
Schlacht bei Prag ( 8. November 1620) und an mehreren 
Treffen mit den Türken teil. Dann lernte er, zumeist 
im Dienste vornehmer Herren, Deutschland, die 


Schweiz, Polen, Ungarn und Italien kennen. Bei 
Gelegenheit der Krönung Ferdinands III. (1636) wurde 
er durch den P. Joseph, den bekannten Kapuziner¬ 
mönch und Vertrauten Richelieus, bewogen, sich an 
einer Reise nach Palästina zu beteiligen. In Kon¬ 
stantinopel verlief« er jedoch die Reisegesellschaft 
und ging mit einer Karawane nach Persien Der 
Gewinn, welchen ihm der Handel mit Juwelen eintrug, 
veranlafste ihn, sich mit der Schätzung von Edel¬ 
steinen genauer vertraut zu machen und noch fünf 
andere Reisen nach dem Oriente zu unternehmen. 
Die letzte trat er im Jahre 1663 an Durch diese 
Reisen wurde erreich und berühmt Ludwig XIV. adelte 
ihn wegen seiner Verdienste um den französischen 
Handel. Tavernier kaufte sich die Herrschaft Aubonne 
in der Schweiz. Unglücklicherweise verführte ihn seine 
Eitelkeit dazu, ein sehr luxuriöses Leben zu führen. 
Sein Vermögen schmolz zusammen. Den letzten Rest 
desselben verlor er durch die Treulosigkeit eines 
Neffen. Nach dem Widerruf des Edikts von Nantes 
begab er sich mit seiner Familie nach der Schweiz 
und von da nach Berlin, wo ihn der grofse Kur¬ 
fürst wohlwollend aufnahm und zum Direktor der 
indischen Kompagnie ernannte, die er zu gründen 
beabsichtigte. Trotz seines Alters wollte sich Tavernier 
| nach Indien begeben, als ihn der Tod in Kopenhagen 
j ereilte (1689). Bei der Abfassung seines Reisewerkes 
I mufste er sich der Feder anderer bedienen, da seine 
I litterarische Bildung äufserst mangelhaft war. Die 
ersten beiden Teile desselben, betitelt: Les six Voyages 
de Jean-Baptiste Tavernier, Ecuyer baron d’Aubonne, 
qu’il a faits en Turquie, en Perse et aux Indes pen- 
dant l’espace de quarante ans etc. stammen aus der 
Feder des Litteraten Chappuzeau. Der 3. Teil 
(Nouvelle Relation de l’interieur du sGrail du 
Grand Seigneur, Histoire du Japon, Memoire sur la 
conduite des Hollandais dans les Indes) ist von Ia 
| Chapelle, dem Sekretär des Präsidenten Lamoignon 
geschrieben H5 ). 

Tavernier ist also älter als Chardin. Die ersten 
fünf seiner Reisen fallen vor die erste Chardins. Die 
sechste ist mit letzterer ungefähr gleichzeitig. Taverniers 
Berichte über Persien sind weit weniger reichhaltig, 
mannigfaltig, unmittelbar und gründlich als die Chardins. 
Letztrer ist viel tiefer in das persische Wesen ein¬ 
gedrungen. Beide Männer waren mit einander per¬ 
sönlich bekannt und sind auch im Jahre 1667 einmal 
in Persien zusammengetroffen. (Vgl. Tavernier I, 
p. 775). Ein freundschaftliches Verhältnis scheint 
jedoch nicht zwischen ihnen bestanden zu haben. 
Tavernier hat einmal mit Unrecht absprechend über 
eine Angabe Chardins in dem ersten Werke desselben 
geurteilt (Vgl. Chardin 9, p. 85 und 86.) Chardin 
polemisiert mehrere Male heftig gegen Tavernier. Er 
wirft ihm Leichtgläubigkeit, Oberflächlichkeit und 
mangelhafte Kenntnis der persischen Sprache vor. 


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24 


Eine Vergleichung der L. p. mit den Werken 
der beiden Reisenden ergiebt nun, dafs Chardin, 
der von den zweien das meiste und beste bot, von 
Montesquieu fast ausschliefslich benutzt worden ist. 
Wir teilen in dem folgenden die Stellen mit, an 
denen eine Benutzung stattgefunden zu haben scheint. 

M. 1, p. 54: Rica et moi sommes peut-etre 
les premiers, parmi les Persans, que l’envie de savoir 
ait fait sortir de leur patrie. Ch. 4, p 115 und 
116: Les Persans n’aiment ni la Promenade ni les 
Voyages . . . Pour ce qui est des Voyages, ceux de 
simple Curiosite sont encore plus inconcevables aux 
Persans que les Promenades 

M. 2, p. 57: Souviens-toi toujours du nöant 
d’oh je t’ai fait sortir. Ch. 6, 247: Ils (les Eunuques) 
sont tous nez de gens de n£ant. 

M. 6, 63: J’ai senti une douleur secrete, quand 
j’ai perdu la Perse de vue, et que je me suis trouvä 
au milieu des perfides Osmanlins A mesure que 
j’entrais dans le pays de ces profanes, il me semblait 
que je devenais profane moi-möme. Ch. 9, 267: 
Aussi n’y a-t-il point de haine egale ä celle que les 
Sectes des Sunnis et des Chia s’entreportent. Ils se 
traittent reciproquement de Chiens, d’Infideles, pire 
que les Juifs et les Idolatres, und p. 279: Les Chiens 
de l’Europe valent mieux que les Docteurs des Turcs. 

M. 7, 65 (Anmerkung): I^es femmes persanes 
sont beaucoup plus etroitement gardees que les femmes 
turques et les femmes indiennes. Ch. 6, 219: Les 
femmes sont plus ötroitement gardees en Perse qu’en 
aucun endroit de la terre. On peut dire que les 
Serrails des Turcs . . . sont des lieux publics en com- 
paraison .... Dans la plüpart des Pais voisins, il 
paroit manifestement que l’amour se fait moins sentir; 
comme par exemple, les Pa'is de Turquie et des indes. 

M. 7, 66 wird Ispahan „la capitale des nations“ 
genannt. Damit ist zu vergleichen Ch 8, 3: Les 
Persans disent, pour exalter sa grandeur: Sefahon 
nispe gehon, c’est-ä-dire Ispalmn est la moitie du 
monde. 

M. 9, 71: On äteignit en moi l’effet des passions 
sans en eteindre la cause et bien loin d’en etre sou- 
lage, je me trouvai environne d’objcts qui les irritaient 
sans cesse Ch. 6, 247: Quelques gens assurent qu’il 
v a des Eunuques qui rossen teilt la passion de l’amour 
et qui recherchent le commerce des femmes. 

M. 9, 73: Ces femmes vindicatives ont des revers 
terribles. Il y a, entre nous, comme un flux et refiux 
d’empire et de soumission, eiles font toujours tomber 
sur moi les emplois les plus humiliants; eiles affectent 
un mepris qui n’a point d’exemple. Ch. 6, 248: On 
assure gäneralcment en Orient que les femmes haissent 
les Eunuques ä la mort, comme des argus qui veillent 
sur toutes leurs actions. 

M. 15, 90: Tu vas parcourir les pays habitäs 
par les chretiens qui n’ont jamais cru. 11 <$t im- 


possible que tu n’y contractes bien des souillures 
Ch. 7, 106: Car les plus scrupuleux d’entre les Per¬ 
sans croyent qu’on devient souillä en touchant seule- 
ment un homme de contraire Religion ou en touchant 
ce qu’il a touchä; ce qui est une opinion que nuls 
autres Mahometans ne tiennent. 

M. 16, 91: Ton esprit est plus pergant que 
Zufagar, cette äpee d’Hali, qui avait deux pointes. 
Dieses Schwert erwähnt Ch. 8, 61: On reconnoit ce 
Heros des Mahometans (nämlich Aly, successeur de 
Mahamed) ä son sabre ä deux pointes; 8, 134: La 
Mosquäe de Zoulfogar, qui est le nom du Sabre d’Aly, 
und 8, 142: La ruö de Zulfogar qui est le nom du 
Sabre d’Aly. 

M. 16, 91. Die drei Gräber, deren Wächter 
Mehemet Ali ist, sind, wie wir aus Ch. 3, 77 
ersehen, das Fathmes und die des Abas und des 
Sefy, zweier alter Könige. 

M. 18, 95 (Anmerkung): Ce mot (immaums) 
est plus en usage chez les Turcs que chez les 
Persans. Die Erklärung dafür finden wir bei 
Ch. 7, 84: Imam est le nom des Successeurs de 
ce faux Prophete (Mahamed) par la branche d’Aly, 
que les Persans croyent avoir eu seuls le juste et 
legitime droit de lui succeder, und Ch 7, 102: 
Les Turcs qui ... ne croyent pas que ce Titre 
d’lmam veuille dire autre chose que Guide et Patron 
appellent Imams les Pretres ou Docteurs de leur 
Loi, qui font la priere publique dans les Mosquecs. 
et qui sont comme leurs Curez; mais les Persans 
n’ont garde d’avilir ainsi ce grand titre d’lmam, 
croyant qu’il ne convient qu’aux Successeurs du 
Prophete seulement. 

M. 20, p 100. J’apprends qu’on vous a 
trouväe seule avec Nadir, eunuque blanc, qui payera 
de sa tete son infidelite et sa perfidie. Com ment 
vous etes-vous oubliee jusqu’ä ne pas sentir qu’il 
ne vous est pas permis de recevoir dans votre 
chambre un eunuque blanc, tandis que vous en avez 
de noirs destines a vous servir? Über die weilsen 
Eunuchen lesen wir bei Ch. 6, 231: La garde du 
Serrail est composee de trois corps differens. Celui 
des Eunuques blaues est le premier: ils gardent le 
dehors sans approcher des femmes, ni aller assez 
avant dans le Haram pour en etre vüs. On est 
jaloux d’eux malgrä leur impuissance, et cette 
jalousic est fondee sur cette raison entre les autres 
que les dames du Serrail pourroient juger par le 
teint de ces Eunuques qu’il y a des hommes plus 
beaux que celui ä qui elles appartiennent, et sur cela 
n’avoir pas taut d’amour pour lui, und p. 246: Le 
Roi seul en peut avoir de blaues et les personnes ä qui 
il en donne, comme les Princesses de son sang etc. 

M. 23, 107 (Anmerkung): Les Persanes en 
ont quatre (nämlich voiles.) Ch. 4, 154: Les femmes 
portent quatre voiles en tout. 


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M. 24, 112: Puisque les ferames sollt d’une 
creation inferieure ä la notre, et que nos proph&tes 
nous disent qu’elles n’entreront point dans le 
paradis, pourquoi faut-il qu’elles se melent de lire 
un livre qui n’est fait que pour apprendre le chemin 
du paradis? Ch. 7, 59: On dit communement que 
les Mahometans excluent les Femmes du Paradis. 

II est vrai qu’ils les en excluent, mais c’est seulement 
en ce sens, qu’elles ne doivent pas etre en niöme 
lieu avec les hommes, pour qui il y a des Femmes 
Celestes, plus belles que les Femmes de ce Monde 
ne seront dans la Resurrection; et qu’a l’egaid des 
Femmes ressuscitees, qui seront rendues Bien- 
heurcuses, eiles passeront, disent-ils, dans un lieu 
de Delices et y jou'iront comme les Bien-heureux 
en leur lieu, de toutes sortes de voluptez. Diese 
Stelle erinnert lebhaft an das Märchen von Anaüs 
(Brief 141). Vielleicht ist Montesquieu durch sie 
veranlafst worden, dasselbe zu dichten. 

M. 29, 127 (Anmerkung): Les Persans sont 
les plus tol£rants de tous les mahometans. Ch 4, 101: 
Ce qu’il y a de plus louable dans les moeurs des 
Persans, c’est . . . leur tolerance pour les Religions 
qu’ils croyent fausses, et qu’ils tiennent nieme pour 
abomi nables 

M. 31, 130. Mais cette ville profane (Venise) 
manque du trösor le plus precieux qui soit au 
monde, c’est-ä-dire d’eau vive; ii est impossible 
d’y accomplir une seule ablution lügale und 75, 252 
(Anmerkung): Les mahometans ne se soucient point 
de prendre Venise, parce qu’ils n’y trouveraient 
point d’eau pour leurs purifications. Von diesem | 
Gebrauche der Perser spricht Ch. wiederholt z. B | 
7, 111: La Purification se fait dans une eau courante, 
antant qu’il se peut, ou dans un reservoir, ou avec | 
un pot d’eau nette . . . Comme il y a des lieux oü, * 
faute d’eau courante, on est oblige de se puritier ä I 
des reservoirs d’eau croupie, il arrive souvent qu’au | 
lieu d’avoir le visaee plus net aprüs s’etre lave ä j 
ces eaux mortes, on en est plus sale au contraire. 

M. 33 p. 133 Si quelque chose a fletri la j 

vie et la rüputation de nos monarques, $’a ete leur 
intemperance; c’est la source la plus empoisonnee j 
de leurs injustices et de leurs cruautüs. Ch. 6, 18: 
Excös (l’ivresse) dans lequel ces derniers Rois de 
Perse tombent fort früquemment depuis un siede. 
Rien ne met ä couvert des extravagances de leur j 
caprice, ni probit4, ni merite, ni zele, ni Services ; 
rendus, un mouvement de leur fantaisie, marque | 

par un mot de la bouche, ou par un signe des yeux, 
renverse ä l’instant les gens les mieux etablis et 
les plus dignes de l’ötre, les prive des biens et de 
la vie; et tout cela, sans aucune forme de proces etc. 

M. 33, 134: Mais les Asiatiques, plus senses j 

qu’eux (les Europeens) et meilleurs physiciens en ; 

cela, prennent des breuvages capables de rendre , 


Hiomme gai, et de charmer le Souvenir de ses peines. 
Ein solches Getränk erwähnt Ch. 8, 144: Coquenar, 
qui est une decoction de Pavot, que le Peuple et 
surtout les gens qui sont sur le retour, viennent 
boire pour se mettre en belle humeur, et quelquefois 
en d’agreables reveries, comme des gens endormis. 
Von den Wirkungen dieses Getränkes spricht Ch. 
noch an anderen Stellen, z B. 4, 203: Les Persans 
trouvent que cette drogue produit dans le cerveau 
des visions agröables, et une maniere d’enchantement. 
Ceux qui en ont pris, commencent ä en sentir l’efet 
au bout d’une heure. Ils deviennent gais; aprüs ils 
pasment de rire, et ils font et disent en suite mille 
extravagances, comme des bouffons, et des plaisans, 
et cela arrive particulierement ä ceux qui ont l’esprit 
tournü ä la plaisanterie. 

M. 34, 136 ist die Rede von der Erziehung 
der persischen Jugend durch Eunuchen: Que peut-on 
attendre de l’education qu’on re^oit d’un miserable, 
qui fait consister son honneur ä garder les femmes 
d’un autre? Ch. hat darüber die entgegengesetzte 
Ansicht. Er sagt 4, 107: Les Enfans de bonne 
Maison . . . sont trüs-bien 61evez. On donne 
ordinairement le soin de leur 6ducation ä des 
Eunuques qui leur servent de Gouverneurs, et qui 
les gardent a vüe, les tenant sous une severe 
discipline, et ne les menans dehors que pour visiter 
leurs parents, ou pour voir les exercices et les 
fetes etc. und 6, 245: Les Eunuques apprenmnt 
aux Enfans ä lire, ä ücrire, les principes de leur 
Religion, et les Elemens des Sciences ... ils leur 
servent de Gouverneur, les accompagnant par tout 
sans les perdre de vüe. 

M. 35, 138: Le grand Hali qui etait le plus 
beau de tous les hommes. Diese Bezeichnung fand 
M. bei Ch. 3, 62: Les Persans disent qu’Aly ütait 
le plus bei homme qui füt jamais et que sa beautü 
etoit inconcevable 86 ). 

M. 35, 138: Crois-tu qu’au jour du jugement 
ils (les chr6tiens) seront, comme les infidMes Turcs, 
qui serviront d’änes aux Juifs et les müneront au 
grand trot en enfer? Ch. 9, 268: Les Turcs rendent 
la pareille aux Persans en haine et en execrations 
. . . disant qu’ils sont plus ennemis de la vraie 

Religion que les Juifs. Ils enseigneut que les Juifs 
vont en Enfer, montez sur des Persans. Usbek sagt 
also von den Türken dasselbe, was diese den 
Persern vorwerfen. 

M. 47, 167: Nous montämes sur nos chameaux, 
et nous nous mimes quatre dans chaque löge. Comme 
la partie avait etü faite brusquement, nous n’eümes 
pas le temps d’envoyer ä la ronde annoncer le 
courouc. . . . Un curieux, qui s’approcha trop prüs 
du lieu oü nous etions enfermees, re$ut un coup 
mortel, qui lui öta pour jamais la lumiüre du jour; 
un autre, qu’on trouva se baignant tout nu sur le 


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rivage, eut le meine sort; et tes fidöles eunuques 
sacrifiörent a ton honneur et au nötre ces deux 
infortunäs. Über die Art, wie die Damen in Persien 
reisen, spricht Ch. 6, 238: Lors que les Femmes 
de qualitä sortcnt du logis et vont. ä la ville, ce 
qui n’arrive guäre que de nuit, un nombre de 
Cavaliers marchent cent pas devant, et un autre 
nombre cent pas derriere criant courouc, courouc, 
mot Turquesque qui signifie däfense, abstinence, 
et qui dans cet usage veut dire que le monde se 
retire et que personne n’approche. Cette voix fait 
peur en Perse, et Ton ne se le fait pas dire deux 
fois: Chacun fuit comrae si un Lion etoit dechaine. 
Des Eunuques, aussi a clievai, avec de longs bätons 
a la main, marchent entre ces Cavaliers et les 
Femmes, pour donner sur ceux qui ne se sont pas 
retirez, ce qu’ils font avec plus ou moins de fureur, 
suivant la qualite de la Dame qu’ils conduisent . . . 
Le courouc qui se fait pour les Femmes du Serrail 
du Roi est tout-ä-fait terrible; car il y va de la vie 
ä tout homme de se trouver sur leur chemin etc. 
Ferner Ch. 8, 171: On mäne d’ordinaire les Femmes 
du Serrail dans des manieres de Cunes ou de 
berceaux qu’on appelle cajave, qui est une machine 
large de deux pieds, et profonde de trois, avec une 
haute imperiale en arc, couverte de drap. Un 
Chameau porte deux de ces grands berceaux, un de 
chäque cötä. Auch Tavernier berichtet von diesem 
Gebrauche 1, 598: Quand le Roy s’avise de mener 
ses femmes en Campagne, cela s’apelle Courouk, et 
il n’y a rien de plus facheux ni de plus incommode 
pour ceux qui se trouvent au voisinage des lieux 
par oü les femmes doivent passer. Car alors sur 
l’avis qu’on en donne, il faut que tous les hommes 
sortent des villages qui sont ä une lieue ou deux 
de cöte et d’autre du chemin, et il n’y a que les 
femmes qui puissent y demeurer. Quand le Courouk 
se fait ä Ispahan, il faut aussi que chacun abandone 
sa maison quelque mauvais temps qu’il fasse, et s’il 
n’a point d’amis dans un quartier eloigne chez qu’il 
se puisse retirer, le plus seur pour luy est de fuir 
vers les montagnes. 

M. 51, 182 wird der König von Persien genannt: 
Le lieutenant des prophötes, le roi des rois, qui a le 
ciel pour marchepied. Eine Erklärung dazu finden 
wir bei Ch. 3. 10: Calife signifie proprement Successeur. 
Les premiers Successeurs de Mahammed n’avoient 
point d’autre Titre, et parce que les peuples qui ont 
suivi sa Loi ont toüjours crü, que Dieu l’avoit etabli 
Roi et Prophete Universel, l’avoit cree son Yicaire 
et son Lieutenant, et lui avoit donnd le droit de 
gouverner tout le monde au Spirituel et au Temporel, 
ses Successeurs se sont entötez de ces Titres fastueux; 
et ont fait croire, qu’ils leur appartenoient par Droit 
de Succession. Und dieselben Ausdrücke finden 
sich Ch. 3, 192, wo es mit Bezug auf den König 


heifst: Träs-Noble Lieutenant des Prophetcs, ui; 
Ch 3, 212: ä qui le Ciel sert de marche-pied. 

M. 62, 213: Ta fille ayant atteint sa septiem 
annee, j’ai cru qu’il ätait temps de la faire passt 
dans les appartements interieurs du serail, et de u 
point attendre qu’elle ait dix ans pour la confier au 
eunuques noirs. Diese Sitte erwähnt Chardin 2, 27] 
On ne tient les filles enfermäes, meme celles dt; 
Grands Seigneurs, qu’aprös qu’elles ont passe sej 
ou huit ans Elles paroissent dans le logis jusqu 
cet äge: c’est afin qu’elles se fassent ä la vüe d 
monde et afin que le monde les observe. 

Die Betrachtungen Montesquieus über die All 
wissenheit Gottes und seine Einwirkungen auf di 
I Entschliefsungen des Menschen, sind anscheinen 
I durch das, was Chardin über die Prädestinationslehr 
der Mohamedaner mitteilt, angeregt worden. E 
heifst M. 69, 240 f.: Ainsi, il n’y a point de suje 
de s’ötonner que quelques-uns de nos docteur 
aient osä nier la prescience infinie de Dieu, sur c 
fondement, qu’elle est incompatible avec sa justict 
Quelque hardie que soit cette idäe, la mtftaphysiqu 
s’y präte merveilleusement. Selon ses principes, i 
n’est pas possible que Dieu prevoie les choses qu 
däpendent de la dätermination des causes libres 
parce que ce qui n’est point arrivö n’est point ei 
par consöquent, ne peut ötre connu; car le rien, qu 
n’a point de propriötös, ne peut ötre aper<ju: Diei 
i ne peut point lire dans une volontö qui n’est point 
et voir dans l’äme une chose qui n’existe poin 
en eile .... L’äme est l’ouvriöre de sa deter 
mination: mais il y a des occasions oü eile e> 
tellement indeterminöe, qu’elle ne sait pas memi 
| de quel cötö se däterminer. Souvent meme eile m 
j le fait que pour faire usage de sa libertü; de manierc 
j que Dieu ne peut voir cette determiuation par avance 
ni dans l’action de l’äme, ni dans l’action que le: 
objets font sur eile. Comment Dieu pourrait*i 
prevoir les choses qui däpendent de la determinatioi 
des causes libre s? 11 ne pourrait les voir que dt 
deux mani&res: par conjecture, ce qui est contra- 

dictoire avec la prescience infinie: ou bien il les 

; verrait comme des effets necessaires qui suivraienl 
' infailliblement d’une cause qui les produirait de meine. 

I ce qui est encore plus contradictoire: car l’äme serait 
libre par la supposition; et dans le fait, eile ne le 
serait pas plus qu’une boule de billard n’est libre de 
se remuer lorsqu’elle est poussee par une autre. Ne 
i crois pourtant pas que je veuille borner la Science 
de Dieu. Comme il fait agir les creatures ä sa 
i fantaisie, il connait tout ce qu’il veut connaitre 

: Mais quoiqu’il puisse voir tout, il ne se sert pas 

| toujours de cette faculte: il laisse ordinairement ä la 
creature la faculte d’agir ou de ne pas agir. pour lui 
laisser celle de meriter ou de dementer. C’est pour 
lors qu’il renonce au droit qu’il a d’agir sur eile et 


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de la determiner. Mais, quand il veut savoir quelque 
chose, il la sait toujours, parce qu’il n’a qu’ä vouioir 
quelle airive comnic il la voit etc. Ch. 7, 31 f: 
Les Persans enseignent . . . que la Volonte de Dieu 
et son Decret Eternel, tiennent les liommes dans un 
milieu entre ces deux extremes, le Franc Arbitre 
tout a fait indifferent, et saus aucune inclination, 
et la Predestination absolue, en Sorte que le Decret 
Divin, ni ne laisse l’homme ä lui raeme absolument, 
n i ne le force avec violence. Voici com me ils s’ex- 
pliquent sur ce point si difficile- Dieu, disent-ils, 
veut quelque chose en nous, et il veut quelque chose 
de nous: ce quil veut en nous, il nous la cache, on 
ne le peut savoir; ce qu’il veut de nous, il nous l'a 
rcvelc, on le doit apprendre. A quoi bon donc nous 
oocuper de la recherche des dieses cachees qu’il ne 
nous est pas possible de savoir? 11 faut sattacher 
entierement a ce que Dieu nous a revele, et quil 
veut que nous sachions . . . 11s tiennent le meine 

milieu sur le Franc arbitre que sur le Decret Eternel, 
rejettant egalemeiit ceux qui font de lliommc une 
souche de bois, qui ne se remue que pur rimpulsion 
du Decret, et ceux qui en font un Agent si libre, 
qu’il ne soit point incline ni polte ä rien. Dieu, 
disent-ils, ne force point riiomme, mnis il Pinspirc 
et le dispose: de «orte que si Thomme fait quelque 
chose de bien c’est par cette seule disyosition qui a 
mit la volonte laquelle est niorte dolle-meme a l’cgard 
du bien; et qu'ainsi il ne lui en < st du aucune 
loüange. 11 faut observer aussi qu’ils rejettent l’opinion 
de la Provision des oeuvres voulant que ce qui airive 
ä rhonune, airive en vertu du Decret Eternel, et 
que ce nVst point que Dieu prevoye simplemcnt ce 
que niomine fera et consequemment ce qui lui on 
arrivera On voit lii-dessus qu’ils croyent nettement 
la Predestination, mais que ce n’est pas si grossierement, 
ni si brutalemcnt. que font les Tuns P. 35: Si 
r>ieu se peut dire l’Auteur du bien et du mal, c’est 
en ce sens, qu’il narrive ni bien ni mal que ce ne 
^oit veritablemeut par la volonte de Dieu; mais que 
c’est par une volonte de permission. et non par une 
volonte de desir. 

Die wesentlichen Gedanken der beiden Darstel¬ 
lungen sind aDo kurz folgende. Montesquieu sagt: 
Gotte* unbegrenzte Allwissenheit ist sowohl mit seiner 
Gerechtigkeit als mit der Annahme der menschlichen 
Willensfreiheit unvereinbar. Er kann nicht Dinge 
vorhersehen. die von der Entschließung vollständig 
freier Ersuchen ubhängen. kann nicht in einem Willen 
lesen, der nicht ist Wenn er das könnte, so würde 
man zu Folgerungen kommen, die mit der Allwissen¬ 
heit Gottes seihst in Widerspruch stehen. Trotzdem 
braucht man die Allwissenheit Gottes nicht zu be¬ 
schränken. Gott kann alles thun und wissen, was 
er thun und wissen will. Aber er bedient sieh nicht 
immer dieser Eigenschaft und hat auf das Recht ver¬ 


zichtet, die Seele zu bestimmen h7 ). Die Perser 
sagen: Der Ratschlufs Gottes hält den Menschen in 
der Mitte zwischen der vollständigen Willensfreiheit 
und der absoluten Voiherhestimmung, so dafs Gott 
den Menschen weder sich ganz selbst Überlassen hat, 
noch ihn mit Gewalt zwingt Er macht ihn aber 
zum Handeln geeignet. Was der Mensch thut, thut 
er mit dem Willen Gottes, aber es ist von Gott mehr 
ein Erlauben als ein Wünschen. Beiden Darstel¬ 
lungen ist also der Gedanke gemeinsam, dafs die 
menschliche Willensfreiheit vorhanden ist, aber nur 
durch ein Erlauben von seiten Gottes. 

M. 85, 279: Les persecutions que nos mahome- 
tans zeles ont faites aux guebres, les ont obliges de 
passer en foule dans les Indes, et ont prive la Ferse 
de cette nation si appliqu^e au labourage, et qui 
seule, par son travail, etait en etat de vaincre la 
steiilite de nos terres. Ch. 9, 133: Lorsque les 
Arabes envahirent la Persc . . . ceux (des Guebres) 
qui ne voulurent pas vivre sous leur oppression furent 
obligcz de se retirer vors les Parties desertes de leur 
Empire, qui sont vcjs les bords du Fleuve Indus . . 

Mais depuis, comme ils y furent attaquez, il pass£rent 
au de-lä de ce Fleuve chez les Indiens Weiterhin 
wird dann berichtet, dafs die gegenwärtige Trocken¬ 
heit und Unfruchtl arkeit Persiens daher käme, dafs 
man diese alten Einwohner des Landes, welche fleifsig 
und kiäftig und besonders geschickte Ackerbauer 
gewesen seien, vertrieben habe. 

M. 107, 341: On se plaint, en Perse, de ce que 
le royaume est gouverne par deux on trois femmes. 
Ch. 0, 2(5: Ce qui fait le plus de peine aux Ministrcs 
de Perse, c’est le Serrail, qui est le Palais des femmes, 
oü il se tient une maniere de Conseil privä. qui 
leinporte d’onlinaire par dessus tout, et qui donne 
la loi ä tout. 

M. 1 14, 359: Il est tres-ordinaire parmi nous 
(les Persans) de voir un homme dans un serail pro- 
digicux avec un tres-petit nombre denfants. Cb. 6, 
235: On obs« rve generaleinent, taut en Perse, que 
dans tout l’Orient, que la multiplieite des femmes ne 
peuple pas le moinle davantage, et meine dordinaire 
les familles sont rnoins nombreuses en Perse, qu’en 
France. 

M. 119, 372: Des ancicns rois de Ferse n’avai- 
ent taut de milliers de snjets, (ju’ä cause de ce dogme 
de la religion des mages, tie les actes les plus 
agreables ä Dieu que les homines puissent faire, 
c etait de faire un enfnnt, labourer un champ et 
plantet* un arbre. Ch 9, 136: Deui> Pivtres (les 
Pr. des Guebres) leur enseignant que la plus vertu- 
eusc action c’est d'engondrer des Enfans, et apres de 
cultiver une terrc qui seroit en fliehe, de plantet* 
un arbre, soit fruitier, soit autre 

M 121, 377: De grand Cha-Abas voulant öter 
aux Tu res le moyon d’entretenir de grosses armees 

4 * 


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sur les frontieres, transporta presque tous les Arme¬ 
niens hors de leur pays, et en envoya plus de vingt 
mille familles dans la province de Guilan, qui p6ri- 
rent presque toutes en tres-peu de temps Ch. 4, 
15 und 16: Mais ce Prince (Abas le Grand), grand 
Conquerant, et grand Politique, y transporta (nämlich 
nach Guilan, dem reichsten Teil Mazenderans) un pro- 
digieux peuple de l’Armenie et de la Georgie . . . . 
pour d6peupler ces pals, oü les Turcs revenoient 
tous les ans se camper, pour lui faire la guerre . . . 
II y transporta trente mille familles de Chretiens, 
s’imaginant qu’ils multiplieroient parfaitement bien . . . 
Mais la malignite de l’air fut si oppos6e ä ses soins, 
et ä ses projets, que lors que j’6tois en Mazenderan 
avec la Cour, il y a quelque quarante ans, le nombre 
des Chr6tiens 6toit reduit ä quatre eens familles, de 
trente mille qu’il etoit auparavant, ä ce qu’on m’assu- 
roit. Von demselben Ereignis erzählt Tavernier 1, 
p 414, und zwar spricht er wie M. von 20000 nach 
Mazenderan versetzten armenischen Familien. 

M. 135, 420: Et ce sont ceux (les livres d’astro- 
logie judiciaire) dont nous faisons le plus de cas en 
Perse. Ils r^glent toutes les actions de notre vie, 
et nous döterminent dans toutes nos entreprises; les 
astrologues sont proprement nos directeurs; ils font 
plus, ils entrent dans le gouvernement de l’fitat. 
Ch. 5, 76: Ces Sciences (l’astronomie et l’astrologie) 
sont les plus reveräes et les plus cultivees par les 
Persans . . . . la raison qu’ils ont de rechercher et 
de cultiver particulierement ces Sciences, c.’est qu’ils 
regardent 1’Astrologie com me la clef du futur. P. 79: 
II y a toüjours des Astrologues au Palais Royal, 
attendant les ordres, et toüjours un des premiers 
Astrologues auprös de la personne du Roi ... On 
consulte les Astrologues sur toutes les choses impor¬ 
tantes, et quelquefois le Roi les consulte sur les 
moindres choses 

M. 143, 452: Je porte toujours sur moi plus 
de deux mille passages du saint Alcoran: j’attache 
ä mes bras un petit paquet, oü sont ecrits les noms 
de plus de deux Cents dervis: ceux d’Hali, de Fatme, 
et de tous les purs, sont cachös en plus de vingt 
endroits de mes habits. Ch. 5, 145: Les Persans 
sont encore plus possedez de la manie des Talismans, 
et des Amulettes contre les sorts ou enchantemens.... 
Je n’ai pas vü d’homme en Perse qui ne portät sur 
lui des Amulettes, et il y en a qui en sont tout 
chargez; ils les portent aux bras et pendus au 
col . . . ils en attachent par tout et pour toute 

sorte de sujets. Ces Amulettes sont des inscriptions sur 
du papier ou du parchemin, ou sur des pierres . . et 
ils portent ces papiers pliez et enfermez dans de 
petits sacs, grands comme le bout du pouce Ces 
inscriptions sont ou des passages de l’Alcoran, ou 
des sentences de Saints, ou Prophetes, ou des rebus 
de la Cabale. 


Der bekannte Montesquieusehe Gedanke, dafs 
die Sitten und Gesetze der Menschen durch das 
Klima ihres Landes beeinflufst werden, findet sich, 
wie schon Voltaire bemerkt hat 88 ), wiederholt bei 
Chardin, z. B. 4, 116: Le climat de chaque peuple 
est toujours, ä ce que je croi, la cause principale 
des inclinations et des coütumes des hommes, qui 
ne sont pas plus diverses entr’elles, que la Constitu¬ 
tion de l’air est differente d’un lieu ä l’autre, und 
5, 252: Car j’ai toüjours recours au climat en cherchant 
la raison des habitudes, et des maniäres des hommes, 
et meme de leur genie; parce que j’y trouve plus de 
solidite qu’en toutes les autres causes qu’on en allegue. 
In den L. p. wird dieser Gedanke allerdings noch 
nicht mit der Bestimmtheit ausgesprochen wie in den 
späteren Werken Montesquieus, er wird aber schon 
angedeutet in Brief 121, wo von dem Einflüsse des 
Klimas auf das Gedeihen des Menschen die Rede ist 

Schliefslich müssen wir noch auf einen Irrtum 
aufmerksam machen, der Montesquieu bei der Be¬ 
nutzung Chardins untergelaufen ist. Im 1. Briefe 
läfst er nämlich Usbek erzählen, dafs dieser in Com 
am Grabe der Jungfrau, welche der Welt 12 Propheten 
geboren habe, seine Andacht verrichtet hat Montes¬ 
quieu nimmt an, dafs diese Jungfrau Fathme (oder 
Fatime), die Tochter Mohameds und Gemahlin Alis, 
der nach dem Glauben der Perser der erste recht- 
mäfsige Kalif war, gewesen sei. Allein Chardin sagt 
ausdrücklich 3, 51, dafs diejenige Fathme, deren 
Grabmal in Com verehrt wird, die Tochter Mouza- 
Cazems, eines der rechtmäfsigen 12 Kalifen und zwar 
des 7. in der Reihe, gewesen sei. Auch das, was 
Chardin weiter über dieses Heiligtum sagt, kann 
nicht auf die Tochter Mohameds gehen Laboulaye 
begeht in seiner Anmerkung zu dieser Stelle den¬ 
selben Irrtum. Die letzten beiden Sätze derselben 
finden sich auch bei Chardin, beziehen sich bei diesem 
aber nicht auf dieselbe Fathme. Die Worte: Vierge 
trüs-pure, tres-juste et immaculee, mere des douze 
vrais vicaires de Dieu, d’illustre naissance sind dem 
von Ch. 3, 53 mitgeteilten mohamedanischen Gebete 
entnommen: ö vierge tres-pure, trüs-juste et im¬ 
maculee, glorieuse Fathme, fille de Mahammed 
l’Elu, femme d’Ali le bien-aimü, mere des douze 
vrais Vicaires de Dieu d’illustre naissance. Die 
folgenden Worte der Anmerkung: Le peuple croit 
que Dieu enleva Fatime au ciel, que son tombeau 
n’enferme rien et n’est qu'un monument 61eve par la 
piete des fideles stehen bei Ch. 3, 57: Le peuple 
croit que Dieu Penleva (Fathme fille de Mouza-Cazem) 
au Ciel et que son tombeau ne renferme rien, et 
n’est qu’une. representation. 

Die angeführten Paralle:stellen zeigen uns, dafs 
das Werk Chardins die Ilauptquelle der persisch« n 
Kenntnisse Montesquieus gewesen ist. An mehreren 
Stellen ist noch der gleiche Gedankengang, an einigen 


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sogar wörtlicher Anklang wahrnehmbar. Die Benut¬ 
zung erfolgte offenbar in der Weise, dafs Montesquieu 
aus seinem Gedächtnis schöpfte, die verschiedenen 
Dinge so berichtete, wie sie darin haften geblieben 
waren, und verschmähte nachzusehen, ob die Über¬ 
einstimmung mit Chardin peinlich genau war. 
Tavernier scheint wenig oder gar nicht benutzt worden 
zu sein. Die meisten der in den genannten Stellen 
behandelten persischen Materien werden übrigens in 
der gegen Chardin dürftigen Reisebeschreibung 
Taverniers überhaupt nicht erwälint. 

Wenn Chardins Werk als die Hauptquelle 
Montesquieus zu betrachten ist, so liegt die Ver¬ 
mutung nahe, dafs Montesquieu auch die ausführlichen 
Mitteilungen, welche Chardin von dem Kalender der 
Perser giebt, genau gelesen und für die Datierung 
seiner Briefe verwendet hat Tavernier sagt über 
die Zeitrechnung der Perser sehr wenig. Er beschränkt 
sich darauf, die persischen Monatsnamen kurz mit- 
zuteilen. Es entsteht die Frage: Wie verhält sich 
Montesquieus Datierung zu den Angaben Chardins? 
Zur Beantwortung dieser Frage ist es nötig, die 
Mitteilungen Chardins im Zusammenhänge wieder- 
zugeben, so weit als es für diesen Zweck erforderlich 
ist. Dieselben finden sich Ch. 2, 279 f. und 5, 116 f. 

ln alten Zeiten rechnete man in Persien nach 
Sonnenjahren. Das Neujahr fiel damals stets auf 
den Tag des Frühlingsäquinoktiunis und wurde festlich 
begangen. Nach der Eroberung des Landes durch 
die Mohamedaner verschwand allmählich das Sonnen¬ 
jahr mit seinen Festen und Monatsnamen, und 
es wurde die mohamedanische Zeitrechnung, welche 
auf dem Mondjahre fufst, eingeführt. Die mohame¬ 
danische Zeitrechnung beginnt mit dem Tage 
der Flucht Mohameds von Mekka nach Medina, 
nämlich am 15. oder 16. Juli 622 nach Ch. Dieser 
Zeitpunkt ist für die Mohamedaner deshalb wichtig, 
weil ihr Prophet von da an seine Lehren öffentlich 
verkündigt hat Das alte Neujahr wurde in Persien 
nicht mehr gefeiert, weil dies den Bekennern des 
neuen Glaubens als Götzendienst erschien. Das 
mohamedanische Neujahr, welches auf den 1. Tag 
des 1. mobamedunischen Monats Maharram fiel, konnte 
nicht gefeiert werden, weil die ersten zehn Tage 
dieses Monats dem Martyrium der Söhne Alis 
geweiht waren und daher als Trauertage galten. So 
blieb es bis zum Jahre 475 der HeJschra ln diesem 
Jahre kam der König Dschelaleldin auf den Thron und 
zwar gerade an dem Tage des Frühlingsäquinoktiums. 
Die Astronomen des Landes benutzten diese Gelegen¬ 
heit, um dem Könige vorzustcllen, dafs dieses Zu¬ 
sammentreffen für ihn ein Zeichen der Vorsehung 
sei, den Beginn des Jahres wieder durch ein Fest 
zu feiern und dieses, wie es schon in uralten 
Zeiten gewesen war, auf den Tag des Frühlings¬ 
äquinoktiums zu legen. Das mohamedanische Neujahr 


sei ja ohnedies nicht für ein Fest geeignet, weil es 
ein Trauertag sei. Der König, dem dieser Vorschlag 
gefiel, stellte das alte Neujahr wieder her. Es wird 
seitdem genannt Naurus Sultanie d. h. königliches 
Neujahr. Es ist nicht zu verwechseln mit dem 
wahren Neujahr, welches stets mit dem 1. Tage des 
Monats Maharram beginnt. 

Das persische Jahr, welches, wie schon gesagt, 
ein Mondjahr ist, hat 12 Monate von je 29 oder 
30 Tagen. Die Monate haben nicht abwechselnd 
29 oder 30 Tage. Zuweilen giebt es 2 hintereinander 
von 29 und 2 hintereinander von 30 Tagen S9 ). Das 
Mondjahr hat 354 Tage 8 Stunden 45 Minuten. 
Es ist gegen das Sonnenjahr etw r a um 11 Tage 
kürzer; sein Anfang tritt alljährlich 11 Tage früher 
ein. Daher kommt es, dafs das persische Jahrhundert 
ungefähr 3 Jahre 4 Monate kürzer ist als unseres, 
und dafs Feste, welche zu einer Zeit in den Sommer 
fallen, nach 15 oder 16 Jahren in den Winter und 
nach etwa 33 Jahren wieder in den Sommer fallen. 
Der Gebrauch, nach dem Monde zu rechnen, hat 
bewirkt, dafs die Orientalen nur einen Ausdruck 
haben, um Monat oder Mond zu sagen 90 ). Die 
Monate sind von Mohamed benannt und geordnet 
worden. Vor ihm waren sie sowohl bei den Arabern 
als bei den Persern anders geordnet und benannt 
Über die Monatsnamen und ihre Bedeutung spricht 
Ch. 5, 119 f. Es dürfte interessieren, wenn die 
Stelle hier vollständig wiedergegeben wird. 

Le premier mois s’appelle Maharram, c’est-ä- 
dire mois sacrä, parce que c’ätoit un des quatre 
mois que les Arabes appelloient mois de Treve et 
sacrez, durant lesquels toute hostilitö cessoit entre 
les ennemis: c’etoit afin qu’ils pussent vaquer ä 
l’agriculture et au soin de leur bötail sans danger et 
sans crainte, ä cause de quoi on appelloit encore 
ces mois sacrez d’un mot qui signifie les mois que 
les armes sont pendues au Croc. 

Le second mois s’appelle Safar et il est sur- 
nomm6 mois de bien et de victoire, parce que c’ötoit 
un mois de Guerre, ou pour mieux dire un mois 
de brigandage, ä cause que les guerres des Arabes 
ne sont proprement que des courses et des pillages 

Les quatre mois suivans s’appellent Re bi ah 
j premier et Rebiah second, Gemadi premier et 
: Gemady second. Rebiah veut dire radicalement 
j reverdir, parce que ce mois 6chut en automne quand 
I Mahomed le denomma ainsi. Or les Arabes n’appellent 
| pas Automne la partie de l’annöe qui suit l’Ete, ils 
I l’appellent le second printems: ainsi ils ont l’Ete, 
lliyver et deux printems, un qui suit 1’hyver, et un 
i qui suit l’Ete Gemadi vient de gemed qui signifie 
gcler: au reste la pratique de donner un möme nom 
i ä deux mois est ancienne en Orient: les Syriens s’en 
etoient servis avant les“ Arabes. 


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30 


Le septi6me mois est nommü Regeb mot qui 
signifie honneur et beautü et surnommö le venerable: 
c’est que c’etoit le mois de jeüne des Arabes Idolatres, 
et un des quatre mois de treve et sacrez, ä cause 
de quoi on l’appelloit aussi le mois de Dieu et le 
mois sourd, pour dire qu’on n’entendoit nul bruit de 
guerre pendant sa duree. 

Iie huitieme mois est nommß Chahban, ce qui 
veut dire disperser, diviser, et est surnomme le i 
louable, parce qu’il tomboit au tems que les Arabes | 
se separoient pour aller chercher les paturages. i 

Le neuviöme estappelle Rahmazan, c’est-ä-dire 
extremement chaud, parce qu’il tomboit au coeur de 
l’Et6, lors qu’on lui donna ce nom, et il porte 
l’epithete de benit ä cause que c’est le mois de Jeüne 
de tous les Mahometans du Monde. On l’appelle 
aussi le mois de jeüne et le mois de patience, parce 
que durant, ce Jeüne ils ont coutume de s’abstenir de 
l’usage du Mariage. 

Le dixieme se nomme Cheval: c’est-ä-dire ! 
sauter et bondir, parce que les Chameaux etoient j 
alors en chaleur: il est surnomme l’honorable 

Les deux derniers mois sont surnommez sacrez, ! 
par la raison que j’ai dit ci-dessus Le premier porte i 
le nom de Zilcade, c’est-ä-dire arrete, l’autre celui 
de Zilhage c’est-ä-dire convenir, parce que c’etoit le i 
mois auquel on s’assembloit pour aller en pelerinage. 1 

Bei Chardin erscheinen also die Namen der 
persischen Monate an dieser Stelle in folgenden 
Formen: Maharram, Safar, Rebiah, Gemadi 
(Gemady), Regeb, Chahban, Rahmazan, Cheval, 
Zilcade, Zilhage. Für Cheval finden sich auch j 
die Formen Chaval (7, 350) und Chauval (auf der 
Tafel zu 5, 107), für Zilcade auch Zill cadeh (auf j 
der Tafel zu 5, 107) und Zilcade (9, 246). Bei 
Montesquieu und zwar in der 1. Marteauausgabe J 
haben diese Namen folgende Form: Maharram, I 
Saphar, Rebiah (einmal Rhebiab), Gemmadi, i 
Regeb (meist allerdings Rhegeb), Chahban, I 
Rhamazan (einmal Rahmazan), Chalval, Zil¬ 
cade (zweimal Zilcade), Zilhage. j 

Vergleicht man die Namensformen bei Chardin und 
bei Montesquieu, so ergiebt sich, dafs sic bis auf zwei : 
vollständig tibereinstimmen oder nur unerhebliche I 
Abweichungen zeigen. Diese beiden Ausnahmen sind: 
Cheval (Ch.) und Chalval (M.), Rebiah (Ch.) und 
Rebiab (M.). Für Cheval schreibt Chardin, wie wir 
gesehen haben, auch Chauval. Daraus konnte das 
Montesquieusche Chalval lautlich leicht gebildet 
werden. Aber nirgends lesen wir bei Chardin die 
Form Rebiab, sondern stets Rebiah oder Rebia 
(z. B. 5, 125). In dem Drucke der Voyages vom 
Jahre 1711, der Montesquieu höchst wahrscheinlich 
vorlag, konnte nun auslautendes h und b leicht ver¬ 
wechselt. werden, da beide Zeichen sich nur wenig 


von einander unterscheiden. Ich vermute, dafs 
Montesquieu sich hier verlesen hat 

Wie oben bemerkt, giebt auch Tavernier die 
persischen Monatsnamen (I p. 710). Sie haben bei 
ihm folgende Formen: Mouharrem, Sepher, Rebia- 
el-auel, Akrer (soll wohl heifsen Rebia-el-akrer), 
Gemadil-auel, Gemadii-akrer, Regeb,Chaabon, 
Ramezan, Chaval, Zikade, Zil-hagge. 

Man sieht sofort, dafs die Namensforrnen 
Montesquieus mit denen Chardins weit mehr Über¬ 
einstimmung zeigen als mit denen Taverniers. 

Montesquieu fand also bei seinem Gewährsmanne, 
dafs das eigentliche persische Neujahr, nämlich der 
1. Maharram, beweglich ist. Er konnte weiter bei 
ihm lesen, dafs der 1. Maharram mit jedem Jahre 
um 11 Tage zurückweicht, dafs derselbe, wenn er 
z. B. in einem Jahre auf den 9. April fällt, im 
folgenden auf den 29. März fallen mufs. Von einer 
Übereinstimmung des persischen Kalenders mit dem 
christlichen konnte also keine Rede sein. Laboulaye 
und Vian scheinen allerdings zu glauben, dafs die 
persischen und christlichen Monate einfach zusammen¬ 
fallen. Ersterer sagt nämlich, dafs der Monat Saphar 
im Jahre 1711 mit unserem Februar zusammen¬ 
gefallen sei 91 ). Und letzterer glaubt, dafs der 
21. Januar 1711 zugleich der 21. Maharram und 
der 1. November 1720 zugleich der 1. Zeled gewesen 
sei 92 ) Sehen wir zu, welche Folgerungen sich aus 
dieser Annahme ergeben! 

In Brief 92 wird der am 1 . September 1715 
erfolgte Tod Ludwigs XIV. und die am 2. September 
desselben Jahres erfolgte Cassierung seines Testamentes 
durch den Regenten erwähnt. Dieser Brief ist datiert 
vorn 4. Regeb 1715. Das würde der 4. Juli sein, 
wenn der 1. Maharram und der 1. Januar auf den¬ 
selben Tag fallen. Montesquieu hätte also den Brief 
etwa zwei Monate früher datiert, als die darin 
erwähnten Ereignisse stattfanderu 

In Brief 126 wird auf die Verbannung des 
spanischen Gesandten Cellamare und die Verhaftunc 
des Duc du Maine angespielt. Diese Ereignisse haben 
sich in den ersten Tagen des Dezember 1718 zu¬ 
getragen. Der Brief ist datiert vom 3. Chalval 1718. 
Das wäre dann der 3. Oktober. Der Brief wäre also 
auch zwei Monate zu früh angesetzt worden. 

In Brief 140 wird die am 21. Juli 1720 erfolgte 
Verbannung de? Pariser Parlaments nach Pontoise 
erwähnt. Datiert ist der Brief vom 21. Gemmadi I 
1720. Das wäre also der 21. Mai. Die Datierung 
wäre also ebenfalls 2 Monate zu früh angesetzt 

Der Schlufs von Brief 142 enthält eine An¬ 
spielung auf ein Edikt Laws vom 15. September 
1720. Der Brief ist vom 9. Chahban 1720. Das 
w'äre der 9. August. Der Brief wäre also etw r a fünf 
Wochen vor ein darin genanntes Ereignis gesetzt. 


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31 


Es ist undenkbar, dafs Montesquieu mit der 
Datierung von Geschehnissen, die er selbst erlebt 
hatte, und zwar zum Teil erst vor kurzer Zeit, so 
ungenau umgegangen sein sollte. Er hätte sich ein¬ 
fach vor seinen Zeitgenossen lächerlich gemacht. Wir 
dürfen daher die Annahme, dafs die persischen und 
christlichen Monate nach der Meinung Montesquieus 
zusammenfallen, als unhaltbar bezeichnen. 

Es liegt nun nichts näher als der Gedanke, dafs 
Montesquieu die christlichen Data in die persischen 
umgerechnet habe Sein Gewährsmann Chardin, den 
er so genau kannte, und dem er sonst in allen 
Stücken folgte, hatte den Weg dazu gezeigt. Im 
9. und 10. Bande giebt nämlich Chardin von mehreren 
Tagen das persische und christliche Datum an. Der 
bequemste Ausgangspunkt für eine derartige Umrech¬ 
nung wäre die Ch. 9, 276 zu findende Angabe ge¬ 
wesen, dafs der 9. April 1674 zugleich der 1. Mahar- 
ram des Jahres 1085 der Hedschrah gewesen sei 93 ). 
Wenn es Montesquieu überhaupt um Korrektheit zu 
thun war, so konnte er seine persische Datierung 
auf dieser Angabe aufbauen. Er hätte etwa die 
vom 9. April 1674 bis 31. Dezember 1710 verflossene 
Zeit in Minuten verwandeln und die so gewonnene 
Zahl durch die Minutenzahl des mohamedanischen 
Jahres dividieren können. Dann hätte er gefunden, 
dafs in dem genannten Zeiträume 37 mohamedanische 
Jahre und 304,4 Tage verflossen waren. Daraus 
konnte er dann leicht finden, dafs der nächste 
1. Maharram auf den 20. Februar 1711 fiel 94 ). Durch 
Anwendung dieses Rechnungsverfahrens hätte er dann 
weiter finden können, dafs der 1. Maharram im 
Jahre 1712 auf den 9. Februar, 1713 auf den 
29. Januar, 1714 auf den 18. Januar, 1715 auf den 
8. Januar und 27. Dezember, 1716 auf den 16. De¬ 
zember, 1717 auf den 6 Dezember, 1718 auf den 
25. November, 1719 auf den 14. November, 1720 
auf den 2. November gefallen wäre. Niemand wird 
bezweifeln, dafs Montesquieu das Zeug zur Ausführung 
dieser Rechnungen gehabt hat; ob er freilich viel 
Lust dazu gehabt hat, ist eine andre Frage. 

Sehen wir jetzt zu, auf welches christliche Datum 
die unter Brief 92, 126, 140 und 142 stehenden 
persischen Data fallen müssen, wenn Montesquieu 
von jener Angabe Chardins ausgegangen wäre, und 
wie die in diesen Briefen enthaltenen historischen 
Anspielungen sich dazu verhalten! 

Brief 92 ist vom 4. Regeb 1715 datiert. Der 
4. Regeb ist der 181 Tag des mohamedanischen 
Jahres 9:> ). Wenn im Jahre 1715 der 1. Maharram 
auf den 8. Januar gefallen wäre, so würde der 4. Regeb 
der 181. -f- 7. = 188. Tag des christlichen Jahres 
1715, d. i. der 7. Juli, gewesen sein. Da nun der 
in diesem Briefe erwähnte Tod Ludwigs XIV. am 
1. September erfolgte, so wäre der Brief fast zwei 
Monate zu früh gesetzt. 


Brief 126 ist vom 3. Chalval 1718. Der 
3. Chalval ist der 269. Tag des mohamedanischen 
| Jahres. Wenn der zuletzt vergangene 1. Maharram 
I auf den 6. Dezember 1717 gefallen wäre, so würde 
der 3. Chalval der 269. — 26. = 243. Tag des 
christlichen Jahres 1718, d. i. der 31. August, gewesen 
sein. Da nun die in diesem Briefe erwähnten 
Ereignisse sich Anfang Dezember zugetragen haben, 
so wäre derselbe 3 Monate zu früh gesetzt. 

Brief 140 ist vom 21. Gemmadi I 1720 datiert 
Der 21. Gemmadi 1 ist der 139. Tag des mohame¬ 
danischen Jahres. Wenn der zuletzt vergangene 
1. Maharram auf den 14. November 1719 gefallen 
wäre, so wäre der 21. Gemmadi I der 139. —48. 
= 91. Tag des christlichen Jahres 1720, d. i. der 
31. März. Der Brief wäre also über 37 3 Monate 
vor die darin erwähnte am 21. Juli erfolgte Verbannung 
des Parlaments nach Pontoise gesetzt worden. 

Brief 142 ist vom 9. Chahban 1720. Der 
9. Chahban ist der 216. Tag des mohamedanischen 
Jahres. Wenn der zuletzt vergangene 1. Maharram 
auf den 14. November 1719 gefallen wäre, so wäre 
der 9. Chahban der 216. — 48. = 168. Tag des 
christlichen Jahres 1720, d. i. der 16. Juni. Der 
Brief wäre also etwa 3 Monate vor das darin erwähnte 
Edikt Laws vom 15. September 1720 gesetzt worden. 

Aus diesen Ausführungen erhellt zur Genüge, 
dafs wir auf die gröfsten Widerspiüche zwischen 
der Datierung und dem Inhalte einzelner Briefe 
stofsen, wenn wir annehmen, dafs Montesquieu auf 
Chardins Angaben fufsend nach Korrektheit bei der 
Anwendung seiner persischen Data gestrebt habe. Es 
ergiebt sich ferner, dafs ein solches Verfahren ihm 
aufserordentlich viel Zeit und Mühe gekostet haben 
würde. Gleichwohl sträubt sich unser Gefühl gegen 
die Annahme, dafs ein so kenntnisreicher, vielseitiger 
und gewissenhafter Mann, der, wie wir gezeigt haben, 
bei der sonstigen Anlage des Romans beflissen 
gewesen war, seinen Lesern keine Widersprüche und 
Unwahrscheinlichkeiten zuzumuten, in dieser Hinsicht 
ganz ordnungslos und willkürlich zu Werke gegangen 
sein soll. Er mufs eine Regel gehabt haben, und 
er hat eine solche gehabt. 

Erinnern wir uns, dafs die aus den Monaten 
Zilcade und Zilhage stammenden Briefe nicht die 
Zahl des laufenden, sondern des folgenden Jahres 
tragen oder zu tragen haben (vergl. p. 20)! Daraus 
müssen wir schliefsen, dafs Montesquieu geglaubt 
hat, die beiden letzten Monate des mohamedanischen 
Jahres fielen mit den beiden ersten des christlichen 
immer zusammen, und der 1. Maharram fiele stets 
auf den 1. März. Untersuchen wir jetzt, wie die 
historischen Anspielungen sich zu Montesquieus 
persischer Datierung verhalten, wenn wir annehmen, 
dafs er dieselbe auf diesem Grundsätze, der, wie wir 
wissen, unrichtig ist, aufgebaut habe! 


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32 


Der unter Brief 92 stehende 4. Regeb 1715 
ist dann der 4. September 1715. Montesquieu hat 
sich demnach gedacht, dafs dieser Brief nur 3 resp. 

2 Tage nach den darin genannten Ereignissen 
geschrieben ist. 

Der unter 126 stehende 3. Chalval 1718 ist 
dann der 3. Dezember 1718. Der Brief würde also 
unmittelbar nach den darin erwähnten Ereignissen 
geschrieben gedacht sein. 

Der unter 140 stehende 21. Gemmadi I 1720 
wäre dann der 21. Juli 1720. Montesquieu hätte 
also angenommen, dafs der Brief an demselben Tage 
geschrieben worden ist, an welchem das Parlament 
verbannt wurde. Er sagt auch am Anfänge ausdrücklich, 
dafs dieses Ereignis soeben geschehen sei. 

Der unter 142 stehende 9. Chahban 1720 ist dann 
der 9. Oktober 1720. Der Brief wäre also ungefähr 

3 Wochen nach dem Edikte vom 15. September angesetzt. 

Wir sehen also, dafs Inhalt und Datierung 
dieser Briefe vortrefflich zu einander stimmen, wenn 
der 1. Maharram stets auf den 1. März gesetzt wird. 

Noch in einigen anderen Briefen finden sich 
Anspielungen auf gleichzeitige Ereignisse. 

In Brief 127 wird der Tod Karls XII. von 
Schweden (11. Dezember 1718) und die Verurteilung 
seines Ministers Goertz erwähnt Die Hinrichtung 
des letzteren fand nach Herbst, Encyklopädie, am 
13. März 1719 statt. Der Brief ist datiert vom 
25. Saphar 1719. Das wäre der 25. April 1719, 
d. h. Montesquieu hätte den Brief 6 Wochen später 
gesetzt, als dieses Ereignis stattfand. 


ln 128 wird die Beschiefsung der spanischen 
Grenzfestung Fuenterrabia erwähnt. Diese ergab 
sich am 18. Juni 1719 dem Marschall Berwick 96 ). 
Der unter dem Briefe stehende letzte Rebiab II 
würde der 30. Juni 1719 sein, d. h. 128 ist etwa 
2 Wochen nach diesem Ereignis geschrieben gedacht. 

Brief 146 enthält die ergreifende Schilderung 
des Elends, welches durch Law über das Land 
gebracht worden war. Datiert ist der Brief vom 
II. Rhamazan 1720. Das würde der 11. November 
sein. Der Brief wäre dann gerade in die Zeit 
gesetzt worden, als das Elend und die Erbitterung 
des Volkes den Höhepunkt erreicht hatte und der 
völlige Zusammenbruch des Systems unmittelbar 
bevorstand 97 ). 

Es ergiebt sich also, dafs auch der Inhalt 
dieser Briefe zu unserer Annahme pafst. 

Die Ergebnisse unserer Untersuchungen über 
die eigentümliche Datierung, mit welcher Montesquieu 
die L. p. versehen hat, lassen sich folgendermafsen 
zusammenfassen: Die Annahme Laboulayes, Vians u. a., 
dafs Montesquieu geglaubt habe, die persischen und 
christlichen Monate fielen einfach zusammen, ist 
unhaltbar; die Datierung Montesquieus kann keinen 
Anspruch auf Korrektheit erheben, auch nicht auf 
relative Korrektheit; er ist vielmehr von der 
irrtümlichen Annahme ausgegangen, dafs der Anfang 
des mohamedanischen Jahres immer auf den 1. März 
fällt, hat aber auf dieser Grundlage im allgemeinen 
richtig weiter gebaut 98 ). 


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33 


Anmerkungen. 


1) Taine, L’Ancien Regime p. 341. 2) Oncken, Das Zeitalter Friedrichs des Grofsen I, p. 80. 3) Vian, 

Histoire de Montesquieu p. 62. Dieses verdienstvolle Werk erschien 1878. Es ist eine sorgfältige, auf fünfzehn¬ 
jährigen gründlichen Studien beruhende Arbeit, die erste wissenschaftliche Biographie Montesquieus. Laboulaye 
behauptet nicht zu viel, wenn er auf p. 2 der von ihm geschriebenen Vorrede zu dem Buche sagt, dafs es uns einen 
ganz neuen Montesquieu biete. Vorher war man in betreff der Kenntnis des Lebens Montesquieus fast ausschließlich 
auf die Notizen in den Eloges d’Alemberts und Maupertuis’ angewiesen. 4) Montesquieu, Quelques Rlflexions sur 
les LettreB persanes. 5) Der President ä mortier hatte den Vorsitz in derjenigen Abteilung des Parlaments, welche 
die grandVhambre hiefs, und stand unter dem 1. Präsidenten, welchen er häufig zu vertreten hatte. Vgl. Vianp. 32 
und Heller, Realenryklopädie p. 30. 6) Vian p. 30. 7) Sie werden aufgezählt bei Vian p. 45 f. 8) Taine a. a. 0 p. 225. 
9 ) V ian p. 53. IO) A. Lefevre, Lettres persanes par Montesquieu, Paris 1873, Preface p. 3. 11) Laboulaye, Oeuvres 
coinpl&tes de Montesquieu, I, Preface p. 29. 12) Laboulaye a. a. 0. p. 28 f. 18) Hettner, Literaturgeschichte des 

18. Jahrhunderts II, p. 241. 14) Lotheifsen, Geschichte der französischen Litteratur im 17. Jahrhundert I. 15) Ranke, 
Französische Geschichte IV, p. 276, und Oncken a. a. 0. p. 18. 16) Barni, Histoire des Idees morales et politiques 
en France au I8emc siede I, p. 52. 17) Oncken p. 34. i») Ranke p. 325. i») Ranke p. 327. 20) Ranke p. 321. 

21) Oncken p. 29. 22) Vian p. 239. 28) Taine p. 341. 24) Taine p. 330, Anmerkung. 25) Barni p. 22. 26) Taine 
p. 33o. 27) Worte Josephs de Maistre, angeführt von Taine p. 331. 28) Nach Barni p. 306 ist das hauptsächlich 
ein Verdienst des Buches von Beccaria: Traitc des delits et des peines (1764), welches direkt durch die L. p. veranlafst 
wurde. 20) I -efevre p. 10. 80) In der Dresdner Königlichen Bibliothek vorhanden. 81) Laboulaye p. 31. 82) Vian 
p. 56. 38) Barni p. 32 f. *4) Vian p. 55. 35) Sorel, Montesquieu, übersetzt von A. Krefsner, sagt p. 32, dafs 
die L p. in Rouen gedruckt worden seien, giebt jedoch nicht an. wie er zu dieser Annahme kommt. 36) Oncken 
p. 79. 37) Bei Laboulaye VII p. 155. 38) Vian p. 66. 30) Laboulaye I p. 33. 40) Vian p. 167. 41) Mitgcteilt 

von Vian p. 100. 42) Vgl. darüber Vian p. 105. 48) Vian p. 102. 44) Vian p. 106. 45) Montesquieu, sa reception 

ki l'Arademie et la deuxiemc edition dos L. p. Vgl Laboulaye p. 32. 46) Nachgewiesen von Laboulaye p. 39 und 

Lefevre p. 8. 47) Er handelt über diese Frage p. 458 f. 48) Mitgeteilt von Laboulaye p. 33 und 34. 49) Laboulaye 
VII p. 91 f. 50) V ian p. 1 öS. 51) Laboulaye 1, p. 4. 52) \ ian p. 64. 53) Mitgcteilt von Maupertuis \ gl. 

Laboulaye I p. 25. 54) In den letzten Jahren ist man endlich daran gegangen, den Nachlaß Montesquieus nach 

ziemlich andertlialbhundertjährigem Schlummer zu veröffentlichen. Seit Jahrzehnten hatten die Forscher darauf 
gew’artet. 1>92 erschienen: Melangen inedits de Montesquieu. Puhlies par le baron de Montesquieu. Und 1894 u. 
1896: Voyages de Montesquieu, T. I u. II. Publies par le baron Albert de Montesquieu. Es steht zu hoffen, daß 
die weiteren Publikationen Aufklärungen über mancherlei aus dem Leben M.’s bringen werden, was uns jetzt mich 
dunkel ist 55) Walcker, Montesquieu als Polyhistor, Philosoph, Vorkämpfer der germanisch-protestantischen Kultur 
und als politischer Prophet p. v 56) Sorel p. 23. 57) Laboulaye p. 7. 58) Merlet, Etudes littöraires sur les 
Ulassiques fran^ais II p. 479. 59) Sorel p. 12. 60) Einleitung zu seiner Übersetzung der L. p. Leipzig. Reclam. 
16>4 IV 9. 61) Schvarcz: Montesquieus Erziehung zum Verfassungspolitiker. Tübinger Zeitschrift für die gesamte 
Staatswissenscbaft. Jahrgang 1884 p. 681 ff. S gebt mit den L. p. sehr streng ins Gericht. Er lafst sozusagen kein 
gutes Haar an ihnen. Nach einer Bemerkung auf p. 737 konnte man freilich glauben, dafs der Standpunkt des Verfassers 
der des Ultramontanismus ist. Dann wurde man die Tendenz des Artikels leicht verstehen. 62) Taine p. 3 »7. 63) Vian 
P- Hb. 64) Die Stelle lautet vollständig: Durch seine Lettres Persanes machte sich Montesquieu zuerst bekannt 
Die große Wirkung, welche sie hcrvorbrachten. war ihrem Gehalt und der glücklichen Behandlung desselben gleich. 
Unter dem Vehikel einer reizenden Sinnlichkeit weifs der Verfasser seine Nation auf die bedeutendsten, ja gefährlichsten 
Materien aufmerksam zu machen, und schon ganz deutlich kündigt sich der Geist an, welcher den Esprit des lois 
bervorbringen sollte. Weil er sich nun bei diesem seinem eilten Eintritt einer leichten Ilulle bedient, so will man 
ihn denn auch nur. da er sie schon abgeworfen, nach ihr schätzen und ihm das weitere, gröfsere Verdienst halb- 
kennerisch ablcugncn. 65) \ ian p. 55. 66) Taine p. 276. 67) Lefevre I p. 4 . 68) Lefevre II p. 211. 69) Lefevre 
II p. 212 f. 70) Hertz p. 5 hangeau ist ein Pseudonym für Vian. Vgl. Walcker p. 27. 71) Lefevre I p. 10. 


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H4 


72) Lefevre) II p. 213. 73) Lefevre II p. 214. 74») Die Erklärung, welche Usbek auf Mirzas Bitte giebt, lautet 
kurz: Die Menschen sind tugendhaft, sofern sie von tugendhaften Menschen abstammen und frei sind. Tugend kann 
aber ohne Freiheit nicht bestehen. Durch die Einsetzung des Königtums haben die Menschen die Tugend verloren. 
Denn sie hatten dann Gesetzen zu gehorchen, die weniger streng sind als die Tugend, konnten ihren Ehrgeiz befriedigen, 
Rcichtümer erwerben und in weichlicher Lust leben. Die Troglodytengeschichte ist daher wichtig als damaliges 
politisches Glaubensbekenntnis des Verfassers. 74*>) Mehrere Herausgeber und Kritiker, z. B. Parrelle, Bertz und 
Schvarcz (p. 708) glauben, dafs Montesquieu hier die Namen Zachi und Zephis (vgl. Brief 4) verwechselt habe. 
Es ist durchaus nicht nötig, diesen Irrtum anzunehmen, da nichts dagegen spricht, dafs auch Zachi sich solche 
Vertraulichkeiten, wie sie in Brief 4 Zephis vorgehalten werden, mit Zelide erlaubt hat. Zelide scheint übrigens 
den Frauen Usbeks gemeinschaftlich zu gehören, denn in Brief 53 spricht auch Zelis von derselben als ihrer 
Sklavin. 75) Nach Hettner p. 242 ist Brief 39 eine Satire auf die Geburt Christi. 76) Vian meint p. 58 und 61, 
dafs diese Erzählung eine satirische Verherrlichung des Incests sei, dessen der Regent sich schuldig gemacht 
haben soll. 77) Nach Walcker p. 7 ist dieser Brief eine Klage darüber, dafs die begabtesten Juristen Advokaten 
würden und den Richterberuf mieden. 78) Dieser Brief bezieht sich nach Hettner p. 242 auf die Lehre vom 
Sündenfall. 7») Vian sagt p. 62, durch diesen Brief solle bewiesen werden, dafs der Begriff der Gerechtigkeit 
über die Idee Gottes gehe. 60) Aus dem Ende des Briefes schliefst Vian p. 349, dafs Montesquieu schon damals gegen 
das allgemeine Stimmrecht gewesen sei. 81) Nach Lefevre I p. 12 sollen durch diese Erzählung die Schilderungen 
lächerlich gemacht werden, welche man von den Freuden des Paradieses giebt. 82) Die Ausdrücke Le premier 
eunuquc (9, 15, 96), Le premier eunuque noir (41), Le chef des eunuques noirs i64), Le grand eunuque noir (79), 
Le grand eunuque (147) sind offenbar Bezeichnungen für dieselbe Person. 83) Vian p. 61. 84) Nach Ersch und 
Gruber, Encyklopädie, Hoefer, Nouvelle Biographie gönörale, und den eigenen Angaben Chardins in der Pröface zu 
den Voyages. 85) Nach Jöcher, Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Ersch und Gruber und Hoefer 86) Es ist daher 
falsch, diese Stelle auf den Messias zu beziehen, wie es Lefevre p. 12 und Laboulaye p. 13S thun. 87) Mir ist 
unverständlich, wie Lefevre (p. 12) u. a. aus diesem Briefe haben entnehmen können, das Montesquieu das unbeschränkte 
Vorherwissen Gottes leugne.« Nein! Montesquieu giebt vielmehr eine und zwar meines Erachtens glückliche Lösung 
dieses schwierigen Problems. 88) Sorel p. 102. 89) Chardin sagt jedoch nicht, welche Monate 29 und welche 

30 Tage haben. Deshalb schreibt Montesquieu mit einer einzigen Ausnahme (4) der letzte, wenn er einen Brief auf 
den letzten Tag eines Monats setzt. Übrigens stimmt diese Angabe Chardins nicht zu dem, was Ulugbeg (Epochae 
celebriores, aus dem Arabischen übersetzt von Gravius, London 1650) auf p. 10 darüber berichtet: Mohamedani menses 
hqjiis epochae a phasi novilunii ad phasim sequentis novilunii nuraerant; atque hoc intervallum nunquam triginta dies 
excedet, neque minus erit novem et viginti .... Astronorais Moharram triginta est dierum et safar undetriginta 
et similiter mensium unus triginta dierum et alius undetriginta usque ad finem anni. Darnach haben also die 
mohamedanischen Monate abwechselnd 30 oder 29 Tage. Vgl. auch Ideler, Lehrbuch der Chronologie p. 459. 
90) Daher sagt Montesquieu stets lune de rebiab, lune de safar etc. 91) Laboulaye p. 55. 92) Vian p. 53. Ich 

verstehe nicht, weshalb V. als letztes Datura den 1. Zeled 1720 (= 1. November 1720) angiebt. Den Namen Zeled 
gebraucht Montesquieu übrigens nicht. Ich habe diesen Namen nirgends für einen persischen Monat finden können. 
93) Nach den vergleichenden chronologischen Tabellen, welche Gravius den Epochae celebriores des Ulugbeg bei¬ 
gegeben hat, ist diese Angabe freilich unrichtig. Darnach fiel der 1. Maharram im Jahre 1674 auf den 27. März 
des Julian. Kalenders. »i) Auch dieses Datum kann natürlich nicht ganz zu den Tabellen des Gravius stimmen. Nach 
denselben fiel im Jahre 1711 der 1. Maharram auf den 7. Februar a. St. Bei der Behandlung chronologischer Fragen 
bin ich durch wertvolle Ratschläge des Herrn Kollegen Dr. Hübschmann unterstützt worden. 95) Die mohamedanischen 
Monate sind dabei zur Hälfte zu 30 und zur Hälfte zu 29 Tagen gerechnet worden. Die Tagessummen sind dieselben 
wie bei Ideler p. 460. 96) Bertz p. 313. »7) Oncken p. 73. 98) In der Übersetzung der Persischen Briefe von 
A. Strodtmann, Berlin 1866, die ich erst nach Abschlufs der Arbeit einsehen konnte, wird p. 9 gesagt, dafs der 
Monat Maharram ungefähr dem September entspreche. Ich glaube nicht nötig zu haben, genauer auszuführen, dafs 
auch diese Annahme falsch ist und erst recht zu Widersprüchen zwischen der Datierung und den historischen 
Anspielungen führt. 


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Schulnachrichten 


Ostern 1897 bis Ostern 1898. 

I. Chronik. 

Dem Berichte über das Vorjahr ist noch folgendes hiuzuzufügeii. Am 16. Marz verstarb 
ein liebenswürdiger, bescheidener, fleil'siger Schüler unserer Anstalt, der Unterprimaner William 
Gang, nachdem er bis kurz vor seinem Heimgänge mit eiserner Willenskraft und seltener Pflicht¬ 
treue dem regelmäfsigen Unterrichte beigewohnt hatte. Lehrer und Schüler der UIA geleiteten ihn 
am 19. März zur letzten Kühe. In der allgemeinen Morgenandacht am 29. März widmete Oberlehrer 
Eulitz dem frühvollendeten, hoffnungsvollen Jünglinge ehrenvolle Worte der Wehmut und des 
Schmerzes. 

Am 21. März, als dem Vorabende des denkwürdigen Tages, an welchem vor 100 Jahren 
Kaiser Wilhelm geboren wurde, beteiligten sich die Primaner und Sekundaner des Gymnasiums 
an dem von seiten der Stadt Chemnitz veranstalteten Fackelzuge. Am nächsten Tage früh 10 Uhr 
begann der Festaktus mit Gesängen des Schülerchores unter Leitung des Oberlehrers Kramer. 
Nachdem dann der Primaner Schwen eine lateinische Ode, der Quartaner Körner ein deutsches 
patriotisches Gedicht vorgetragen hatte, hielt Gymnasiallehrer Dr. Müller die Festrede. Der 
Vortragende schilderte Leben und Charakter des edlen Heldenkaisers und wies nach, wie er durch 
seine Persönlichkeit unvergefslich die Anschauungen des deutschen Volkes beeinflufst habe. Mit dem 
gemeinsamen Gesänge der Nationalhymne schloß* die Feier. 

Mit dem Schlüsse des Schuljahres am 9. April verliefs uns der durch Verordnung vom 
14. Dezember 1896 zur Probeleistung hierher verwiesene Kandidat des höheren Schulamtes Bernhard 
Bruhns, um ein Vikariat am Kgl. Realgymnasium zu Döbeln zu übernehmen. Der Unterzeichnete 
Berichterstatter kann es im Interesse der Schule nur bedauern, dals dem fleifsigen und talentvollen 
Lehrer keine längere Wirksamkeit an unserer Anstalt vergönnt war. 

An demselben Tage waren 25 Jahre verflossen, seitdem Prof. Lieb# dem Gymnasium als 
Lehrer angehörte. Der Rektor beglückwünschte den um unsere Anstalt treuverdienten Konrektor im 
Konferenzzimmer vor versammeltem Lehrerkollegium* 

An den archäologischen Vorlesungen, die während der Osterferien in Dresden für 
Gymnasiallehrer abgehalten wurden, nahm Prof. Niemeyer teil. 

Am 26. April wurden 87 Schüler aufgenommen. Die Eröffnung des neuen Schuljahres 
erfolgte am 28. April mit einem Bestand von 478 Schülern. Gleichzeitig wurde der durch Verordnung 
vom 2. April 1897 zur Ableistung des Probejahres uns zugewiesene Kandidat des höheren Schul¬ 
amts Dr. Alfred Leusehke durch den Unterzeichneten dem Cötus vorgestellt. 


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Zur Nachfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs Albert wurde am 27. April 
vormittags 10 Uhr ein öffentlicher Festaktus in der Aula abgehalten. Eingeleitet durch Gesänge 
des Schülerchores und durch Vorträge der Oberprimaner Krüger und Graupner und des Unter¬ 
tertianers Caspari gipfelte die Feier in der Festrede des Oberlehrers Dr. Wolff, der, entsprechend 
den modernen, auf gröfsere Anschaulichkeit im Unterrichte hinzielenden Bestrebungen den Hauptsitz 
griechischer Kunst, die Akropolis von Athen, zum Gegenstände seines Vortrags gewählt hatte. 
Nachdem sich dann der Redner von den trümmerhaften Resten der athenischen Cecropsburg zu dem 
herrlichen Neubau des Dresdener Königsschlosses gewandt hatte, schlofs er unter dem Gelübde der 
Treue und herzlichen Segenswünschen mit einem dreifachen Hoch auf König Albert Mit dem 
gemeinsamen Gesänge der Sachsenhymne endete der Aktus. 

Am 4. Juni verlieh die philosophische Fakultät der Universität Erlangen dem Oberlehrer 
Eulitz auf seine Abhandlung: „Der Verkehr zwischen Vives und Budaeus“ die Doktorwürde. 

Am 14. Juni fand der allgemeine, am 22. September der Chorspaziergang statt 

Am 25. und 29. Juni wurde der Hitze wegen der Nachmittagsunterricht ausgesetzt 

Durch Verordnung des Kgl. Ministeriums vom 28. August wurde dem ständigen Gymnasial¬ 
lehrer Dr. Günther der Titel Oberlehrer verliehen. 

Die Festfeier zu Ehren des Tages von Sedan wurde durch einen Choralgesang des 
Gymnasialchores unter Leitung des Oberlehrers Kramer eröffnet. Nachdem hierauf mehrere Schüler 
patriotische Gedichte vorgetragen und der Chor das Altniederländische Kriegslied uud Dankgebet von 
Eduard Kremser gesungen hatte, sprach der Festredner Dr. Hübsch mann über die Errungenschaften 
des deutschen Volkes seit dem Kriege 1870/71 auf sozialem Gebiete. Die Festrede schlofs mit einem 
dreimaligen Hoch auf Kaiser und Reich, der Aktus mit dem gemeinsamen Gesänge der deutschen 
Nationalhymne. 

Am 6., 7. und 8. September wurden in sämtlichen Klassen schriftliche Prüfungen 
abgehalten. 

Am 22. September fand eine aufserordentliche Reifeprüfung statt, der sich ein Ober¬ 
primaner und ein Privatstudierender aus Baiern unterzogen. Als Königlicher Prüfungskommissar 
war der Unterzeichnete bestellt worden. Beiden Prüfungen konnte das Zeugnis der Reife zuerkannt 
werden. 

Da zu erwarten steht, dafs der Platz an der Weststrafse, wo das Gymnasium Turnspiele 
abzuhalten pflegte, in absehbarer Zeit beimut werden wird, so schlug der Unterzeichnete dem Kgl. 
Kultusministerium vor, circa 1700 □ Meter eines an unsern Turnplatz angrenzenden Grundstücks 
zur Erweiterung käuflich hinzu zu erwerben. Die Vorgesetzte Behörde kam aufs bereitwiUigste in 
dankenswerter Weise entgegen, und unsere Gymnasialjugend wird, die Bewilligung der Kaufsumme 
durch die Staude vorausgesetzt, auch fernerhin die so beliebten Jugendspiele, wenn schon in etwas 
beschränkterer Ausdehnung, pflegen können. 

Ain 14. Oktober waren 25 Jahre verflossen, seitdem das Gymnasialgebäude auf dem Kal's- 
berge feierlich eingeweiht wurde. Am Morgen des 15. Oktober sendete Herr Kommerzienrat Eugen 
Esche 1000 Mark zu Gunsten der Vogelstiftung. Wie der Berichterstatter dem edlen Geber auch 
an dieser Stelle den wärmsten Dank aussprechen mochte, so kann er nicht umhin, es dankend 
anzuerkennen, dafs an dem am Abende dieses Tages in der Eintracht veranstalteten Tauzkränzehen 
eine Anzah.1 unserer früheren Schüler zur Erhöhung unserer Festfreude teilnahm. Herr Landrichter 
Dr. Knackfufs brachte im Namen seiner Commilitonen ein Hoch auf das Gymnasium aus. Der 
Unterzeichnete antwortete in längerer Ansprache. Mögen unsere verehrten discipuli quondani 
auch fernerhin der alma mater auf dem Kalsberge ein freundliches Gedenken bewahren, ebenso 
wie wir auch ihrer uns gern und mit Stolz erinnern werden. 


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Leider bedurfte Prof. Busch kiel krankheitshalber eines längeren Urlaubs vom 1. November 
ab. Seine Vertretung wurde in der Weise geregelt, dafs für ihn in UI Prof. Kohl, in Ol, OII 
und UII Dr. Müller eintrat; den Gesamtunterricht des Letzteren übernahm Dr. Leuschke. 

Die beiden Schulkommunionen fanden am 12. Mai und am 10. November statt Die Beicht¬ 
reden hielten Herr Diakonus Richter und Herr Diakonus Dr. Seyrich, die vorbereitenden Andachten 
Prof. Lütze und Dr. Eulitz. —Am nächsten Palmsonntage sollen 51 Schüler konfirmiert werden. 

Am 14. Dezember als dem 3. Studiertage des Wintersemesters besuchten der Unterzeichnete 
Rektor und Prof. Niemeyer mit den Schülern der beiden Oberprimen das Königliche Skulpturen- 
inuseum zu Dresden. Wir genossen wie in früheren Jahren so auch diesmal der anregenden, liebens¬ 
würdigen Führung des Direktorialassistenten Herrn Dr. Herr mann. Was letzterer seit dem 
Jahre 1894 durch seine schönen Vorträge an den Oberprimanern unserer Anstalt gethan hat, wird 
ihm in der Geschichte des Chemnitzer Gymnasiums nie vergessen werden. 

Am 7. Januar 1898 ward der Schulball in den Räumen der Eintracht unter der Leitung 
des Oberlehrers Dr. Wäntig abgehalten. 

Der Festaktus zu Ehren des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers 
begann mit Gesängen und Deklamationen der Schüler. Die Festrede hielt Prof. Richter. Mit 
Rücksicht auf den Wert, den der Kaiser auf die Pflege der deutschen Sprache gelegt hat und noch 
legt, schilderte der Festredner die hauptsächlichsten und wertvollsten Eigenschaften unserer Mutter¬ 
sprache. Die Feier schlofs mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, das Prof. Richter ausbrachte, 
und mit dem gemeinsamen Gesänge der Kaiserhymne. 

Durch Verordnung vom 17. Februar wurde dem Gymnasiallehrer Dr. phil. Kummer die 
Personalständigkeit verliehen. 

In der Zeit vom 17.—23. Februar fertigten die diesjährigen Abiturienten, vom 5.—12. Marz 
die übrigen Klassen die schriftlichen Prüfungsarbeiten. 

Die mündliche Reifeprüfung wird ain 21. und 22. März unter dein Vorsitze des Herrn 
Geheimen Schulrats Dr. Vogel aus Dresden stattfinden. 

Die feierliche Entlassung der Abiturienten erfolgt am 26. März, der Schlufs des 
Schuljahres am 1. April. 


II. Übersicht 

über den von Ostern 1897 bis Ostern 1898 erteilten Unterricht. 

A. Wissenschaftliche Fächer. 

Oberprima. Klassenlehrer der Abt. A: Rektor Arnold, der Abt B: Prof. Dr. Niemeyer. 

Religion. 2 St. Lektüre des Römerbriefs und des Johannesevangeliums, Glaubens- und Sitten¬ 
lehre im Anschlufs an die Lektüre und die Augsburgische Konfession. In A: Lütze, in B: Krüger. — 
Deutsch. 3 St. Goethes Leben und Werke, unter Hervorhebung seiner Beziehungen zu Herder; 
Shakespeares Coriolan; Schillers Jugenddramen, Wallenstein, Braut von Messina. Freie Vorträge meist im 
Anschlufs an Goethes und Schillers Schriften; Übungen im Protokollieren, Definieren, Disponieren, Besprechung 
der schriftlichen Arbeiten. In A: Arnold, in B: Krüger. — Latein. 8 St Ciceros Briefe nach der 
Auswahl von Süpfle. i. S. Tacitus ab excessu divi Augusti I, 1 —15, 31—71. II, 5 — 26, 88. i. W. 
Ausgewählte Kapitel aus den Altertümern und der Litteraturgeschichte. 3 St. Mündliche und schriftliche 
Übungen, meist nach Süpfle, Wiederholung grammatischer und stilistischer Kapitel, in Verbindung mit der 


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Emendation der schriftlichen Arbeiten. 2 St In A: Fickelscherer, in B: Niemeyer. Auswahl aus 
Horaz* Satiren und Episteln. Plautus* Trinummus 3 St. In A: Arnold, in B: Niemeyer. — 
Griechisch. 7 St. Platos Gorgias, cap. I i. S. Thukydides. Ausgewählte Partien aus Bch. I und II 
(nach Müllers Auswahl I. Teil) i. W. Besprechung von Realien im Anschlufs an das Gelesene. Pensa und 
Extemporalia. 5 St. In A: Richter, in B: Wolff. Sophokles* Aias und Antigone. 2 St. In A: Niemeyer, 
in B: Arnold. Privatim wurden gelesen: Abschnitte aus Ciceros Briefen, Tacitus, Plautus, Horaz, Sophokles. — 
Hebräisch. 2 St. Wiederholung der wichtigsten Kapitel aus Formenlehre und Syntax, Lektüre aus¬ 
gewählter Abschnitte der Genesis. Krüger. — Französisch. 2 St. Racine, Iphigenie und Coppee, Oeuvres 
choisies. Im Anschlufs an die Lektüre Sprechübungen, sowie gelegentlich Litteraturgeschichtliches. Über¬ 
setzungen ins Französische (aus Schillers Gesch. des 30jährigen Krieges) und Übungen im freien schriftlichen 
Ausdruck. In A: Liebe, in B: Steinbach. — Englisch. 2 St. (7 Teilnehmer.) Lord Clive by 
Macaulay (Ausgabe von Thiergen); The Prisoner of Chillon. Mazeppa by Lord Byron (Ausgabe von Bamiow . 
A Tour in the Scottish Highlands by William Black (Ausgabe von Bahrs); einige Stellen aus Macaulay* 
History of England. Erdenberger. — Mathematik. 4 St. Ergänzung der Lehre von den Gleichungen. 
Graphische Darstellung von Funktionen. Sphärische Trigonometrie. Mathematische Geographie. Kegelschnitte. 
Lösung planimetrischer Konstruktionsaufgaben durch algebraische Analysis. Wiederholung der Schulmathematik 
im Anschlüsse an Aufgaben aus allen Gebieten, unter gelegentlichen Hinweisungen auf den Aufbau und 
die leitenden Grundgedanken der Elementarmathematik. In A: Särchinger, in B: Hübschmann. — 
Physik. 2 St. Wellenlehre, Akustik, Optik. In A: Liebe, in B: Hübschmann. — Geschichte. 
3 St. Allgemeine Geschichte vom Ausgange des 17. Jahrhunderts bis 1871. In A: Buschkiel, seit 
1. November Müller II, in B: Kohl. 


Unterprima. Klassenlehrer der Abt. A: Prof. Dr. Richter, der Abt. B: Dr. Fickelscherer. 

Religion. 2 St. Lektüre ausgewählter Stücke aus Jesaja, der Bergpredigt, des Jakobusbriefe- 
und ausgewähltcr Abschnitte des 1. Korintherbriefs in A, in B. im A. T. dasselbe, im N. T. 1. und 
2. Korintherbrief mit Auswahl. Erklärung der Augsburgischen Konfession. Geschichte des Kultus und der 
Verfassung der christlichen Kirche. In A: Krüger, in B: Lütze. — Deutsch. 3 St. Gelesen wurden: 
Auswahl aus Luthers Schriften (in der Ausgabe von Velhagen und Klasing), Klopstocks Messias (Auswahl: 
und Oden, Lessings Minna von Barnhelm, Emilia Galotti, Nathan, Laokoon (1. 5. 6. 18. 19. 20. Stück . 
Hamburgische Dramaturgie (2. 11. 12. 32. 74. 79. 82. 101.—104. Stück), Schillers kulturhistorische und 
philosophische Gedichte, Abhandlung über Egmont, Macbeth-, Übungen im Disponieren. Besprechung der 
schriftlichen Arbeiten. In A: Buschkiel, in B: Kohl: vom 1. November 1897 ab in beiden Klassen: Kohl.— 
Latein. 8 St. Livius XXX i. S. Cicero, pro Milone i. W. Bei geeigneter Veranlassung Besprechung 
römischer Antiquitäten. 4 St. Pensa und Extemporalia. Behandlung einzelner Kapitel aus der Grammatik 
und Stilistik. 2 St. Privatlekttire: Cic. in Verrem IV. In A: Richter, in B: Fickelscherer. Auswahl 
aus den Oden und Epoden des Horaz. Gelernt wurden: I 1, 9, 22-, II 3. 10, 14; III 9, 21, 30; IV 7. 
sowie ausgewählte einzelne Stellen. 2 St. ln A: Hartlich, in 13: Rein. — Griechisch. 7 St. 
Demosthenes, 1. philipp. Rede und die drei olynthischen Reden. Kurzer Überblick über die griechische 
Philosophie. Plato, Apologie und Kriton. 4 St. Wiederholungen aus der Syntax. Übertragungen aus dem 
Griechischen ins Deutsche. 1 St. In A: Niemeyer, in B: Wäntig. Homers Ilias (mit Auswahl) und 
Euripides* Iphigenie in Taurien. 2 St. In A: Ilanske, in B: Wäntig. — Hebräisch. 2 St. Die 
Formenlehre beendigt, mündliche und schriftliche Übungen nach Kautzsch. Lütze. — Französisch. 
2 St.* Präpositionen nach Ciala III. Grammatische Wiederholungen. Souvestre, Un Philosophe sous les 
toits. Sprech- uud Schreibübuugen im Anschlufs an die Lektüre. Übersetzen deutscher Abschnitte. In A: 
Liebe, in B: Gäbler. — Englisch. 2 St. Beendigung der Formenlehre. Syntaktisches nach Deutschbein. 
Macaulay: History of England (Abschn. über die Kulturgeschichte des 17. Jahrh.) W. Irving, St rat fort! 
on Avon. Ch. Dickens, A Christmas Carol. (18 Teilnehmer.) Steinbach. — Algebra. 1 St. Quadratische 
Gleichungen mit mehreren Unbekannten. Arithmetische und geometrische Reihen. Zinseszins- und Renteii- 
rcchnung. In A: Särchinger, in B: Hüb sch mann. — Geometrie. 3 St. Stereometrie, ln A: 
Särchinger, in B: Hübschmann. — Physik. 2 St. Mechanik, Wellenlehre. In A: Särchinger. 
iu B: Hübschmann. — Geschichte. 3 St. Deutsche Geschichte von 1400—1519. Allgemeine Geschichte 
von den Entdeckungen an bis zum Ausgange des 17. Jahrhunderts. — Geographische Wiederholungen. 
In A: Buschkiel, in B: Kohl; seit 1. November 1897 in beiden Klassen: Kohl. 


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[Obersekunda. Klassenlehrer der Abt. A: Prof. Dr. Hanske, der Abt. B: Dr. Wolff. 

Religion. 2 St. Lektüre ausgewählter Psalmen und Sprüche und des 1. Korintherbriefes mit 
Auswahl (A), Lektüre ausgewählter Psalmen, Sprüche und Abschnitte aus dem Buch Hiob, des 1. Briefs 
an die Thessalonicher und des Philipperbriefs (B). Biographien aus den Hauptepochen der Kirchengeschichte, 
besonders des Reformationszeitalters. In A: Lütze, in B: Krüger. — Deutsch. 3 St. Einführung 
ins Mittelhochdeutsche-, Lektüre: Nibelungenlied und Walther von der Vogelweide (mit Auswahl), sodann 
Hermann und Dorothea und Maria Stuart. Dispositionsübungen. In A: Lütze, in B: Richter. — 
Latein. 7 St. Cicero, pro Sulla. Livius lib. XXI. 3 St. Einiges aus der lat. Stilistik (nach Stegmanu 
§§ 257—269), Wiederholung und Vervollständigung der Syntax. Emendation der Pensa und Extemporalia. 
2 St. In A: Hanske, in B: Wolff. Virgils Aeneis. 2 St. In A: Buch I. II. IV. (mit Auswahl) und 
Abschnitte aus den Büchern VII—XII. Hanske. In B: Buch I. II. VJ. (mit Auswahl) und einige Abschnitte 
aus den Büchern VII—XII. Wolff. — Griechisch. 7 St. Herodot lib. VIII. (mit Auswahl). Lysins’ 
Reden. In A: 24. 23. 12. 7. In B: 24. 23. 25. 13. 3 St. Grammatik: Infinitiv, Particip, Negationen. 
Wiederholung und Vervollständigung der Tempus- und Moduslehre. Pensa und Extemporalia. 2 St. In 
A: Wolff, in B: Hanske. Homers Odyssee (mit Auswahl). 2 St. In A: Jungmann, in B: Hanske. 
Privatim wurde Homers Odyssee gelesen. — Hebräisch. 2 St. Die regelmäfsige Formenlehre nach 
Kautzsch, Übung 1 —42; mündliche und schriftliche Übungen. Krüger. — Französisch. 2 St. Syntax 
des Adjectivums, Adverbiums und Pronomens nach Ploetz-Kares, Sprachlehre §§ 92—128. Einübung dieser 
Kapitel nach Ploetz-Kares, Übungsbuch Heft in. Wiederholungen. Lektüre: Moli&re, Le Bourgeois 
gentilhomme. Aufserdem in A Segur, Passage de la Berezina, in B Barante, Jeanne D’Arc. In A: 
Gäbler, in B: Steinbach. — Englisch. 2 St Deutschbein, Kurzgefafste englische Grammatik §§ l —53. 
Übungsbuch Abschnitt 1 —17. Lektüre angemessener Stücke aus Deutschbein, Irving-Macaulay-Lesebuch. 
In A: Gäbler (9 Teilnehmer), in B: Erdenberger (10 Teilnehmer). — Algebra. 2 St. Potenzen und 
Wurzeln mit allgemeinen Exponenten. Logarithmen. Quadratische Gleichungen mit 1 und 2 Unbekannten. 
In A: Müller I, in B: Estel. — Geometrie. 2 St. Kreisberechnung. Ebene Trigonometrie und 
Goniometrie. In A: Müller I, in B: Estel. — Physik. 2 St. Galvanismus. Wärmelehre. In A: 
Hübsch mann, in B: Särchinger. — Geschichte. 3 St. Geschichte der römischen Kaiserzeit bis 
476. Die germanische Zeit. Geschichte des Mittelalters bis 1400. — Geographische Wiederholungen. In A: 
Buschkiel, seit 1. November Müller II; in B: Kohl. 

Untersekunda« Klassenlehrer der Abt, A: Oberlehrer Caspari, der Abt. B: Prof. Dr. Buschkiel. 

Religion. 2 St, Kurzer Überblick über die Messiashoffnung im A. T.; das Leben Jesu nach 
den Synoptikern im Anschlufs an das Lukasevangelium; die Leidensgeschichte unter Heranziehung des 
Johannesevangcliuras; Apostelgeschichte. In A: Lütze, in B: Eulitz. — Deutsch. 2 St, Leichtere 
lyrisch-philosophische Gedichte von Schiller. Wilhelm Teil, Jungfrau von Orleans, Götz von Berlichingen, Egmont. 
Auswendiglernen geeigneter Stücke. Übungen in zusammenhängender Rede im Anschliffs an die Lektüre. 
Dispositionsübungen und das Nötigste aus der Stilistik im Anschlufs an die Aufsätze. In A: Hartlich, 
in B: Schöne. — Latein. 8 St. Cicero, de imperio Cn. Pompei, de senectute. 3 St. Privatlektüre: 
ausgewählte Abschnitte aus Caesars bellum Gallicum. Syntax nach Stegmann §§ 181—198; 207—213; 
220—224; 243—255. Scripta und Extemporalia. 3 St. In A: Caspari, in B: Buschkiel, seit 
1. November Müller II. Ausgewählte Abschnitte aus Ovids elegischen Dichtungen nach Frankes Chrestomathie 
und aus den Metamorphosen nach Siebelis-Polle (2. Teil). In A: Caspari, in B: Wäntig. — Griechisch. 
7 St. Xenophon, Anabasis, I, 8—10, II, 1 — 2, 111. i. S. 3, i. W. 2 St., i. W.: Homers Odyssee I, II, 
1—295, III, IV, 332—569 (z. T. privatim). Lehre vom Artikel, Pronomen, Beendigung der Kasuslehre. Das 
Wichtigste über den Gebrauch der Tempora und Modi. Besprechung der schriftlichen Arbeiten, i. S. 4, i. 
W. 3 St. In A: Fickelscherer, in B: Caspari. — Französisch. 2 St. Lehre vom Konjunktiv, 
Infinitiv, Particip und Artikel nach Ploetz-Kares, Sprachlehre §§ 71—89. Einübung dieser Kapitel nach 
Ploetz-Kares, Übungsbuch II und III. Thiers, Bonaparte en Egypte et en Syrie. In A: Gäbler, in 
B: Steinbach. — Algebra. 2 St. Lineare Gleichungssysteme, Potenzen und Wurzeln mit ganzen 
positiven Exponenten. Einfachste Form der quadratischen Gleichungen mit einer Unbekannten. In A: 
Müller I, in B: Estel. — Geometrie. 2 St. Proportionen beim Durchschnitt eines Winkels mit 
Parallelen. Ähnlichkeit der Dreiecke. Verhältnisse und Ausmessung von Flächen. In A: Müller I, in B: 
Estel. — Physik. 2 St. Grundbegriffe der Physik. Magnetismus. Reibungselektrizität. In A: Müller I, 
in B: Estel. — Geschichte. 2 St. Römische Geschichte bis zur Schlacht bei Actium. In A-: 
Kohl, in B: Hanske. 


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Obertertia* Klassenlehrer der Abt. A: Dr. Rein, der Abt. B: Dr. Erdenberger. 

Religion. 2 St. Lesen und Erklären ausgewähltcr Abschnitte aus den kanonischen Schriftei 
des A. T.; Besprechungen über Perikopen und Katechismus; Wiederholung von Sprüchen und Liedern 
In A: Eulitz, in B: Lütze. — DeutSOlL 2 St. Lektüre aus dem Döbelner Lesebuche IV, 2. Abt 
mit besonderer Berücksichtigung der Schillerschen Balladen und der Dichter der Befreiungskriege 
Deklamationen, Vortragsübungen und Aufsätze. In A: Wäntig, in B: Jungmann. — Latein. 8 St 
Caesar, de bello Gail. IV—VII (z. T. als Privatlektüre); de bello civili I. 3 St. Frankes Chrestomathie 
ausgewählte Stücke. 2 St. Syntax nach Stegmann §§ 200—251 mit Auswahl. Wiederholung der Kasuslehre 
Mündliche und schriftliche Übungen nach Warschauer II. Besprechung der Haus- und Schularbeiten. 3 St 
In A: Rein, die zwei Stunden Chrestomathie von April—August Leuschke; in B: Erdenberger. — 
Griechisch. 7 St. Verba liquida, verba auf pu und verba anomala. Das Wichtigste aus der Lehn 
vom Accusativ und Dativ. Mündliche und schriftliche Übungen nach Wesener II. Besprechung der Haus¬ 
und Schularbeiten. Xenophon, Anab. I, 1—7. In A: Rein, in B: Erdenberger. — Französisch. 
2 St. Gebrauch von avoir und ötre. Formenlehre des Substantivums, Adjectivums, Adverbiums und 
Zahlworts. Wortstellung. Tempuslehre. Überblick über die Moduslehre nach Ploetz-Kares, Sprachlehre 
§§ 25—28, 30—40, 50—57, 61—71. Übungsbuch B Kap. 22—46. Lesen und Lernen von Gedichten. 
Freie schriftliche und mündliche Übungen. In A: Gäbler, in B: Steinbach. — Algebra. Wieder¬ 
holung des Lehrstoffs der Untertertia und Ausdehnung desselben auf relative Zahlen. Bruchrechnung. 
Gleichungen 1. Grades mit 1 Unbekannten nebst Anwendungen derselben. In A: Estel, in B: Särchinger. — 
Geometrie. 2 St. Kreislehre. Flächenverwandlung. Geometrische Örter. Verwendung der analytischen 
Methode zur Lösung von Konstruktionsaufgaben. In A: Estel, in B: Särchinger. — Geographie. 
2 St.: i. S. Das Wichtigste aus der physischen Geographie, i. W. Grundzüge der Chemie, Behandlung 
wichtiger Mineralien. In A: Liebe, in B: Hübschmann. — Geschichte. 2 St. Griechische Geschichte 
bis zum Jahre 300. In A: Kohl, in B: Kummer. 


Untertertia* Klassenlehrer der Abt. A: Oberlehrer Jung mann, der Abt. B: Oberlehrer Schöne. 

Religion. 2 St Besprechung einiger Psalmen, messianischer Stellen, der Bergpredigt und 
ausgewählter Gleichnisse; Abschlufs der Katechismuserklärung; Übersicht über die Einrichtung des Gesang¬ 
buchs; Wiederholen und Einprägen von Liedern und Sprüchen. In A: Lütze. in B: Eulitz. - 
Deutsch. 2 St. Behandlung von poetischen und prosaischen Musterstücken, Übungen im Vorträge. 
Besprechung der Aufsätze. In A: Ca spar i, in B bis zu den grofsen Ferien: Leuschke, dann Körner. 
— Latein. 8 St. Ergänzende Wiederholung des in IV durchgenommenen syntaktischen Lehrstoffs, 
insbesondere der Kasuslehre. Caesar, de bello Gallico 1 — 3. In A: Jungmann, in B: Schöne. — 
Griechisch. 7 St. Formenlehre bis zu den Verbis liquidis ausschliefslich. In A: Jungmann, in B: 
Schöne. — Französisch. 3 St Abschlufs der regelmäfsigen Formenlehre nach Ploetz-Kares, 
Elementarbuch B. Kap. 45 — 55. Unrcgelmüfsige Verba nach Ploetz-Kares, Sprachlehre §§ 13—-'k 
Übungsbuch B. Kap. 1—21. Auswendiglernen von Gedichten. Wiederholungen. Sprechübungen, ln A: 
Stein bach, in B: Gäbler. — Mathematik. 3 St. Die vier Grundrechnungsarten der allgemeinen 
Arithmetik mit Beschränkung auf leichte Aufgaben. Einfachste Gleichungen. Planimetrie bis zu den 
Anwendungen der Kongruenzsätze einschliefslich; leichte Konstruktionsaufgaben. In A: Müller J, 
in B: Estel. — Naturkunde. 2 St. i. S. Vom Baue des menschlichen Körpers, Beschreibung der 
wichtigsten Organe und Erklärung ihrer Funktionen. In A: Kramer, in B: Liebe. — GeogTapllie. 
2 St. i. W. Wiederholung der Geographie von Europa. Eingehendere Behandlung der Geographie von 
Deutschland. In A: Kramer, in B: Liebe. — Geschichte. 2 St. Geschichte der neuen Zeit von 
1648 —1871. In A: Günther, in B: Kohl. 


Quarta* Klassenlehrer der Abt. A: Dr. Körner, der Abt. B: Dr. Günther. 

Religion. 2 St. Wiederholung der bibl. Geschichte des A. und N. T. und des 1. und 2. Hauptstiieks 
des Katechismus. Erklärung des 3. Hauptstücks. Einführung in die Bibel. Lieder und Sprüche. 
In A: Krüger, in B: Lütze. — Deutsch. 3 St. Besprechung von Prosastücken und Gedichten. 
Gelernt wurden die Gedichte des Kanons, früher gelernte wiederholt Wiederholung und Erweiterung der Form*, 


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Satz- und Iuterpunktionslehre. Aufsätze, Diktate. In A: Körner, in B: Günther. — Latein« 8 St. 
Hauptregeln der Syntax im Anschlüsse an Büschs Übungsbuch. Auswendiglernen von Mustersätzen und 
Phrasen. Wiederholung der Formenlehre. Sprechübungen. Scripta und Extemporalia. Cornelius Nepos: in A: 
I, III, V, VI, VII, IX, XIII, XXII, XXIII; in B: I, III—VH, XVI, XXII, XXIII. Geeignete Stellen 
gelernt. In A: Körner, in B: Günther. — Französisch. 5 St Regelmäfsige Formenlehre nach 
Ploetz-Kares, Elementarbuch B Kap. 1 — 44. In A Besprechung des Hölzelscbcn Herbstbildes, in B des 
Sommer- und Herbstbildes. Auswendiglernen kleinerer Gedichte und Prosastücke. Sprechübungen. In A: 
Gäbler, in B: Steinbach. — Mathematik. 3 St. Einfache und zusammengesetzte Regeldetri, 
insbesondere Prozent- und Zinsrechnung. Entwickelung der einfachsten stereometrischen und planimetrischen 
Begriffe aus der Anschauung, verbunden mit leichten Mefs- und Zeichenübungen. In A: Estel, in B: 
Müller I. — Naturkunde. 2 St. Botanik i. S.: Überblick über das Linnesche und das natürliche 
Pflanzensystem. Charakteristik der wichtigsten Ordnungen und Familien. Einiges über die Kryptogamen. 
Zoologie i. W.: Überblick über das Tierreich. Von den wirbellosen Tieren wurden die Weichtiere und Glieder¬ 
füßler ausführlicher behandelt. In A: Liebe, in B: Kramer. — Geographie. 2 St Die aufsereuropäischen 
Erdteile. Das Erdganze. Das Nötigste über die Bewegung der Erde und des Mondes. In A: Schöne, 
in B: Wäntig. — Geschichte. 2 St Erzählungen aus der Geschichte von 814—1648, hauptsächlich 
aus der deutschen, mit besonderer Hervorhebung der sächsischen Geschichte. In A: Müller, seit 1. November 
Leuschke, in B: Günther. 


Quinta« Klassenlehrer der Abt. A: Dr. Eulitz, der Abt. B: Dr.^ Kumm er. 

Religion. 3 St. Biblische Geschichte des N. T.; Wiederholung des 1., Besprechung und 
Einprägung des 2. Hauptstticks; Überblick über die übrigen Hauptstücke. Ausgewählte Sprüche und 
Lieder. In A: Eulitz, in B: Reinhold. — Deutsch. 3 St. Lesen und Erklären ausgewählter Stücke 
aus dem Lesebuche. Mündliche und schriftliche Einübung der Regeln über Rechtschreibung, Silbentrennung, 
Zeichensetzung und der Lehre von den Wortklassen, Satzteilen und Satzarten. Mündliche und schriftliche 
Nacherzählungen, Erweiterungen, Nachbildungen und Abfassung kleiner Briefe. Wiederholen, Lernen und 
Vortragen der Gedichte des Kanons für Sexta und Quinta. In A: Eulitz, in B: Kummer. — Latein. 
9 St. Wiederholung des Pensums der Sexta. Unregelmäfsige Formenlehre. Einige Hauptregeln der Syntax. 
Mündliche und schriftliche Übersetzung der Sätze und Stücke aus Busch-Fries U. Lernen von Vokabeln, 
Phrasen, Sprichwörtern, Sätzen und kleineren zusammenhängenden Stücken. Versuche im Lateinsprechen 
im Anschlufs an die Übungsstücke. Pensa und Extemporalia. In A: Eulitz, in B: Kummer. — 
Rechnen. 4 St. Die vier Spezies mit gemeinen und Dezimalbrüchen. In A: Müller I, in B: Mitschke. — 
Naturkunde. 2 St. Botanik i. S.: Betrachtung und Besprechung einzelner Pflanzen und Einreihung in 
das natürliche System. Zoologie i. W.: Reptilien, Amphibien und Fische. In A: Kramer, in B: Liebe. — 
Geographie. 2 St. Europa iin allgemeinen; kurze Besprechung der einzelnen Länder und Staaten. 
In A: Niemeyer, in B: Wäntig. — Gesohlohte. 2 St. Abschluß der römischen Geschichte. Bilder 
aus der deutschen Geschichte bis zum Tode Karls des Groben. Wiederholungen. In A: Körner, 
in B: Kummer. 


Sexta« Klassenlehrer der Abt. A: Dr. Hartl ich, der Abt. B: Dr. Müller. 

Religion. 3 St. Biblische Geschichte des A. T. Erklärung des 1. Hauptstückes des Katechismus. 
Memorieren von Liedern und Sprüchen. In A: Krüger, in B: Reinhold. — Deutsch. 4 St. Besprechung 
ausgewählter Gedichte und Prosastücke des Lesebuchs. Übungen im sinngemäfsen Lesen und im Nacherzählen. 
Vortrag der nach dem Kanon auswendig zu lernenden Gedichte. Besprechung der W’ortarten und der Flexion. 
Die Grundbegriffe der Satzlehre. Einübung der Rechtschreibung und Zeichensetzung. Diktate und Aufsätze 
(meist Nacherzählungen), ln A: Ilartlich, in B: Müller II, seit 1. November Leuschke. — Latein. 
9 St. Regelmäfsige Formenlehre, einschließlich der Verba deponeutia. Einübung von Vokabeln und mündliche 
Übersetzungen nach Busch-Fries, Lateinisches Lesebuch für Sexta. Wöchentlich abwechselnd ein Scriptum 
oder Extemporale. Auswendiglernen von Sprichwörtern und kleinen Erzählungen. Versuche im Latein- 
Sprechen im Anschlufs an die Lektüre zusammenhängender Stücke. In A: Ilartlich, in B: Müller II, seit 
1. November Leuschke. — Rechnen. 3 St. Die 4 Spezies mit unbenannten und benannten Zahlen. Resolution 
und Reduktion. Regeldetri. In A: Särchingcr, in B: Kramer. — Naturkunde. 2 St. Botanik i. S.: 

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Beschreibung und Zergliederung ausgewählter Pflanzen. Einführung in die botanische Terminologie. Zoologie 
i. W.: Besprechung ausgewählter Säugetiere und Vögel. In A: Liebe, in B: Kramer. — Geographie. 

1 St. Grundbegriffe der Erdkunde, Heimatskunde, Geographie von Sachsen. Politische Einteilung, Haupt¬ 
flüsse und Hauptgebirge Deutschlands. In A: Wäntig, in B: Müller, dann Leuschke. — Geschichte. 

2 St. Die wichtigsten griechischen Sagen. Bilder aus der griechischen und älteren römischen Geschichte 
bis auf die punischen Kriege. In A: Hartlich, in B: Leuschke, seit 15. August Rein. 


B. Technische Fächer. 

Schönschreiben. 6 St. VIA und VIB Wöchentlich je 2, VA und VB wöchentlich je 1 St. 
Latein- und Kurrentschrift. Mitschke. — Zeichnen. 12 St. und zwar VA und B je 2 St. wöchentlich. 
Quadrat, Dreieck, Fünfeck, Kreis, Spirale, Blatt- und Blütenformen. Übungen zur Entwickelung 
des Farbensinnes. Reinhold. IVA und B je 2 Stunden wöchentlich. IVB Blätter, Blumen und 
Ornamente. Reinhold. IVA Einfache Ornamente der Kolbschen Sammlung-, Zeichnen geprefster natürlicher 
Blätter und Zweige. Im Winter Einführung in das geometrische Zeichnen; Ornamente auf geometrischer 
Grundlage. Wäntig. UIIIA und UIIIB zusammen 2 St. wöchentlich: Zeichnen einfacher Ornamente nach 
Vorlagen und Modellen, Schraffier- und Tuschübungen. Uhlmann. OIIIA und B, UIIA und B, OIIA und B, 
UIA und B, OIA und B, zusammen 2 St. wöchentlich: Zeichnen von reicheren Ornamenten nach Vorlagen 
und Modellen, Schraffier- und Tuschübungen, Zeichnen und Malen von Landschaften, Einführung in das 
Figurenzeichnen, Farbentheorie, Skizzierübungen. Uhl mann. — Singen. 10 St. VIA und B 2 St 
Notenlehre. Intervalle. Treffübungen. Tonleitern. Choräle und Volkslieder. V A und B 2 St. Die Dur¬ 
tonleitern. Treffübungen. Zweistimmige Choräle und Volkslieder. IVA und B 1 St. Die Molltonleitern. 
Choräle und Volkslieder. OIII—Ol 2 St. Canons, Volkslieder und Choräle. Chorsingen: 3 St. Choräle. 
Motetten und weltliche Lieder für gemischten Chor. Kramer. — Turnen. 32 St. in 16 Klassen und 
2 Kürturnst. Frei- und Ordnungsübungen. Hantel-, Keulen- und Stabübungen. Gerätübungen. Spiele. 
OIA und B, OIIA, UIIB, OIIIA, UHIB, IVA, VB, VIA Mitschke. UIA und B, OIIB, UIIA, OIIIB, 
UIIIA, IVB, VA, VIB Re in hold. — Stenographie. 3 St OHIA und B 2 St. Wortbildungs- und 
Wortkürzungslehre. Lese- und Schreibübungen. UIIA und B l St. Wort- und Satzkürzungslehre. Lese- 
und Schreibübuugen. Körner. 


Aufgaben für die deutschen Aufsätze. 

Ober-Prima A. 1. Wissen ist besser als Reichtum. 2. Hat Goethe in Strafsburg, wie er beabsichtigte, 
heitere und glückliche Tage verlebt? 3. Welchen Sinn hat die Figur des Buenco in Goethes 
Clavigo? (Klassenarbeit.) 4. Die Notwendigkeit und das Wesen der Glaubensgerechtigkeit. (Fach¬ 
arbeit: Prof. Lütze.) 5. Welches sind die Schwächen von Tassos Persönlichkeit? 6. Gut verloren, 
nichts verloren; Ehre verloren, halb verloren; Gott verloren, alles verloren. 7. Ajax und Coriolan. 
8. Inwiefern kann sich Wallenstein mit Cäsar vergleichen? (Klassenarbeit.) 9. Die Eigentümlich¬ 
keiten des französischen Klassizismus, die an Racines Iphigenie aufgefunden werden. (Facharbeit: 
Konrektor Liebe.) 10. Die Lebensweisheit des Horaz. (Prüfungsarbeit.) 

Ober-Prima B. 1. Die Aufgaben und die Arten der Poesie. 2. Wodurch unterscheidet sich die christliche 
Mission der ältesten Zeit, des Mittelalters und der Neuzeit? 3. Auflauf, Aufruhr, Aufstand und 
Empörung in Goethes Egmont. 4. Welchen Männern erteilt die Geschichte den Beinamen „der 
Grofse“? (Facharbeit: Prof. Kohl.) 5.—7. wie in A. 8. Welche Bedeutung hat in Schillers 
Wallensteintrilogie das Lager für die ganze Dichtung? (Klassenarbeit.) 9. Über die akustischen 
Erscheinungen, die sich beim Sprechen und Singen zeigen. (Facharbeit: Hübschmann.) 
10. Prüfungsarbeit wie in A. 


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Unter-Prima A. 1. Die Unternehmungen der Legaten Q. Sabinus und P. Crassus im Jahre 56 v. Chr. 

2. Die Burg Götzens von Berlichingen und das Leben in der Burg. 3. Jage nicht das flücht’ge 
Reh des Weltgenusses, denn es wird ein Leu und wird den Jäger jagen. 4. Die Exposition der 
Ilias. (Facharbeit: Prof. Richter.) 5. Das Höchste in allen Dingen ist schwer und doch mufs 
ein jeder gerade danach streben. (Prüfungsarbeit.) 6. Sich selbst überwinden ist der schwerste 
Krieg, aber auch der schönste Sieg. (Preisarbeit.) 7. Der wahre Bettler ist doch einzig und allein 
der wahre König. 8. Das letzte Buch der Ilias ein Denkmal der Humanität und Frömmigkeit. 
(Facharbeit: Prof. Richter.) 9. Prüfungsarbeit. 

Unter-Prima B. 1. wie in UIA. 2. Insel und Volk der Cyklopen. 3. wie in UIA. 4. Masinissa. 
(Facharbeit: Fickelscherer.) 5.— 7. wie in UIA. 8. Inwiefern wechseln die friedlichen Scenen 
der Ilias wohlthuend mit den kriegerischen ab? (Facharbeit: Wäntig.) 9. Prüfungsarbeit wie in UIA. 

Ober-Sekunda A. 1. Warum sind Ritterburgen auch als Ruinen so anziehend? 2. Non multa, sed multum. 

3. Warum ist der Rhein uns Deutschen so lieb? 4. Siegfrieds erstes Zusammentreffen mit den 

Burgunden. (Prüfungsarbeit.) 5. Das Glück eine Klippe, das Unglück eine Schule. 6. Die vor¬ 
züglichsten Bande, die den Menschen an das Vaterland knüpfen. (Preisarbeit.) 7. Der Kampf 

der Freundestreue mit der Mannestreue in Rüdeger von Becblaren. 8. Qualis vir, talis oratio. 

(Klassenarbeit.) 9. Prüfungsarbeit. 

Ober-Sekunda B. 1. Die Zunge, das wohlthätigste und verderblichste Glied. 2. Gang der Handlung in 

Körners Zriny. 3. Unser Gymnasium. (Klassenarbeit.) 4. Des Lebens ungemischte Freude ward 

keinem Irdischen zu teil. 5. und 6. wie in A. 7. Rüdeger. 8. Arbeit und Fleifs, das sind die 

Flügel, so führen über Strom und Hügel. 9. Prüfungsarbeit. 

Unter-Sekunda A. 1. Vorgeschichte der Schweizer Waldstätte bis zum Schwur auf dem Rüttli. (Nach 

dem ersten Akt des „Wilhelm Teil“.) 2. Der Mann ist wacker, der, sein Pfund benützend, zum 

Dienst des Vaterlands kehrt seine Kräfte. 3. An einer Brandstätte. (Nach Schillers Glocke.) 

4. Beziehungen der Glocke zum menschlichen Leben. (Klassenarbeit.) 5. Abschied der Troerinnen 
von ihrer Heimat. (Erläuternde Schilderung zu Schillers „Siegesfest“.) 6. Licht- und Schatten¬ 
seiten im Charakter Karls VII. von Frankreich. 7. Gedankengang des Monologs der Johanna im 
vierten Akt. (Klassenarbeit.) 8. Wer nicht vorwärts geht, der geht zurücke. 9. Prüfungsarbeit. 

Unter-Sekunda B. 1. Concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuutur. 2. Kunz von Gersau 
erzählt dem Fischer (Teil IV, 1), was er in Altorf erlebt hat. 3. Welche Mittel verwendet Schiller 
in seinem Teil, um „die Sinne zu interessieren“? 4. Im Hoflager zu Chalons. (Klassenarbeit.) 

5. Durch welche Charakterzüge gewinnt der König in der Jungfrau von Orleans unsere Zuneigung? 

6. Die Lage der Griechen am Tage nach der Schlacht bei Kunaxa (von der Mehrzahl der Schüler 
als Gespräch mehrerer Söldner bearbeitet). 7. Elisabeth in Goethes Götz. 8. Das-Schwert ist kein 
Spaten, kein Pflug. 9. Prüfungsarbeit. 

Ober-Tertia A. 1. Herzog Alba auf dem Schlosse zu Rudolstadt. 2. Warum wollte Amasis [des Polykrates 
Freund nicht bleiben? 3. Die Beschreibung der Umgebung von Chemnitz, ein Gespräch. 

(Klassenarbeit.) 4. Was erzählt Möros von seiner Rettung? 5. Das Meer, des Menschen Feind, 
des Menschen Freund. (Prüfungsarbeit.) 6. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. 7. Der Nutzen 

des Wassers. (Preisarbeit.) 8. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand hat seine 

Last. 9. Schillers Flucht aus Stuttgart. (Klassenarbeit.) 10. Prüfungsarbeit. 

Ober-Tertia B. 1. Die Verwendung des Holzes. 2. Warum erregt der Kampf zwischen Caesar und 
Ariovist das Interesse jedes Deutschen? 3. Warum wird der Rhein vor allen anderen Flüssen 
Deutschlands gepriesen? 4. W T elche Gaben und Freuden bringt uns der Wechsel der Jahreszeiten? 
5. Der Ackerbau. 6. Der Nutzen des Wassers. (Preisarbeit.) 7. Entstehung und Bedeutung 
des Weihnachtsbaumes. 8. Eine Hand wäscht die andere. 9. Der Nutzen der Schiffahrt. 

10. Prüfungsarbeit. 

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Unter »Tertia A. 1. Warum gefällt mir der Ritter in Uhlands Schwäbischer Kunde? 2. Welche Verdis 
erwarb sich Themistokles nach Nepos* Darstellung um seine Vaterstadt? 3. Wie denke ich 
Schlofs Boncourt? 4. Bei welcher Gelegenheit ertönen die Glocken? 5. Ein Gewitter im W 
(Prüfungsarbeit.) 6. Die Helvetier ums Jahr 58 vor Christo. 7. Die Lützower im Bi 
8. Die Hauptbeschäftigungen der mittelalterlichen Ritter. 9. Der Graf von Habsburg (Inhaltsang 
10. Prüfungsarbeit 

Unter-Tertia B. 1. Rätsel (der Pflug). 2. Katharina von Schwarzburg (Bericht eines Angenzeu; 
3. Karl XII. und der pommersche Bauer Müsebäk (Klassenarbeit). 4. Das Pferd im Dienste 
Menschen. 5. Prüfungsarbeit wie in A. 6. Schicksale zweier Geldstücke. 7. Der eine oder 
andere (Klassenarbeit). 8. Beobachtungen auf dem Bahnhofe. 9. Winterfreuden. 10. Prüfungsar 


III. Sammlungen und Lehrmittel. 

A. Sohulbibliotliek, Bibliothekar [Professor Dr. Richter. 

Geschenke: 1. Vom Königlichen Gesamtministerium: Gesetz- und Verordnungsblatt 
das Königreich Sachsen. Reichsgesetzblatt. — 2. Vom Königlichen Ministerium des Kultus 
öffentlichen Unterrichts: Die Wettiner, Genealogie des Gesamthauses Wettin. Zvetaieff, Inseripti 
Italiae inferioris dialecticae. Dritter Bericht über die gesamten Unterrichts- und Erziehungsanstalten 
Königreich Sachsen. — 3. Vom Königlichen Statistischen Bureau: Zeitschrift des Königlich Sächsis* 
Statistischen Bureaus. 42. Jahrgang. Heft: 3. 4. 43. Jahrgang. Heft: 1. 2. — 4. Vom Rate 

Stadt Chemnitz: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Fa! 
und Handelsstadt Chemnitz. — 5. Von der Handels- und Gewerbekaramer zu Chemnitz. Jab 
bericht. — 6. Von der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz: XIII. Jahresbcri 

— 7. Von den Herren Verfassern: Krumbiegel, Index verborura in Catonis de re rustica Iibi 
Leuschke, de Metamorphos. in scholiis Vergil. fabulis. Weifsbach, Zur Lösung der sumerischen Fr 

— 8. Von der Stadtbibliothek: Katalog der Stadtbibliothek, I. Abt. Nachtrag I. II. Verzeichnis 
Nachschlagebücher, Prachtwerke und Zeitschriften der Stadtbibliothek. — 9. Von Herrn Prof. I)r. Ben sc.’ 
Krügers Griechische Sprachlehre. Theocriti Reliquiae Graece et Latine. Ed. Kiefsling. L. Am 
Senecae opera. Dammii Lexicon Homerico-Pindaricum. Ed. Rost. Ernesti Lexicon Technologiae Latium 
rhetoricae. Jacobi, Handwörterbuch der griechischen und römischen Mythologie. — 10. Laas, Paedago 
des Johannes Sturm. 

Angekauft wurden: 1. folgende Zeitschriften: Litterarisches Centralblatt; Bursians Jahr 
berichte über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft; Generalregister dazu Heft l - 
Supplement Heft 4 -6; Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik; Zeitschrift für das Gymnasialwes 
Blätter für das Bayerische Gymnasialwesen; Zeitschrift für den deutschen Unterricht Fricks Lehrprm 
und Lehrgänge; Vollmöller, Jahresbericht über die Fortschritte der romanischen Philologie; Neues An 
für Sächsische Geschichte; Petermanns Geographische Mitteilungen; Fortschritte der Physik, Nameuregk 
und Sachregister zu den Fortschritten der Physik Bd. 21—43; Jahrbuch für Volks- und Jugendsnio 
Arebacologischer Anzeiger. 

2. folgende selbständige Werke: 1. Corpus Inscriptionum Atticarum appendix. Ed. Wuen> 

— 2. Gerber und Greef, Lexicon Taciteum. Fase. XIII. — Zielinsky, Cicero im Wandel der Jahrhuiuk: 

— 3. Gardthausen, Augustus und seine Zeit, I. Teil, 2. Bd., II. Teil, 2. Hlbbd. — Roscher, Lexik 
der Mythologie Lief. 34— 36. — 4. Goedeke, Grundrifs zur Geschichte der deutschen Dichtung, Bd. ' 
Heft 16. 17. — Goethes Werke, Bd. 38. 39. — Goethe-Jahrbuch 1897. — Schriften der Gortli 
Gesellschaft, Bd. XII. — Grimms Deutsches Wörterbuch, Bd. IV. I. Abt., 2. Teil, Lief. 12. Bd- I 
Lief. 9. 10. — Montesquieu, Vogages de Montesquieu. — Montesquieu, Mölanges inedits. — Mun 
Wörterbuch der englischen Sprache, Bd. 2. — Meusels Theologisches Handlexikon. — 7. Frick u 


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Gaudig, Aus deutschen Lesebüchern. Bd. V., Abt. 4,8. 9. — Jahrbuch der Höheren Schulen. — 
Monumenta Gernianiae Paedagogica, Bd. XVIÜ. — Ramming, Handbuch der Sch ul Statistik. — Rethwisch, 
Jahresberichte über das höhere Schulwesen 1896. XI. Jahrgang. — Zange, Didaktik und Methodik des 
evangelischen Religionsunterrichts. — 8. Heeren-Ukert, England, Bd. X. — 9. Bronn, Klassen und 
Ordnungen des Tierreichs, Bd. IV, 48—52. Bd. II, 2. Abt 15—17. — Landsberg, Botanik. I. Teil. — 
Müller-Pouillet, Lehrbuch der Physik. Bd. II, 1. Abt., Lief. 3. 

B. Scllülerbibliotliek. Bibliothekar: Dr. Särchinger. 

Die Bibliothek erhielt durch Schenkung von Herrn Oberpostsekretär Winkler: Scheffel 
Ekkehard, vom Herrn Verfasser: Wagner, 300 Tage im Sattel. 

Angekauft wurden: Oncken, Unser Heldenkaiser. Jösting, Erinnerungen eines kriegsfreiwilligen 
Gymnasiasten. König und Vollborn, Die sächsische Armee 1870. Zaifs, Aus dem Tagebuche eines 
badischen Pioniers. Flathe, Sächsische Geschichte, 3 Bände. Klee, Litteraturgeschichte. Harder, Werden 
und Wandern unsrer Worte. Pohlmey, Gymnasialbibliothek: Sejan, Tiberius, Aus Ravenna. Engel, 
Geschichte der französischen Litteratur. Vogt, Katechismus des deutschen Heerwesens. Dannemann, 
Grundrifs der Geschichte der Naturwissenschaften, 1. T. Seemann, Kunsthistorische Bilderbogen. 
Schneider, Sagen der Griechen. Geistbeck, Bilderatlas zur Geographie. Oppel, Kapitän Mago (2 Exemplare). 
Müller, Cook, der Weltumsegler. von öttingen, Unter der Sonne Homers. Noe, Bergfahrten und 
Raststätten. Nansen, In Nacht und Eis. Himmel und Erde, Band IX. Lodge, Neueste Anschauungen 
über die Elektricität. Mach, Populär-wissenschaftliche Vorlesungen. Köhler, Nützliche Vogelarten. 
Braun, Im grünen Walde. Kenngott und Rolle, Naturgeschichte des Mineralreiches. Weinhold, 
Vorschule der Experimentalphysik. Marshall, Bilderatlas zur Zoologie der Säugetiere. Rosegger, 
Mein Weltleben, Waldferien, Schriften des Waldschulmeisters, Peter Mayr. Stein, Paul Gerhard. Raabe, 
Der Hungerpastor. Eichholz, Lateinische Citate mit deutscher Übersetzung. Niese, Geschichten aus 
Holstein. Galen, Humoristische Erzählungen. Wolff, Der Raubgraf. Schupp, Rüling Baarpfennig. 
Schumann, Benjamin Franklin. Weitbrecht, Simplicius Simplicissimus. Gerstäcker, Die Regulatoren 
in Arkansas. Hoffmann, Don Quixote, Gullivers Reisen. Wörrishöffer, Robert der Schiffsjunge. 
Benseler, Auf rauhen Pfaden. Stevenson, Die Schatzinsel. Brandstätter, Friedei findet seine Heimat, 
Erichs Ferien, von Zobeltitz, Unter dem eisernen Kreuze. Nöldechen, Unter dem roten Adler, Die 
Zwillingsbrüder. Marryat, Der Pirat, Jack, Der tapfere Midshipman. Hey er, Hermann Bolk, Philipp 
von Schwaben. Kleinschmidt, Im Zeichen des Kreuzes, Kreuzfahrt und Römerzug. Roth, Kaiser, 
König und Papst. Stilke, Rinold und Tuiskomar. Otto, Das Tabakskollegium. Cooper, Der Pfadfinder, 
Der alte Trapper, Der Wildtöter. Brun eck, Fritz Ohlsen. Kolumbuseier. Neues Universum Band XVH, 
XVIII (2 Exemplare). Hoffmann, Neuer deutscher Jugendfreund (Band 52). Armand, Karl Scharnhorst. 
Tennyson, Enoch Arden. Scriptores historiae Augustae. Die Berufswahl: Droguist, Elektrotechniker, Zahl¬ 
meister, Bergbeamter, Chemiker, Maschineningenieur, Marineoffizier. 

Das der Bibliothek gehörige astronomische Fernrohr ist renoviert und mit einem wetterbeständigen 
eisernen Stativ versehen worden. 

0. Physikalische Sammlung. Verwalter: Dr. Hübschmann. 

Angekauft wurde nur ein gröfserer Posten von Glasgefäfsen für den chemischen Unterricht, 
weil die laufenden Mittel mit zur Anschaffung des im vorigen Jahre aufgestellten neuen Experimentiertisches 
verwendet werden mufsten. 

Mit besonderer Freude ist es begrüfst worden, dafs in diesem Jahre auch das Sammlungszimmer 
und das Vorbereituugszimmer harte Dielung erhalten haben. Es ist nunmehr das ganze physikalische 
Kabinett damit ausgestattet. 

D. Naturwissenschaftliche Sammlung, verwaltet von Konr. Prof. I)r. Liebe. 

Angekauft wurden: ein Präparat, den Verlauf der Nerven eines Säugetieres, und ein Präparat, 
Adern und Kiemen darstellend, zweifarbig injiciert. 

Geschenkt wurden der Sammlung: vom Quintaner Liebe ein Taschenkrebs, ein Seestern. Vom 
Quartaner Naumann eine Herzmuschel. Vom Quintaner von Einsiedel eine Klapper von einer 
Klapperschlange. 


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46 


E. Musikalien. 

Es wurden angeschafft: Hermann Müller, Op. 8 „König Goldner“. Niels*W. Ga de Op. 30 
„Erlkönigs Tochter“. 


F. Lehrmittel für den Zeichenunterricht. 

Angekauft wurden: C. Vogel, Wandtafeln für das Freihandzeichnen, Stuttgart, Metzlersche 
Buchhandlung. 


G. Lehrmittel für Geographie und Geschichte. 

Angeschafft wurden in der neuesten Auflage: Kieperts Graecia antiqua und Italia antiqua als 
Ersatz älterer Karten, ferner Graecia antiqua von v. Kämpen, Kieperts Karte zur Biblischen Erdkunde, 
Asien von Kiepert (neueste Auflage), Australien und Polynesien von Haardt, Nordamerika von Bamberg, 
Kieperts Karte der deutschen Kolonien, Europa von Sydow-Habenicht, Deutschland von Bamberg, 
desgl. von Kuhnert, Deutsches Reich von Debes, Sachsen von Kuhnert, Ortskarte von Sachsen von 
Urban (1897) und Deutschland im Jahre 1648 von Schlag. 

H. Gipsabgüsse plastischer Werke. 

Angekauft wurden an Büsten: Zeus von Otricoli, Juno Ludovisi, Pallas Athene (Velletri), 
Apollon (Belvedere), Artemis (Louvre), Hermes des Praxiteles (Olympia), Aphrodite (Capitol), Sophokles 
(Lateran) und Demosthenes (Lateran), sämtlich in Originalgröfse. 


IV. Prämien, Benelicien, Stipendien. 

I. Bücherprämien erhielten zu Ostern 1897 aus OIA Ranft, aus OIB Reichardt, aus UIA 
Krüger, aus UIB Schwen, aus OHA Hoffmann, aus OIIB Mühlfelder, aus UIIA Schmeitzner, aus (J1IB 
Bretschneider, aus OIIIA Roitzsch und Schiller, aus U11IA Beyer und Meisel, aus UIIIB Enzmami. 
aus IVA Schneidler und Lorenz, aus IVB Göbel und Goldammer, aus VB Vieweg, aus VIA Gabler und 
Buschkiel, aus VIB Förster. 

Die vom Vorstande der hiesigen Kunsthütte als Prämien für Zeichnen zugeschickten Werke erhielten 
Krüger (UIA), Seidel und Hoffmann (beide OIIA). 

II. Königliche Stipendien im Gesamtbeträge von 1200 Mk # empfingen 20 Schüler. 

III. Der Erlafs an Schulgeld betrug 8175 Mk., welche sich auf 113 Schüler verteilten. 

IV. Wiedemann-Stiftung. Bücherprämien erhielten Krüger (OIA), Buder (OIB), Seidel (UIA). 
Kreul (UIB), Bretschneider (OIIA), Bülz (OIIB), Lorenz (UIIA). 

V. Stipendien der Stadt Chemnitz. Die Abiturienten Klichler und Barth empfingen 
je 150 Mk. 

VI. Freiwillige Stiftung. Von den 6 / 8 Zinsen des Jahres 1897 erhielten am 10. Dezember als 
Prämien für die besten deutschen Arbeiten 57 Mk. Sörgel (UIA), 38 Mk. Meier (OIIB), 19 Mk. 
Hartmann (OIIIA). 

VII. Chemnitzer Bürgerstipendium. Je 96 Mk. 43 Pfg. wurden an Riedel (OIA) und 
Gottschaidt (OIB) verliehen. 

VIII. Johannes - Kohl - Stiftung. Je 56,25 Mk. erhielten Friedrich (OIB) uud 
Roitzsch (UIIB). 

IX. Hermann-Emil-Stärker-Stiftung. Am 13. Oktober wurden je 56,tt Mk. an 

Pfalz (UIB) und Dümcke (01IIB) ausgezahlt. 

X. Bruhmsche Stiftung. 106,44 Mk. erhielt Goldammer (UIA). 


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XI. Virtuti et diligentiae (Max-Krenkel-Stiftung). 113 Mk. wurden an Weinreich (01A) 
verliehen. 

XII. Viaticum medioum. 12 Mk. empfing der Abiturient Fritz Grofsmann. 

XIII. Franz-Zschömer-Stiftung. 75 Mk. erhielt zu Johannis und zu Neujahr A. 

XIV. Hartmann-Stiftung. Die zu Johannis und zu Neujahr fälligen Raten ä 75,93 Mk. 
empfingen Meier (OIIB) und Schiller (UIIB). Von den zu Michaelis und Ostern fälligen Zinsen erhielten 
je 89,43 Mk. Hahn (OIA), Körner (OIIB), Hartmann (OIIIA), je 59, 4i Mk. Liebschner (UIA) und 
Rathsburg (ÜIB), Kreul (ÜIB). 

XV. Richard-LohSC-Stiftung. 116 ,02 Mk. erhielt Schwen (01B). 

XVI. Heinrich-Stiftung. Die Zinsen im Betrag von 39 ,60 Mk. wurden dem Abiturienten 
Fritz Grofsmann verliehen. 

XVII. Chorkasse. Das Vermögen besteht aus 2000 Mk. 3 °/ 0 sächs. Rente. 

xvm. Die Tisohkasse verfügte über ein Vermögen von 581,si Mk. (Sparkassenbuch 
Nr. 97434.) 

XIX. Oskarstiftung. Die Zinsen im Betrage von 298,7« Mk. erhielt der Abiturient Georg Müller. 

XX. Brich-Fiedler-Stiftung. 24 Mk. erhielt Ernst Kunz (VIA). 

XXI. Stiftung ehemaliger Schüler. 140 Mk. erhielt der Abiturient Georg Schreckenbach. 


Lehrer-Witwen und Waisen-Pensionskasse Vogel-Stiftung. 

Ober den Stand der Stiftung am Schlüsse des Jahres 1897 giebt der Verwalter, Konrektor Liebe, 
folgende Übersicht: 

a. Einnahmen: 

1206 Mk. 65 Pf. Zinsen des Stammkapitals, 

1176 52 ,, Beiträge der Teilhaber, 

1500 ,, — Nominalwert eines augekauften Staatspapieres, 

1000 „ — ,, Geschenk des Herrn Kommerzienrat Eugen Esche. 

4883 Mk. 17 Pf. 

b. Ausgaben: 

5 Mk. 40 Pf. Verwaltungskostcn, 

1240 „ 96 „ Pensionen an die 5 Empfangsberechtigten, 

1546 „ 73 ., Preis eines angekauften Staatspapieres. 

2793 Mk. 9 Pf. 


c. Abschlufs: 

4883 Mk. 17 Pf. Einnahmen, 

2793 „ 9 „ Ausgaben, 

2090 Mk. 8 Pf. Zuwachs im Jahre 1897, 

30227 .. 25 Kapital beim Abschlufs 1896, 

32317 Mk. 33 Pf. Kapital am 6. Dezember 1897. 


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V. Statistik. 

a. Lehrerkollegium und Sehulbeamte. 

Rektor: Professor Dr. Albert Bernhard Arnold. 
Konrektor Prof. Dr. Friedrich Otto Liebe. 

Prof. Dr. Gottfried Ernst Niemeyer. 

Prof. Dr. Friedrich Ludwig Buschkiel. 

Franz August Kramer. 

Prof. Dr. Friedrich Robert Richter. 

Prof. Dr. Oskar Krüger. 

Prof. Dr. Friedrich Lütze. 

Prof. Dr. Johann Nicolaus Michael Hanske. 
Prof. Dr. Horst Ernst Arminius Kohl. 

Dr. Karl Hugo Hübschmann. 

Dr. Martiu Fickelscherer. 

Dr. Paul Ottomar Richard Wäntig. 

Dr. Emst Särchinger. 

Dr. Karl Rein. 

Alexander Eugen Louis Caspari. 

Dr. Oswald Wolff. 

Dr. Hermann Gäbler. 

Otto Eugen Jungmann. 

Dr. Heinrich Volkmar Estel. 

Dr. Gustav Eduard Erdenberger. 

Heinrich Paul Müller. 

Johann Friedrich Theodor Schöne. 

Dr. Emil Körner. 

Dr. Paul Steinbach. 

Dr. Georg Eulitz. 

Dr. Paul Hermann Hart lieh. 

Dr. Paul Günther. 

Dr. Franz Kummer. 

Johann Mitschke. 

Dr. Hermann Theodor Müller. 

Rudolf Leopold Reinhold. 

Dr. Alfred Leuschke. 


Zeichenlehrer: Architekt und Lehrer an den Technischen Staatslehranstalten Friedrich Otto Uhl mann. 
Die Gymnasialkassenverwaltung führt die Königl. Bezirkssteuer-Einnahme (Expedition: Chemnitzer Strafsc 7). 


Hausmeister und Pförtner: Karl Franz Julius Hel big. 


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49 


b. Schülerverzeiclmis. 

(Die mit * Bezeichnctcn sind bei Beginn oder im Laufe des Schuljahrs aufgenommen worden.') 



Jahr und Ort 

Stand 


Jahr und Ort 

Stand 

Name. 

der Geburt. 

des Vaters. 

Name. 

der Geburt. 

des Vaters. 




Naumann, Kurt 

1879. Chemnitz 

Kaufmann. 

Ober-Prima A. 



Kaden, Johannes 

1878. Marienberg 

Pfarrer. 

Krüger, Johannes 

1879. Chemnitz 

Professor. 

Landschreiber, Max 

1890. Mittweida 

Kaufmann. 

Weinreich, Oswald 

1879. Clausnitz 

Gutsbesitzer, f 

Beschorner, Rudolf 

1881. Dresden 

Landger.-Rat. 

Greif, Wilhelm 

1879. Mittweida 

Bäckermstr. t 

Hanske, Paul 

1880. St. Petersburg 

Professor. 

Lange, Paul 

1878. Falkenstein 

Kaufmann. 

Liebschner, Karl 

1880. Chemnitz 

Eisenbahn- 


i. V. 




Bauinsp. a. D. 

Pelz, Oskar 

1878. Niederwiesa 

Postsekret&r. 

Rehropp, Johannes 

1878. Meerane 

Realschulober- 

Riedel, Kurt 

1878. Chemnitz 

Lehrer. 



lehrer em. 

B&hr, Paul 

1874. Reinsdorf 

Gutsbesitzer. 

Goldammer, Ulrich 

1879. Chemnitz 

Schuldirekt, t 


b. Waldheim 


Boericke, Felix 

1680. Schönau 

Färbercibes. f 

Vogel, Fritz 

1879. Chemnitz 

Lehrer. 

Meifsner, Karl 

1878. Rochlitz 

Kaufmann. 

Beck, Arthur 

1877. Hohenstein 

Kaufmann. 

Frommhold, Martin 

1880. Dörnthal 

Pfarrer. 

Hahn, Guido 

1877. Chemnitz 

Rentner, f 

Kretzschmar, Heijir. 

1879. Dresden 

Bürgermeister. 

Wolfart, Heinrich 

1879. Karlsruhe 

Ingenieur. 

Bamberg, Horst 

1880. Annaberg 

Kaufmann. 

Voigt, Fritz 

1878. Chemnitz 

Schuldirektor. 

Lenk, Max 

1877. Schönheide 

Fabrikbesitz. 

Vogel, Karl 

1877. Reitzenhain 

Bahnhofs- 

Lichtenstein, Florus 

1678. Steinbach 

Gutsbesitzer. 



restaurateur.t 




Kegel, Willy 

1879. Berlin 

Fabrikdirekt, t 




Ge^lach, Fritz 

1878. Hainichen 

Kaufmann. 

Unter-Prima B. 






Kempe, Kurt 

1S79. Chemnitz 

Lehrer. 

Ober-Prima B. 



Heilmann, Adolf 

1876. Chemnitz 

Vermessungs¬ 

Schwen, Paul 

1879. Bärenstein 

Pfarrer. 



ingenieur. 


b. Laucnstein 


Borger, Otto 

1879. Chemnitz 

Kaufmann. 

Auerswald, Walther 

1879. Oederan 

Klempner¬ 

Mühlfelder, Leo 

1879. Göttingen 

Rabbiner. 



meister. t 

Schaarschmidt, 

1879. Chemnitz 

Postdirektor. 

Graupner, Max 

1879. Taucha 

Amtsger.-Bat. 

Wilhelm 



Gottschaidt, Reinh. 

1878. Chemnitz 

i Baurat. 

Kreul, Martin 

1880. Dresden 

Baurat. 

Burmann, Herbert 

1880. Rostow a/Donj Fabrikbesitz. 

Meyer, Georg 

1SS0. Olbernhau 

Mühlenbesitz. 

Schmidt, Friedrich 

1877. Plauen i/V. 

Staatsanwalt. 

Rath8bürg, Alfred 

1880. Stollberg 

| Oberpostsekr. 

Franck, Herbert 

1878. Chemnitz 

Kaufmann. 

Pfalz, Johannes 

1879. Chemnitz 

Professor, f 

von Stern, Max 

1878. Chemnitz 

Justizrat. 

Hauptmann, Hans 

1880. Chemnitz 

Kaufmann. 

Beschorner, Alfred 

1880. Dresden 

Landger.-Rat. 

Kay8er, Gottfried 

1 1880. Dresden 

Professor. 

Buder, Kurt 

1S78. Chemnitz 

Oberlehrer. 

Kern, Richard 

i 1879. Chemnitz 

Pfarrer. 

Friedrich, Theodor 

1879. Chemnitz 

Oberlehrer. 

Schwachtmann, 

1879. Hannover 

Kaufmann. 

Ranjie, Johannes 

1878. Chemnitz 

Privatmann, t 

Rudolf 



Winckler, Richard 

1878. Chemnitz 

Kaufmann. 

Haacke, Hermann 

1880. Leubnitz 

b. Werdau 

Heizhaus¬ 

vorstand. 




Kühnert, Edmund 

1878. Hartmanns¬ 

. Fabrikant. 

Unter-Prima A. 




dorf 





Reichelt, Max 

1876. Dorfchemnitz 

Gemeinde¬ 

Kaulfers, Werner 

1880. Chemnitz 

Arzt. 



vorstand. 

Hartmann, Johannes 

1878. Chemnitz 

Lehrer. 

Abigt, Walter 

1877. Wittgensdorf 

Apotheker. 

Hoffmann, Walter 

1880. Putzkau 

Pfarrer. 

* Voigtländer- 

1880. Schweizerthal 

Fabrikbes. 

Soergel, Albert 

1880. Chemnitz 

Kaufmann. 

Tetzner, Herbert 



Seidel, Karl 

1880. Chemnitz 

! Schuldirekt, t 

Schwalbe, Arthur 

1879. Chemnitz 

Fabrikbes. 


7 


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Original frorn 

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50 



Jahr und Ort 

Stand 


Jahr und Ort 

Stand 

Name. 

der Geburt. 

des Vaters. 

N & m e. 

der Geburt. 

des Vaters. 




Domsch, Walter 

1883. Frei berg 

Amtsger.-Rat. 

Ober «Sekunda A. 



•Zieger, Ernst 

1880. Löfsnitz i. E. 

Bürgermeister 

Br et Schneider, Karl 

1881. Oberwiesen- 

Apotheker. 

Schwalbe, Georg 

1878. Chemnitz 

Fabrikdirekt. 


thal 


Eger, Richard 

1880. Chemnitz 

Lehrer. 

Oelschlegel, Herrn. 

1881. Oberschlema 

Pfarrer. 

Ebel, Fritz 

1882. Chemnitz 

Professor. 

Meyer, Karl 

1879. Chemnitz 

Monteur. 

Limmer, Georg 

1881. Leipzig 

Oberwerkführ. 

Ho ff mann, Bernhard 

1881. Grimma 

Landger.-Rat. 

Epping, Fritz 

1881. Kiel 

Arzt. 

Schmidt, Max 

1881. Langen berg 

Lehrer. 

Strobel, Albert 

1879. Furth 

Mühlengutsbes. 


b. Hohenstein 


Müller, Ernst 

1881. Chemnitz 

Lehrer. 

Gang, Walter 

1881. Chemnitz 

Kaufmann. 

Kiefs, Oskar 

1882. Mittweida 

Apothekenbes 

Wuth, Georg 

1879. Ölsnitz i/V. 

Pfarrer. 

Holstein, Kurt 

1881. Chemnitz 

Kaufmann. 

Meusel, Karl 

1880. Franken- 

Pfarrer, f 

Schreyer, Ottomar 

1882. Falkenau 

Privatmann. | 


hausen 


Lindner, Arthur 

1881. Siegmar 

Kaufmann. 

Flechsig, Alfred 

1879. Hohenstein 

Kaufmann. 

Wisla, Max 

1882. Chemnitz 

Kantor. + 

Vötzsch, Fritz 

1879. Frohburg 

Lotterie- 

Colditz, Gerhard 

1881. Treuen 

Pastor. 

Sonntag, Richard 

1880. Wiederau 

Gutsbesitzer. 

Kohl, Armin 

1882. Chemnitz 

Professor. 


b. Cossen 


Pö8chmann, Gerhard 

1881. Grofsbuch 

Pastor. 

Esche, Arnold 

1880. Chemnitz 

Koimnerzicnrftt. 

Rose, Paul 

1882. Köln 

Kaufmann. 

Kaschke, Kurt 

1881. Plauen i/V. 

Redakteur. 

Sillich, Haus 

1881. Chemnitz 

Kaufmann. 

Benndorf. Erich 

1881. Chemnitz 

Rentner. 




Schetelich, Hans 

1879. Einsiedel 

Möbel fabrkt. 




Schulze v Kurt 

1880. Spremberg 

Güterverwalt. 

Unter-Sekunda B. 



•Hönicke, Walter 

1879. Düsseldorf 

Postrat. 


i 



j 


Schuricht, Otto 

1881. Chemnitz 

Landgericht'- 




* i 

i 

Sekretär. T 

Ober-Sekunda B. 

! 


Kretschmar, Alfred 

1882. Kappel 

Ingenieur. 




Berger, Max 

1881. Chemnitz 

Kaufmann. 

Irrascher, Erich 

188u. Chemnitz 

Rechtsanwalt, f 

Roitzsch, Kurt 

1882. Chemnitz 

Betriebs¬ 

Meier, Rudolf 

1879. Löfsnitz 

Schuldirektor. 



sekretär. 

Schmeitzner, Rudolf 

1881. Chemnitz 

Zimmermstr. 

Schiller, Richard 

1881. Lichtenberg 

Kaufmann. 1 

Körner, Erich 

1879. Chemnitz 

Lehrer. 


b. Freiberg! 


Nottnagel, Osmar 

1881. Chemnitz 

Kaufmann. 

Haferkorn, Camillo 

1881. Chemnitz 

Lehrer. 

Kaiser, Fritz 

1880. Gittersee 

! Eisenbahn- 

Falcke, Viktor 

1881. Hohenstein 

Fabrikant. 

1 

b. Potschappel 

Bauinspektor. 

Krüger, Rudolf 

1881. Chemnitz 

Professor. 

Bülz, Friedrich 

1880. Chemnitz 

1 

Buchhändler. 

Brückner, Rudolf 

1881. Chemnitz 

Strafsen-Inf 

N ie ra e y e r, Wolfgang 

1880. Chemnitz 

Professor. 

Koritzky, Leopold 

1878. Altenburg 

Baumeister r 

Voigt, Hans 

| 1880. Zittau 

Steuerrat. 

v. Glasser, Ehrhard 

1880. Limbach 

Ingenieur. 

Irmscher. Felix 

| 18Su. Chemnitz 

Kaufmann. 

Dresel, Walter 

1883. Chemnitz 

Fabrikant. 

Eichhorn, Reinhard 

| 1880. Chemnitz 

Arzt, Hofrat. 

Anger, Erich 

1880. Leipzig 

Oberpostsekr. 

Hermsdorf, Gottfried 

1880. Chemnitz 

Kommerzienrat. 

Frommhold, Walter ' 

1882. Chemnitz 

Pfarrer. 

Dilcher, Oskar 

! 18S0. Grofsenhain 

Bahnhofsinsp. 

Conradi, Erich 

1882. Limbach 

Kaufmann. 

Uhlicli, Rudolf 

j 1880. Chemnitz 

Kaufmann. 

Strubeil, Bruno 

1882. Chemnitz 

Kaufmann. 

Geinitz, Ernst 

1881. Taucha 

Agent. 

Kempe, Max ' 

i 

1881. Chemnitz 1 

Lehrer. 


b. Leipzig 


Zwingenberger, 1 

1880. Hohenstein 

Fabrikant. 

Lindner, Erich 

, 18S1. Chemnitz 

Rechtsanwalt, f 

Walter 






Ivnoth, Paul 

1881. Neukirchen 

Fabrikant 

Unter-Sekunda A. 



Müller, Johannes 

1880. Unterwiesen¬ 
thal 

| Fabrikant. 

Albrecht, Hans 

i 

j 1882. Crossen 

: Pastor. 

Burmann, Arthur 

1883. Rostow 

Spinnereibes 

de Guehery, Rudolf 

1883. Dresden 

Rendant. 

Ileymann. Albert 

1882. Chemnitz 

, Rentner. 

Lorenz, Günther 

1882. Chemnitz 

Professor. 

Röntsch, Walter 

i 1881. Chemnitz 

, Postdirektor, t 


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Name. 

Jahr und Ort 

der Geburt. 

Stand 

des Vaters. 




Ober-Tertia A. 

1 


Hartmann, Richard 

18b2. Chemnitz 

Maschinen¬ 

meister. 

Falcke. Wilhelm 

j 1883. Hohenstein 

Kaufmann. 

Enzmann, Erich 

1S83. Lausigk 

Schuldirektor. 

Schäfer. Hans 

1882. Ilarthau 

Fabrikbesitz. 

Seidel, Friedrich 

1882. Zschopau 

Seminaroberl. 

Hösel, Kurt 

, 1 SSI. Burkhardts- 
! dorf 

Kassierer. 

Naumann, Hans 

1883 Chemnitz 

Kaufmann. 

Oberländer, Karl 

| 1882. Chemnitz 

Lehrer. 

Kirsch. Robert 

1882. Chemnitz 

Professor. 

Mühlfelder, Harry 

IS82. Göttingen 

Rabbiner. 

Kiefs, Julius 

1 1881. Mittweida 

Apothekenbes. 

Beyer, Rudolf 

18S2. Chemnitz 

Bürstenfabrkt. 

Kumpelt, Hermann 

1SS2. Borna 

Amtshaupt¬ 

mann 

Sonntag, Fritz 

ISSl. Wiederau 

Gutsbesitzer. 

Eulitz, Alfred 

1881. Chemnitz 

Lehrer. 

Lohse. Oswald 

1SS2. Chemnitz 

Kaufmann. 

Lämniol, Fritz 

1882. Chemnitz 

Kaufmann, t 

Reith. Johannes 

1883. Chemnitz 

Fabrikdirekt. 

Kupferberg. Heinr. 

1SS2. Chemnitz 

1 Fabrikant. 

Kretzschmar, Herrn. 

1 1SS2. Chemnitz 

Kaufmann. 

Franz, Karl 

1881. Zschopau 

Assessor. 

Zschockelt, Otto 

1882. Gablonz 

. Apothekenbes. 

Richter, Rudolf 

1882. Chemnitz 

Redakteur. 

Grimm. Walter 

1883. Chemnitz 

Kaufmann. 

Schönherr, Johannes 

16b3. Schellen borg 

Sekretär. 

Schuricht, Rudolf 

1SS2. Chemnitz 

Kaufmann. 

Ilafsler, Carol 

1882. Altchemnitz 

Kaufmann. 

('hiemann, Harry 

1883. Hohenstein 

Obcraints- 

richter. 

Ober-Tertia ß. 

Frey, Johannes 

1882. Freiberg 

Landgerichts- 

Präsident. 

Geifsler, Erich 

1S82. Chemnitz 

Oberlehrer. 

Wagner, Kurt 

1882. Böhrigen 

b. Rofswein 

Stations- 

Assistent 

Fischer, Johannes 

1882. Chemnitz 

Kratzen¬ 

fabrikant. 

Beyer, Friedrich 

tb82 Hainichen 

Fabrik besitz. 

Meisel. Kurt 

IbSl. Klingenthal 
i. V. 

lsv'-t. (iruna 

Kaufmann, f 

Xaser, Arthur 

Restaurateur 

v. Sch lege 11, Felix 

l8si. Borna 

Postsekrefar. 

Dumcko, Fritz 

l8>3, Altonbiirg 

Kaufmann. 

Werner, Walter 

1**M. Ihe-den 

(iarteninspekt 



Jahr und Ort 

Stand 

Name. 

der Gehurt. 

des Vaters. 

Claus, Meodor ! 

1883. Thalheim 

Hammerwerks¬ 


| 

besitzer. 

Kreul, Hermann j 

1883. Zeulenroda 

1 Baurat. 

Hertel, Johannes j 

1882. Remse 

Pastor 

Steiner, Oskar 

1881. Draisdorf 

; Mühlenguts bes. 

Fischer, Richard j 

1883. Chemnitz 

, Eisenb.-Sekr. 

Schumann, Georg 

1882. Chemnitz 

j Kaufmann. 

Heuberger, Kurt 

1882. Chemnitz 

i Jacquard- 



kartcnßchläg. 

Domsch, Kurt 

1882. Freiberg 

i Amtsger.-Rat. 

Wagner, Fritz 

1882. Chemnitz 

Baumeister. 

Böttger, Walter 

1883. Deutzen 

| Gutsbesitzer, f 


| b. Borna 

I 

Rouanet, Paul 

1 18S3. Mulda 

| Oberförster. 

Vieweg, Max 

1883. Mittelbach 

! Kaufmann. 

Striem, Jacques 

1881 Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Grofs, Albert 

1883. Berlin 

: Postrat 


I 

I 


Unter-Tertia A. 



| 

Müller, Martin 

1883. 

Schwarzbach 

Pfarrer. 

i 

b. Schwarzenberg 


Göbel, Martin 

1883. 

Ruf» wein 

Postsekret ar. 

Jope, Oswald 

1883. 

Chemnitz 

Jacquard- 



kartenschläg. 

Goldammer, Karl 

1884. 

Limhach 

Kaufmann. 

Kohl, Ernst 

1884. 

Chemnitz 

Professor. 

Lenk, Kurt 

1882. 

Zwickau 

! Baumeister 

»Carl, Walter 

1S84. 

Rochlitz 

Oberlehrer, f 

Beck, Rudolf 

1883 

Hohenstein 

Kaufmann. 

Albanus, Ernst 

1884. 

Chemnitz 

; Kaufmann. 

Glorius. Ilans 

1883. 

Leipzig 

Lokomotiven¬ 



führer. 

Weber, Ralph 

18S3. 

Zwickau 

Baurat 

Hörnig, Paul 

1883. 

Leisnig 

Obergendarm. 

♦Klapp, Ernst 

1882. 

Chemnitz 

Brauercidir. 

Naumann. Hans 

1884. 

Rochlitz 

Stadtgeoineter. 

Gerber, Fritz 

18 S 4. 

Ronneburg 

Bürgermeister. 

Mayer, Felix 

1883. 

Bernsdorf 

Lehrer 

Schulze, Georg 

1883. 

Oberfrohna 

Strumpf- und 



Handschuh- 

fabrikant. 

i 

Lenk, Max 

1883. 

Dresden 

Bäckermeister. 

Päutz, Karl 

1884. 

Friedrichs- 

1 ‘tärrer. 


grün b. Zwickau 


Eisolt. Otto 

1883. 

(’hemnitz 

Lehrer. 

Hermsdorf, Johannes 

1882. 

Chemnitz 

Kiiinmemenriit. 

Thiele, Walter 

l8s:i. 

Chemnitz 

Appreteur. 

Billig. Willy 

1882. 

Zwickau 

Postmeister. 

Münnieh, Hans 

1883. 

(’hemnitz 

Baumeister. 

Leuiier. Martin 

1884. 

Hai ne walde 

Pfarrer. 


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Cov *gle 


Original frorn 

HARVARD UNIVERSITY 




52 


Name. 


Jahr und Ort 
der Geburt. 


Stand 
des Vaters. 


Name. 


Jahr und Ort 
der Geburt. 


des Vaters. 


Unter-Tertia B. 

Ca »pari, Fritz 
Schiatter, Hugo 

Brachvogel, Wilhelm 
Schneidler, Erich 
Jobst, Erich 
Hensei, Curt 
Lorenz, Armin 
Weber. Walter 
Körner, Otto 
Holtz, Max 
Zimmermann, Horst 
Schumann, Willy 
Hache, Walter 
Siegert, Alfred 

Bech, Alexander 
Holstein, Paul 
Polster, Otto 

Heusinger, Fritz 
Rau, Hans 

Richter, Paul 
Kayser, Rudolf 
Wiirffel, Hans 
Bürkner, Franz 
Fleischer, Johannes 

Quarta A. 

Schmiedel, Horst 
Zschau, Wolfgang j 
Wendler, Fritz ; 
Richter, Felix 
Fischer, Herbert 
Vieweg, Fritz 
Cohn, Fritz 
Stärker, Hermann 
Schmid, Theodor ; 
Raths bürg, Walter 
Zschoche, Georg 

Michaelis, Alfred 
Henne, Arthur 
Strubeil, Oskar | 
de Guehcry, Paul I 


1883. Chemnitz Professor. 

1883. Neunkirchen Chemiker, 

b.Wiener Neustadt 

1883. Chemnitz Stadtrat a. D. 

1884. Chemnitz Fabrikbesitz. 

1883. Gersdorf Bergdirektor. 

1883. Hohenstein. Pastor. 

1883. Chemnitz Professor. 

1883. Chemnitz Lehrer. 

1883. Gablenz Lehrer. 

1883. Chemnitz Kaufmann. 

1884. Apolda Kaufmann. 

1884. Chemnitz Kaufmann. 

1882. Chemnitz Magazinverw. 

1881. Grünberg Lehrer, 

b. Schellenberg 

1883. Leipzig Oberstltnt z.D. 

1884. Chemnitz Kaufmann. 

1882. Nieder- Gutsbesitzer. 

hermersdorf 

1883. Chemnitz Architekt. 

1882. Hohenstein Rechts¬ 

konsulent. 

1884. Wittgensdorf Betriebssekr. 

1884. Chemnitz Professor. 

1884. Gablenz Lehrer. 

1883. Voitersreuth Bahnhofsinsp. 

1884. Auerswalde Pfarrer. 


1854. Wernsdorf ! Kaufmann. 

1883. Chemnitz Arzt. 

188*2. Zschopau Fabrikbesitz. + 

18S3. Chemnitz Standesbeamt. 

1884. Gablonz Kaufmann. 

1884. Mittelbach Kaufmann. 

1885. Chemnitz Kaufmann. 

1884. Chemnitz Kaufmann. 

1885. Euba Pfarrer. 

1855. Chemnitz Oberpostsekr. 

1885. Lichtenstein K. Vermessgs.- 

Ingenieur. 

1885. Chemnitz Kaufmann. 

1S85. Chemnitz Kaufmann, f 

1884. Chemnitz Kaufmann. 

1884. Dresden Rendant a. d. 

| Kgl. Gefangen- 

I anstalt. 


Gehrenbeck, Ernst 
Au rieh, Walter 

Glombitza, Erich 
Arnold, Werner 
Gulden, Hans 
Seyfert, Hans 
Bornemann, 

Johannes 
Wiede, Hans 
Morgenstern, Rudolf 
Müller, Fritz 
Hempel, Johannes 
♦Zöbisch, Paul 

Albert, Kurt 
Winkler, Johannes 
v. Teubern, Hans 

Veit, Otto 
Sieler, Max 
Reith, Walter 
Janssen, William 

Quarta B. 

Fritzsche, Ernst 
Illgen, Hans 
Drescher, Walter 
Burckhardt, Walter 

Wagner, Karl 
*Unger, Max 
Trommer, Egbert 
Zimmermann, Immo 
*Wienold, Hans 
Krüger, Fritz 
Klapp, Fritz 
Münnich, Adolf 
Müller, Hermann 
Eger, Benno 
Schubardt, Erich 
Striem, Kurt 
Schlegel, Alfred 
BoBsard, Heinrich 
Beckert, Paul 
Müller, Guido 

•Fischer, Wilhelm 
Al brecht, Gerhard 
Wiesemann, Kurt 


1884. Chemnitz Kaufmann. * 

1884. Hartmanns- Kaufmann. 

dorf 

1885. Chemnitz Postsekretär. 

1885. Chemnitz Baumeister. T 

1884. Chemnitz Kaufmann. 

1885. Chemnitz Rechtsanwalt. 

18S5. Chemnitz Lehr.ad.Tech. 

Staatslehranst. 

1884. Chemnitz Kaufmann. 

■ 884. Frankenberg Kaufmann. 

1884. Glauchau Privatmann. 

1885. Göppersdorf Kaufmann. 

1885 Erfurt Oberpost- 

kassenrendanf. 

1885. Plauen i. V. Zollsekretär. 
1S84. Chemnitz Kaufmann. 

1883. Chemnitz Obersteuer¬ 

kontrolleur. 7 

1885. Chemnitz Oberlehrer. 

1885. Chemnitz Kaufmann 
1885. Chemnitz Fabrikdirekt 

1884. Chemnitz Kaufmann. 


1SS4. Weida Bauinspektor. 

1883. Hohenstein Fabrikant. 

1883. Burgstädt Lehrer. 

1883. Chemnitz Maschinen¬ 

fabrikant. T 

1886. Mittweida Stationsassist. 

1883. Taura Fabrikant. 

1882. Burgstädt Baumeister. 

1885. Apolda Fabrikdirekt 

1883. Zschopau Schuldirektor. 

1883. Chemnitz Professor. 

1884. Chemnitz Brauereidir 

Revierförster. 
Must erschlag. 
Bahnhofsinsp 
Droguist. 
Kaufmann. 
Lehrer. 
Oberpostassist 
Kaufmann, f 
Vertr.d.Säcbi 

Masch.-Fbrk, 
Bahnhofsinsp 
Pfarrer. 

1884. Zwickau ! Bahnhofsinsp 


1884. Bömichen 
1884. Callnberg 
j 1884. Altenburg 
1884. Chemnitz 

1883. Chemnitz 

1884. Chemnitz 

1883. Leipzig 

1885. Chemnitz 

1884. Görlitz 

1SS4. Chemnitz 

1885. Crossen 


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Original from 

HARVARD UNIVERSITY 




53 


Jahr und Ort I Stand 
der Geburt. j des Vaters. 


Greyer, Walter 1884. 

Frisch, Hans 1885. 

Schnitzker, Herbert 1885. 
Krüger, Karl , 1884. 

Seidler, Fritz 18S4. 

Schmidt, Fritz 1884. 

Naumann, Albert 1885. 

Eger, Willy 1884. 

Behringer, Hans 1885. 

Starck, Otto 1884. 

Quinta A. 

Förster, Rudolf 1885. 

Brunst, Hans 1886. 

Weber, Max 1885. 

v. Einsiedel, Horst j 1885. 
Mitschke, Otto I 1886. 
Hirche, Friedrich 1886. 

Dietze, Walter 1885. 

Neubert, Ludwig 1884. 

v. Tcubcrn, Walter 1885. 

Teubel, Fritz 18S6. 

♦Schäfer, Alfred 1885 

♦Michligk, Hans j 1884. 

♦Fröhlich, Andreas 1886. 

•Pöschmann, 18>5. 

Johannes 

Sarres, Heinrich 1883. 

Lindner, Johannes j 1885. 

Gerber, Hans j 1885. 

Heidenheim, Bruno 1885. 

Kaiser, Ernst 1886. 

Beigang, Willy 1886. 

Müller, Rudolf 1885. 

Liebe, Fritz 1886. 

Schiel, Eugen 1884. 

Kolb, Walter i 1886. 

Krieger, Fritz 1885. 

Wolfsheimer, Otto 1885. 

Schulz, Paul 1885. 

Liebschner, Leo 1886. 

Möble, Johannes 1886. 

Grundier, Ernst 1885. 


Chemnitz 

Kaufmann. 

Hilbersdorf 

Lehrer an der 
Handelsschule 

Chemnitz 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Professor. 

Chemnitz 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Essigfabrikant. 

Chemnitz 

Arzt, Dr. med. 

Chemnitz 

Lehrer. 

Chemnitz 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Kaufmann. 


Chemnitz 

Klempnerrastr. 

Leipzig 

Staatsanwalt. 

Chemnitz 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Oberturnlehr. 

Chemnitz 

Kaufmann. 

Pieschen 

Oberkontroll- 

b. Dresden 

assistent. 

Marien berg 

Lehrer, f 

Geising 

Obers teuer- 
kontrolleur.t 

Siegmar 

Kaufmann. 

Burgstädt 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Kaufmann. 

Gesau 

Pastor. 

b. Glauchau | | 

Einsiedel 

Pastor. 

Buchholz 

Chemiker. 

Siegmar 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Privatmann. 

Chemnitz 

Fabrikant. 

Altchemnitz 

Kgl. Bau-Insp. 

Gera 

Webereidirekt. 

Schwarzbach 

Pastor. 

b. Eiterlein' 

Chemnitz 

Staatsanwalt. 

Göttingen 

Kaufmann. 

Chemnitz 

Ingenieur. 

Chemnitz 

Lohrer. 

Augsburg 

Kaufmann. 

Burkhardts- 

Kaufmann. 

dorf 

Chemnitz 

Königl. Bau¬ 
inspektor a.D. 

Chemnitz 

Gastwirt. 

Neukirchen 

Bäckermeister. 


Name. 


Meerwein, Georg 
Schoch, Oskar 
Engelmann, Albrecht 

Hillig, Erwin 
Stark, Eduard 
Schuffenhauer,Fritz 
♦Meier, Siegfried 

Quinta B. 

Gabler, Hans 
Buschkiel, Alfred 
Zschaler, Erich 
Winckler, Kurt 
Wehle, Johannes 
Börner, Martin j 
Schäfer, Paul | 

Hemmann, Georg 
Bornemann, Paul 
•Schmidt, Karl 
Hübler, Friedrich 

Köhler, Paul 

Neumann, Walter 
Barthel, Willy 
Klippgen, Friedrich 
Straumer, Paul 
Neufang, Edmund 
Berger, Fritz 
•Böttger, Adolf 
•Zieger, Georg 
♦Schneider, Friedr. 
Lerch, Woldemar j 
Grohmann, Walter 
Pornitz, Rudolph 
Stärker, Martin 
Claufs, Ulrich ! 

♦Börner, Franz ■ 

Kerckow, Johannes . 
Besthorner, Franz 
Sarres, Otto 
Hafsler, Edgar 
Wachler, Oskar 
Jäger, Erich 
Götze, Georg 
Klapp, Peter 
Beeil, Herbert 
♦Müller, Ralph 
♦Richter, Felix 


Jahr und Ort I Stand 

I 

der Geburt, j des Vaters. 

18S5. Chemnitz Kaufmann. 

1886. Chemnitz Kaufmann. 

1884. Rufsdorf Kaufmann. 

b. Limbach 

1885. Zwickau Postmeister. 

1885. Furth Spinnereidir. 

1886. Chemnitz Kaufmann. 

1885. Löfsnitz Schuldirektor. 


1885. Chemnitz Kaufmann. 

1886. Chemnitz Professor. 

1885. Dresden Landger.-Rat. 

1S86. Chemnitz Kaufmann. 

1885. Tctschen Kaufmann, f 

1885. Hilbersdorf Pfarrer. 

1886. Harthau Spinnereibes. 

1885. Schönau Fabrikant. 

1885. Ölsnitz i. E. Arzt, Dr. med. 

1884 Rottluff Mtihlenbesitz. 

1886. Dresden Strafsen- u. 

Wasserb.-Insp. 

1885. Borna Gutsbesitzer, 

b. Chemnitz 

1886. Chemnitz Kaufmann. 
1886. Chemnitz Lehrer. 

1885 Chemnitz | Apotheker. 
1885. Chemnitz : Konrektor em. 
1885. Chemnitz Ingenieur. 

1885. Ödcran Kaufmann. 

1886. Hohenstein Fabrikant. 
1885. Leipzig Bürgermeister. 
1885. Hökendorf Pfarrer. 

1885. Harthau Spinnereidir. 

1886. Königstein Kaufmann. 
1886. Chemnitz Masch -Fbrkt. 
1 Ss 5. Chemnitz ; Kaufmann. 
1885. Chemnitz j Kaufmann, t 

1885. Zelle b. Aue j Pfarrer. 

18S5. Alteubergi.E. Kaufmann. 

1886. Chemnitz Landger.-Rat. 

1885. Bucliholz i. E. Chemiker. 

1885. Chemnitz Kaufmann. 

1886. Chemnitz Kaufmann. 

1885. Soerabya(Jav;i) Fabrikdirekt. 
1885. Schönau Apotheker. 
1885. Chemnitz Brauereidir. 
18S5. Leipzig Oberstltnt.z.D. 

1886 Pnterwiescntli d. Fabrikant. 

1SS4. Chemnitz Buchhändler. 


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Original from 

HARVARD UNIVERSITY 





54 


Name. 

Jahr und Ort 

Stand 

Name. 

Jahr und Ort 

Stand 


der Geburt 

des Vaters. 


der Geburt. 

des Vaters. 

Sexta A. 



Sexta B. 



♦Kunz, Ernst 

1886. Chemnitz 

Kaufmann, f 

♦Fischer, Friedrich 

1887. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Epstein, Otto 
♦Schönherr, Kurt 

1887. Chemnitz 
1885. Rabenstein 

Lehrer. 

Lehrer. 

♦Morgenbefser, Karl 

1887. Nied.-Kuners- 
dorf b. Löbau 

Pastor. 

♦Krause, Kurt 

1886. Meilsen 

Krankenhaus- 

Inspektor. 

♦Buschkiel, Reinhard 
♦Fritzsche, Walther 

1887. Chemnitz 
lS85.Weida(Sachs.- 

Professor 

Kgl.Bauinsp.a. 

♦Tittel, Kurt 

1885. Eibenstock 

Kaufmann. 


Weimar) 

d. Staatsbahn. 

♦Ullrich, Arno 

1887. Chemnitz 

Bautechniker. 

♦Vollmer, Konrad 

1886. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Altmann, Hans 

1887. Chemnitz 

Lehrer. 

♦Stouda, Johann 

1887. Urfahr b.Linz 

Kaufmann. 

♦Holtz, Erwin 

1886. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Meifsner, Fritz 

1886. Chemnitz 

Kaufmann, f 

♦Rausch, Fritz 
♦Dieterle, Rudolf 

1887. Chemnitz 
1886. Chemnitz 

Lehrer. 

Kaufmann. 

♦Kolb, Herbert 

1886. Gersdorf 

b. Ölsnitz 

Obersteiger. 

♦Hoffmann, Rudolf 

1886. Chemnitz 

Lehrer. 

♦Türpe, Fritz 

1886. Altchemnitz 

Bahnmeister 

♦Kraufs, Rudolf 

1886. Chemnitz 

Masch.-Fbrkt. 

Barthol, Alfred 

1885. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Richter, Willy 

1886. Zittau 

Major. 

Bertram, Fritz 

1886. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Breyer, Hans 

1887. Chemnitz 

Arzt, Dr.med. 

♦Berge, Willy 

1886. Chemnitz 

Musiklehrer. 

♦Schaarschmidt, 

Werner 

1887. Limbach 

Kaufmann, t 

♦Weiske, Fritz 
♦Seidler, Erich 

18S6. Chemnitz 
1886. Chemnitz 

Amtsger.-Rat. 

Kaufmann. 

Pecher, Franz 

1S86. Lunzenau 

Fabrikdirekt. 

♦Adler, Bruno 

1886. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Grofs, Hans 

1886. Bremen 

Postrat. 

♦Graf, Ewald 

1886. Hilbersdorf 

Eisenb -Assist. 

♦Soergel, Hans 

1887. Furth 

Kaufmann. 

♦Buerschaper, Hans 

1886. Hainichen 

Rechtsanwalt. 

♦Phenn, Hans 

1887. Chemnitz 

Kirchner. 

♦Starke, Gottfried 

1887. Nieska 

Pastor. 

♦Hirche, Martin 

1887. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Gerhard, Fritz 

1886. Glauchau 

Arzt. 

♦Kupfer, Herbert 

1886. Auerbach i.E. 

Kirchschullehr. 

♦Hennings, Rudolf 

1887. Schellenberg 

Amt8ger.-Sekr. 

♦Zimmermann, Kurt 1886. Rofswein 

Schuldirektor. 

Lang, Fritz 

1886. W'eyhers 

Apotheken- 

♦Garchow, Erhard 

1887 Schwerin 

Telegraph.-Dir. 


b. Fulda 

hesitzer. 

♦Clemens, Paul 

1887. Chemnitz 

Schuldirektor. 

♦Arnold, Horst 

1886. Chemnitz 

Gerichtssekret. 

♦Just, Fritz 
♦Brand, Arno 

1886. Chemnitz 
1886. Glösa 

Kaufmann. 

Lehrer. 

♦Leonhardt, Curt 

1887. Röthigen 

b Borna 

Kaufmann 

♦Schwalbe, Walter 

1886. Stein b.Cossen 

Kaufmann. 

♦Meyer, Arthur 

1887. Efslingen 

Ingenieur. 

♦Hinkel, Otto 

1887. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Kuber, Adalbert 

1884. Schrems 
(N iedcr-Österreich) 

Braumeister. 

♦Kühn, Albert 

1886. Oberfrohna 

Kaufmann. 

♦Naumann, Fritz 

1886. Wurzen 

Stadtgeometer. 

♦Herfurth, Matthe'e 

1887. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Keller, Richard 

1885. Magdeburg 

Kasinowirt. 

♦Lippmann, Georg 

1887. Chemnitz 

Eisenhändler. 

♦Droop, Werner 

1887. Chemnitz 

' Kaufmann. 

♦Fritzsche, Otto 

1886. Lausigk 

Bauinspektor 

♦Kohl, Arndt 

1887. Chemnitz 

Professor. 

♦Seifert, Georg 

1886. Raguhn i. A. 

Restaurateur. 

♦Jachmann, Walther 

1886. Chemnitz 

Schornstein¬ 

♦Wagner, Rudolf 

1887. Chemnitz 

Architekt. 


fegermeister. 

♦Winkler, Hans 

1886. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Täschner, Walther 

1886. Chemnitz 

Kaufmann. 

♦Barthel, Walter 

ISS 3. Raben stein 

Kaufmann. 

♦Adam, Otto 

1886. Chemnitz | 

Stadtbankdir. 

♦Protze, Johannes 
♦Heinrich, Erwin 

1SS7. Dresden 

1886. Waldenburg 

Kaufmann. 

Postmeister. 

♦Schubert, Paul 

1885. Strafsburg 

Oberpostdir.- 

Assistent. 

♦Hafsler, Otto 

Digitlzed by GöO^l 

1887. Altchemnitz 

e 

I Kaufmann. 

♦Reichel, Johannes 1 1887. Chemnitz Ratsvollzieher. 

Original from 

HARVARD UNI VERSIT • 




55 


c. Aufnahme und Abgang. 

Am 15. Februar 1897 bestand der Cötus aus 469 Schülern. Aufgenommen wurden bei Beginn 
und im Laufe des Schuljahres 1897/98 96 Schüler. 

Dagegen verliefsen die Anstalt bis 15. Februar 1898 

1. mit dem Reifezeugnis Ostern 1897 32, s. vorjährigen Jahresbericht S. 56; Michaelis 1897 1. 

2. vor Vollendung des Kursus 72, nämlich 

aus UI Wagenknecht, Kretzschmar, Lieske, Jahn; aus Oll Schmiedel, Bafsler, 
Fränkel, Kirsten, Leonhardt; aus UII Brause, Fischer, Wahn, Döring, Schirmer, Nauck, 
Bahner, Springsguth, Alberti, Richter, Abrahamsohn; aus OIII Kretzschmar, Martin, Mühl¬ 
mann, Heber, Voigtländer-Tetzner, Kriegei; aus U1H Hohl, Moebius, Schnabel, Nestler, 
Lochmann, Kuhnert, Dehnert, Hempfing, Hesse, Frohberg, Seidenglanz, Beck, Lukas, Gloger, 
Drechsler, Richter, Hermsdorf; aus IV Drefs, Borger, Scharsig, Breitfeld, Gäbler, Seydel, 
Schmalfufs, Neider, Adler, Reichelt, Lang; aus V Lungwitz, Hcmpel, Weger, Colditz, 
Schwachtmann, Richter, Schreiber, Semmelrath; aus VI Reichelt (Willy), Schultes, Papsdorf, 
Weger, Kohl, Kleinhempel, Röver, Rische, Disqu6, Peters. 

Demnach besteht der Cötus am 15. Februar 1898 aus 460 Schülern. 


Auf die einzelnen Klassen verteilt sich die gegenwärtige Schülerzahl folgendermafsen: 


I 01: 28 

( UII: 45 

f IV: 67 

Oberklassen: < UI: 39 

Mittelklassen: { OIII: 52 

Unterklassen: < V: 75 

l OII: 33 

l UM: 48 

1 VI: 73 

100 

145 

215 


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vGougle 


Original fram 

HARVARD UNIVERSITY 



56 


VI. Verzeichnis der Bücher, die im neuen Schuljahre gebraucht werden. 


Sexta. 

Landesgesangbuch. 

Choralbuch. 

Römheld, Biblische Geschichte. (Ausgabe B). 
Religiöser Memorierstoff. 

Lesebuch für höhere Lehranstalten, herausgegeben 
von den Lehrern der deutschen Sprache am 
Königl. Realgymnasium zu Döbeln, für Sexta. 
Seyffert-Fries, Lateinische Elementargrammatik. 
Busch-Fries, Lateinisches Übungsbuch für Sexta. 
(Ausgabe für Sachsen.) 

Schmidt-Enderl ein, Erzählungen aus dem Altertume. 
Särchinger-Estel, Aufgabensammlung für den 
Rechenunterricht, 1. Heft. 

Schilling, Kleine Naturgeschichte der drei Reiche, 

2. Teil B, neu bearbeitet von Weber. 

Kuhnerts Karte von Sachsen. 

Liederbuch für die städt. Schulen von Chemnitz, 2. Heft 

Quinta. 

Landesgesangbuch. 

Choralbuch. 

Römheld, Biblische Geschichte. (Ausgabe B.) 
Religiöser Memorierstoff. 

Lesebuch für höhere Lehranstalten, herausgegeben 
von den Lehrern der deutschen Sprache am 
Königl. Realgymnasium zu Döbeln, für Quinta. 
Wen dt, Grundrifs der deutschen Satzlehre. 
Seyffert-Fries, Lateinische Elementargrammatik. 
Busch-Fries, Lateinisches Übungsbuch für Quinta. 
Schmidt-Enderlein, Erzählungen aus dem Altertume, 

4 Aufl. 

Särchinger-Estel, Aufgabensammlung für den 
Rechen unterricht, 2. Heft 

Schilling, Kleine Naturgeschichte der drei Reiche, i 
2. Teil B, neu bearbeitet von Weber. I 

Lüddecke, Deutscher Schulatlas. ' 

Liederbuch für die städt. Schulen von Chemnitz, 2. Heft. 

j 

Quarta. | 

Bibel, Landesgesangbuch, Choralbuch. 

Römheld, Biblische Geschichte. (Ausgabe B.) I 

Religiöser Memorierstoff. I 

I/esebuch für Quarta (Döbeln). 

Wendt, Grundrifs der deutschen Satzlehre. j 

Stegmann, Lateinische Schulgrammatik. 


Busch-Fries, lateinisches Übungsbuch für Quam 
Cornelius Nepos von Nipperdey und Lupus 
Haacke, Wörterbuch zu Cornelius Nepos. 

Plötz-Kares, Kurzer Lehrgang der französischen 
Sprache (Elementarbuch, Ausg. B) für Gymnasien 
Ulbricht, Erzählungen aus dem Mittelalter. 
Särchinger-Estel, Aufgabensammlung, 3. Heft 
Schilling, Kleine Naturgeschichte der drei Reiche, 
2. Teil B, neu bearbeitet von Weber. 

Debes, Schulatlas. 

Daniel, Leitfaden der Geographie. 

Liederbuch für die städt. Schulen von Chemnitz, 2. Heft. 

Unter-Tertia. 

Bibel, Landesgesangbuch, Choralbuch. 

Religiöser Memorierstoff. 

Lesebuch für Unter-Tertia. (IV. Teil, 1. Abt.) (Döbeln). 
Stegmann, Lateinische Schulgrammatik. 

■ Warschauer, Übungsstücke zum Übersetzen aus dem 
Deutschen ins Lateinische, 1. Teil, nebst Wörter¬ 
verzeichnis (nach den Übungsstücken geordnet, 
Caesar, De bello Gallico von Menge. (Ausgabel) 
Georges, Lateinisch-De utsches u. Deutsch- Latein i sein- 
Handwörterbuch, 2 Bände. 

Alb. van Kämpen, Descriptiones nobilissimorum 
apud classicos locorum. Series I. (Caesar.) 

| Gerth, Griechische Schulgrammatik. 

Gerth, Griechisches Elementarbuch, 1. Teil. 

Plötz-Kares, Kurzer Lehrgang der französischen 
Sprache. (Elementarbuch, Ausgabe B.) 
Plötz-Kares, Kurzer Lehrgang der französischer. 
Sprache (Sprachlehre). 

Plötz-Kares, Übungsbuch (Ausg. B) für Gymnasien 
Leunis, Analyt. Leitfaden für Naturgeschichte, 1 Teil 
Wrobel, Übungsbuch zur Arithmetik und Algebra, 
1. Teil. 

Fenkner, Lehrbuch der Geometrie, 1. Teil. 
Andrä, Geschichtlicher Leitfaden für Anfänger. 
Putzger-Baldamus, Historischer Schulatlas. 
Schulatlas von Debes. 

Daniel, Leitfaden der Geographie. 

Ober-Tertia. 

Bibel, Landesgesangbuch, Choralbuch. 

Lesebuch für Ober-Tertia. (IV. Teil, 2. Abt.) (Döbeln. 
Steg mann, Lateinische Schulgrammatik. 


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Original frorn 

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57 


Warschauer, Übungsstücke zum Übersetzen aus dem 
Deutschen ins Lateinische, 2. Teil, nebst Wörter¬ 
verzeichnis (nach den Übungsstücken geordnet). 

Caesar, De bello Gallico, von Menge. (Ausgabe B.) 

*Cicero, Catilinar. Reden, bearbeitet von Hachtmann. 
(Ausgabe B.) 

Franke, Chrestomathie aus röm. Dichtem. 

George s, Lateinisch-Deutsches u. Deutsch-lateinisches 
Handwörterbuch, *2 Bände. 

Alb van Kämpen, Descriptiones, wie in U III. 

Gerth, Griechische Schulgrammatik. 

Gerth, Griechisches Elementarbuch, l. und 2. Teil. 

*Xenophon, Anabasis von Bachof. (Ausgabe B.) 

Plötz-Kares, Kurzer Lehrgang der französischen 
Sprache (Sprachlehre). 

Plötz-Kares, Übungsbuch (Ausg. B) für Gymnasien. 

Gropp und Hausknecht, Auswahl von französischen 
Gedichten. 

Bardey, Aufgabensammlung der Arithmetik. 

Fenkner, Lehrbuch der Geometrie, 1. Teil. 

Richter, Grundrifs der allgemeinen Geschichte, 
1. Teil. 

Schäfer, Geschichtstabellen. 

Putzger-Baldamus, Historischer Schulatlas. 

Schulatlas von Del)es. 

Daniel. 1/ütfaden der Geographie. 

Unter-Seeunda. 

Bibel, Landesgesangbuch, Choralbuch. 

Krüger, Übersicht der Kirchcngeschichte. 

Schillers Gedichte, Teil und Jungfrau von Orleans. 

Goethes Egmont und Götz von Berlichingen. 

Stegmann, Lateinische Schulgrammatik. 

Warschauer, Übungsstücke, 2. Teil. ( wie 

Georges, Handwörterbuch. J in 0 III. 

Cicero, De imperio Gnaei Pompei, erklärt von 
Deuerling, Text und Kommentar getrennt. 

Franke, Chrestomathie aus röm. Dichtern 

* Cicero, De senectute, erklärt von Meifsner. 

Ovids Metamorphosen ed. Siebelis-Polle, 1. Teil. 

Gerth, Griechische Schulgrammatik. 

Pape, Handwörterbuch der griechischen Sprache, oder 
Ben seler und Sehen kl, Griechisch-Deutsches 
und Deutsch-Griechisches Wörterbuch. 

Xenophon, Anabasis von Bachof. (Ausgabe B ) 

•Homers Odyssee von Henke. 

Seyffert, Übungsbuch zum Übersetzen aus dem 
Deutschen ins Griechische, 2. Teil. 

Plötz-Kares, Kurzer Lehrgang der französischen 
Sprache (Sprachlehre). 

Plötz-Kares, rbungsbiich (Ausg. B) für Gymnasien. 

Sachs-Villatte, Kranzösisch-Dcutschcs und Deutsch- 
Französisches Wörterbuch oder Schuster und 
Regnicr oder Thihaut. 

Laurie, Memoires d’uii collegieii (Hartmann). 


| Abendroth, Leitfaden der Physik, 1. Teil, 2. Auflage. 
1 Gropp und Hausknecht, 

I 2 ar t Cy ’ »ie 

; Fenkner, 

! Richter, in 

I Putzger-Baldamus, 0 III. 

! Schäfer, 

| Krieg, Lehrbuch der Stenograph. Korrespondenzschrift. 

i 

^ * 

Ober-Secnnda. 

i 

. Bibel, Landesgesangbuch, Choralbuch. 

Novum Testamentum Graece. 

| Nibelungenlied (Schulausgabe von Zarncke). 

1 Walther von der Vogel weide, von Bech stein. 
Schillers Maria Stuart. 

Goethes Hermann und Dorothea. 

Cicero, Pro Roscio, bearbeitet von Schmalz. 
*Sallustius, bearbeitet von Schice. (Velhagen.) 
Virgils Aeneis, erklärt von Lad ewig. 

Herodot IX. Buch, erklärt von Abicht 

* Ly sias, erklärt von Rauchen stein, l.u.2. Bändchn. 
Horners Odyssee, Text und Kommentar von Henke. 
Gesenius, Hebräische Grammatik, bearbeitet von 

Kautzsch, kleine Ausgabe. 

Kautzsch, Hebräisches Übungsbuch. 

I Plötz-Kares, Sprachlehre. 

, Plötz-Kares, Französisches Übungsbuch, 3. Heft. 

Moliöre, L’Avare. (Hartmann.) 

1 Liebe, Französische Übersetzungsaufgaben. 

* Schlömilch, Trigonometrie. 

Schlömilch, fünfstellige Ix>garithmcn, oder Rühl- 
inann, Logarithinisch - trigonometrische Tafeln. 
Hausknecht, The English Student. 

Richter, Grundrifs der allg. Geschichte, L u. 2. Teil. 

1 lateinische und griechische Grammatiken und Wörter- 
I bttcher, Französisches Wörterbuch, wie in U II. 


Krüger, 

■ 


Seyffert 

» 

wie 

Gropp und Hausknecht, 

in 

Bardey, 

Aben d roth. 

U II. 

Schäfer, 

Putzger-Baldamus, 



Unter-Prima. 

Bibel, Landesgesangbuch, Choralbuch 
Novum Testamentum Graece. 

Luther (Velhagen und Klasing). 

Klopstock (Velhagen und Klasing) 

Lessings und Schillers Werke. 

Cicero, Pro Sestio, bearbeitet von Rout erweck. 
Cicero, Tusculanae disput. I., bearbeitet von Ilasper. 
Horatii opera omnia, ed Nauck-Krflger. 
Ausgewählte Reden des Demosthenes, bearbeitet 
von Sörgel-Deuerlinir, 1. Bd., Ausgabe B 

s 


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Original frorn 

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* Platon, Apologie und Kriton, bearbeitet von 
Bertram, Ausgabe B. 

Homers Ilias, Text und Kommentar von Henke. 

♦Euripides, Iphigenie in Taurien, bearbeitet von 
Meckler, Ausgabe B. 

Codex Yet. Testamenti (Ausgabe der Britischen und 
Ausländischen Bibelgesellschaft). 

Gesenius, Hebräische Grammatik, bearbeitet von 
Kautzsch. 

Deutschbein, Kurzgefafste englische Grammatik. 

Deutschbein, Irving-Macaulay-Lesebuch. 

Moli Öre, LesFemraes savantes, Freytagsche Ausgabe. 

PIötz-Kares, Kurzer Lehrgang der französischen 
Sprache (Sprachlehre). 

Schlömilch, Geometrie des Mafses. 2. Teil. 

Krüger, 

Gropp und Hausknecht, Schlömilch 
oder Rühlmann (Logarithmen), 

Liebe, Bardey, Putzger-Baldamus, 
Schäfer, 

Richter, Grundrifs der allg. Geschichte, 3. Teil. 

Abendroth, Leitfaden der Physik, I. u. II. Teil. 

Lateinische und griechische Grammatiken 
und Wörterbücher, 

Französisches Wörterbuch. 

Ober-Prima. 

Bibel, Landesgesangbuch, Choralbuch. 

Novum Testamentum Graece. 


wie in 
UII. 


I wie 
in 

OII. 


Goethes und Schillers Werke. 

^Shakespeares Antonius und Kleopatra. 

Cicero, De oratore I. (Teubners Text) 

Tacitus, Annalen I. II., bearbeitet von Pfitzner, 
Text und Kommentar getrennt 
Süpfle, Aufgaben zum Übersetzen ins Lateinische. 
2. Band. 

Platon, Protagoras, erklärt von Bertram. (Ausg B.i 
♦Thukydides, bearbeitet von Müller, 1. Teil. 
Sophokles,Oedipusrex, 1 ^ 

Sophokles, * Antigone, J von ^ ern ‘ 

Florilegium graecum II. (Teubner.) 

Siegfried und Stade, Hebräisches Lexikon. 
Racine, Phödre, Velhagen. (Ausg. B.) 

Ciala, Französische Grammatik III. 

Collection of longer English Poems I. Velhagen und 
Klasing, Ausgabe B. 

Krüger, 

Horatii opera omnia, 

Codex Yet Testamen ti, 

Gesenius-Kautzsch, 

Schlömilch oder Rühlmann, Logarithmen, 
Schlömilch, Geometrie, 

Abendroth, 

Richter, 

Putzger-Baldamus, Schäfer, 

Lateinische und griechische Grammatiken [ in 
und Wörterbücher, j y n. 

Französisches Wörterbuch. f 


wie 

in 

UI. 


Anmerkung: Yon Grammatiken und Übungsbüchern sind stets die neuesten Auflagen anzuschaffen. 
Mit Stern bezeichnet^ Bücher werden erst von Michaelis an gebraucht. 


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59 


VII. Ordnung der mündlichen Prüfungen. 


Dienstag, den 29. März. 


8 — 

8,30 

YA 

Religion 

— Eulitz. 

8,35— 

9,5 

VIA 

Deutsch 

— Hartlich. 

9,io— 

9,40 

YIB 

Latein 

— Leuschke. 

9,45— 

10,16 

YB 

Rechnen 

— Mitschke. 

10,*0 10,50 

IYA 

Latein 

— Körner. 

10,65— 

11,26 

IVB 

Geschichte 

— Günther. 

11,30— 

12 

uniA 

Griechisch 

— Jungmann. 

2 — 

2^o 

uniB 

Französisch 

— Gäbler. 

2,35— 

3* 

OIHA 

Griechisch 

— Rein. 

3,10— 

3,40 

UIIA 

Mathematik 

— Müller I. 

3,46— 

4,20 

ÜIIB 

Latein 

— Müller II. 

Hierauf Turnen der 

OIIIB 

— Reinhold. 


Zeichnungen der Schüler sind während der Prüfungen im Zeichensaale ausgelegt. 


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60 


VIII. Valedictionsactus. 

Sonnabend, den 26. Min, 10 übr vormittags. 

Choral: „Es ist das Heil uns kommen her“ von Joh. Seb. Bach. 
Greif: Lateinischer Yortrag. 

Sch wen: Deutscher Vortrag. 

Krüger: Griechischer Yortrag. 

Burmann: Französischer Vortrag. 

Sörgel: Abschiedsgrufs an die Abiturienten. 

Motette: „Harre, meine Seele“, von Cäsar Malan. 

Entlassung der Abiturienten durch den Rektor. 
Abschiedsgesang: Comitat von Felix Mendelssohn-Barthol dy. 


Das neue Schuljahr beginnt Dienstag, den 19. April, früh 7 Uhr. Die Aufnahmeprüfui 
findet Montag, den 18. April, von früh 8 Uhr an statt. 

Königliches Gymnasium zu Chemnitz, am 28. Februar 1898. 

Professor I)r. Bernhard Arnold, Rektor. 


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61 


Ergebnis der Reifeprüfungen. 


1. Michaelis 1897. 


N a in e n. 

Geburts 

jahr. 

Ceusur 

im 

Betragen. 

C e n s u r 

in den 

Wissen¬ 

schaften. 

Studium oder Beruf. 

Peters, Ulrich 

1876 

1 

III 

Medizin. 

Fischer, Johann 

1878 

I 

lila 

Jura. 

2. Am 

21. und 

22. März 1898. 


Ober-Prima A. Krüger, Johannes 

1879 

I 

Ib 

Jura. 

Wein reich, Oswald 

1879 

I 

Ha 

Jura. 

Greif, Wilhelm 

1879 

Ib 

11 

Jura. 

Lange, Pani 

1878 

I 

11 h 

Jura. 

Pelz, Oskar 

1878 

I 

11 

Mathematik. 

Riedel, Kurt 

1878 

I 

11 

Medizin. 

Bitlir, Paul 

1874 

I 

111 

Theologie. 

Vogel, Fritz 

1879 

I 

II 

Theologie u. Literatur¬ 





geschichte. 

Reck, Arthur 

1877 

I 

II b 

Jura. 

Hahn, Guido 

1877 

I 

Hb 

Medizin. 

Wolfart, Heinrich 

1879 

1 

IIu 

Technik. 

Voigt, Fritz 

1878 

l 

II b 

Theologie. 

Vogel, Karl 

1877 

1 

lila 

Jura. 

Kegel, Willy 

1879 

ll> 

Hb 

Jura. 

Ger lach, Fritz 

1878 

1 

111) 

J ura. 

Ober-Prima B. schwen, Paul 

1879 

I 

Ib 

Theologie. 

Auerswald, Walter 

1879 

1 

Ib 

Jura. 

Graupner, Max 

1879 

1 

II a 

J ura. 

Gottschaidt, Reinhard 

1878 

I 

Ilb 

Ingenieurwissenscliaft. 

Bur man n, Herbert 

1880 

1 h 

11 

Militär. 

Schmidt, Fritz 

1877 

I 

II 

Medizin. 

Franck, Herbert 

1878 

I 

Ilb 

Jura. 

von Stern, Max 

1878 

I 

II 

Jura. 

Beschorner, Alfred 

1880 

1 

II 

J ura. 

Buder, Kurt 

1878 

I 

II 

Theologie. 

Friedrich, Theodor 

1879 

1 

Ilb 

Theologie. 

Ranjie, Hans 

1878 

1 

lila 

Medizin. 

Winckler, Richard 

1878 

1 

lila 

Medizin. 


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